fremsley schrieb am 1. August 2009 10:32
> Vielleicht koennen wir uns darauf einigen:
> jeder moege nach Belieben UTF-8 oder UTF-16
> verwenden. Die UTF-16-Fraktion sollte aber
> das in der Spezifikation vorgeschlagene
> Byte Order Mark (BOM) voranstellen. Dann
> ist nicht nur geklaert, in welcher
> Reihenfolge die Bytes eines UTF-16-Codes
> daherkommen, es kann auch klar zwischen
> UTF-16 und UTF-8 unterschieden werden, weil
> die Bytes 0xFE und 0xFF des BOM in UTF-8
> nie vorkommen.
Einverstanden.
> Abschliessend noch eine Frage zur chinesischen
> Schrift: wenn es so ist, dass sie, wie du
> sagst, zu einer reinen Silbenschrift mutiert
Das Wort "rein" sollte man vielleicht vermeiden,
weil es unklar ist. Es ist "rein" in dem Sinne,
dass jede Silbe eines Wortes von einem eigenen
Zeichen repräsentiert wird und eben niemals
ein mehrsilbiges, unzerlegbares Wort auch nur
mit einem Zeichen geschrieben werden kann. Ob
ein Zeichen dagegen auch schon ein Wort darstellt
bzw. darstellen kann oder nicht, das ist verschieden.
"Rein" im Sinne "das Zeichen ist bedeutungslos
und steht NUR für eine Lautgruppe" ist es aber
nicht, siehe unten.
> ist: wozu braucht sie dann zig-tausend
> Schriftzeichen? So viele unterschiedliche
> Silben kann die Sprache doch gar nicht haben!
> Die japanische Silbenschrift kennt, wenn ich
> das richtig in Erinnerung habe, rund 50
> Zeichen.
Der Unterschied liegt darin, dass man im Japanischen
Den Weg zur Silbenschrift zuende gegangen ist und
jeglichen historischen Bezug abgelegt hat, d.h. bei
gleicher Aussprache wird immer nur das gleiche Zeichen,
das für diese Aussprache zuständig ist, genommen.
Damit konnte man dann wunderbar schreiben und die
chinesische Schrift wurde überflüssig. (Dass dann
nach 200 Jahren unter Einfluss konservativer
buddhistischer Kreise japanische Regenten die Kanji
wieder in die normale Schrift eingeführt haben, ist
eine Ironie der Geschichte. In Korea ist man dagegen
bei einer reinen Silbenschrift geblieben).
Im Chinesischen ist es zu dieser Vereinfachung, die es
im Japanischen und Koreanischen gab, aber erst unter
Mao Tsetung (Dsedong) gekommen und konnte sich nie
durchsetzen. Dort blieb die Vielfalt der vielen tausend
Hanzi (die größten Verzeichnisse enthalten angeblich an
die 60.000 davon) erhalten, d.h. die phonologisch
gleiche Silbe "lún" wird in verschiedenen Wörtern
verschieden geschrieben, und zwar so, wie es sich
historisch entwickelt hat, d.h. entlang der genetischen
Verbindungslinie von den Wörtern aus Konfuzius' Zeiten
bis heute.
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