Chakra Linux "Claire" 2013.01 ist ein Desktop-Linux, das ganz auf KDE-Anwendungen und Plasma-Oberfläche setzt. Für Installation und Konfiguration hält die Distribution eigene Tools mit vielen Optionen bereit.
Die aus Arch Linux hervorgegangene Linux-Distribution verfügt mit Tribe über einen eigenen grafischen Installationsassistenten, der sich aus dem Live-System heraus starten lässt. Die Software sieht gut aus und ist auch ansonsten gelungen. Sie führt verständlich durch die einzelnen Installationsschritte und bietet dabei die Möglichkeit, noch an einigen Schrauben zu drehen und beispielsweise weitere Benutzer anzulegen oder zusätzliche Anwendungen zu installieren. Wenn’s ans Partitionieren geht, listet Tribe existierende Partitionen auf oder öffnet auf Wunsch den KDE Partition Manager.
Chakra Linux setzt ganz auf die KDE Software Compilation 4.9.5 und den Plasma-Desktop. Wie die aktuelle KDE-Version ist auch Chakra Linux 2013 der verstorbenen KDE-Entwicklerin Claire Lotion gewidmet. Die Distribution verfügt über eigene Paketquellen und verzichtet darin völlig auf GTK-Anwendungen. Stattdessen schöpfen die Entwickler aus dem reichhaltigen KDE-Fundus: Als Dateimanager dient Dolphin, der Webbrowser ist Rekonq und als Office-Paket kommt Calligra 2.5.4 zum Einsatz. LibreOffice lässt sich aus den Paketquellen nachinstallieren.
Bilder betrachtet man mit Gwenview, als Instant-Messenger ist KDE-Telepathy dabei. Im Multimedia-Bereich steht die Distribution dank Amarok, das als Audioplayer und Musikverwaltung agiert, und dem mächtigen Brennprogramm K3b gut da. Videos spielt Dragon Player und sogar der Video-Editor Kdenlive ist vorinstalliert. Einige Beispielanwendungen verwenden bereits das neue Qt 5.0, darunter das Programm Youtubeview, das Videos der Online-Plattform YouTube und einiger anderer in einer schlichten Oberfläche präsentiert. Für Cloud-Backups nutzt Chakra standardmäßig Spideroak, für den Zugriff auf Dropbox lassen sich passende Tools nachinstallieren.
Um den Chakra-Nutzern beliebte Nicht-KDE-Programme wie Gimp, Firefox, Inkscape oder Audacity zugänglich zu machen, haben die Entwickler den Bundle-Manager CInstall erdacht, mit dem sich diese separat installieren lassen. Ein inoffizielles Community-Repository (CCR) bietet ebenfalls weitere Software – darunter auch GTK-Programme. Die Arch-Linux-Repositories lassen sich nicht verwenden, ein Skript konvertiert bei Bedarf aber Pakete aus dem Arch User Repository (AUR) in ein Quelltextpaket für CCR. Neue Chakra-Versionen erscheinen rund alle sechs Monate, für KDE-Desktop und -Anwendungen liefern die Entwickler aber auch zwischen den Releases neue Versionen – sie bezeichnen ihre Distribution daher als "Semi-Rolling Release".
Auf eine grafische Oberfläche für die Paketverwaltung verzichtet Chakra. Zum Installieren und Entfernen von Software muss man auf das von Arch Linux geerbte Konsolen-Werkzeug pacman zurückgreifen. In künftigen Chakra-Versionen soll der noch nicht fertige Paketmanager Akabei dessen Nachfolge antreten. Weitere Infos zu Paketen liefert eine Paketliste samt Suchfunktion auf der Projekt-Website.
Von Pardus Linux leiht sich Chakra den Einrichtungsassistenten Kapudan, mit dem man unter anderem Desktop-Theme, Hintergrundbild, KDE-Menü, Mauseinstellungen anpassen und gegebenenfalls die Dienste für Bluetooth und Cups deaktivieren kann. Kapudan kann auch eine Firewall aktivieren und weitere Sicherheitstools von der Anti-Viren-Software ClamAV bis zum Intrusion-Detection-Werkzeug Tiger nachrüsten.
Chakra Linux 2013.01 ist ein ansehnliches Desktop-System für KDE-Fans mit Linux-Kernel 3.6.6. Installation und Konfiguration sind einsteigerfreundlich, man muss aber bereit sein, sich in das Paketmanagement auf der Konsole einzuarbeiten. Dank Wiki und Projekt-Website ist das allerdings nicht schwierig. Chakra Linux ist durchaus ein System für Anwender, die Lust haben, sich mit ihrem Linux-System auseinanderzusetzen und es an ihre Bedürfnisse anzupassen. (lmd)