Bitdefender Antivirus Plus im Test: Virenschutz ohne Alarmismus
Unsere Erfahrungen mit Bitdefender Antivirus Plus
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Heutzutage sind es zwar weniger klassische Computerviren als Phishing- und Scam-E-Mails, die ein Risiko darstellen. Doch auch Trojaner und Viren werden nach wie vor in freier Wildbahn gesichtet. Microsoft Windows ist traditionell besonders anfällig für Schädlinge: Schon seine hohe Verbreitung macht es für Angreifer deutlich interessanter als andere Betriebssysteme.
Zwar gibt es auf Windows-Systemen mit dem Defender ein gutes Antivirus-Bordmittel, doch das schützt vorwiegend vor klassischen Malware-Bedrohungen. Wer sich einen erweiterten Funktionsumfang wünscht, muss zu einer dedizierten Antivirus-Lösung greifen. Bitdefender ist hier seit vielen Jahren einer der wichtigsten Anbieter von Sicherheitslösungen für den Desktop. Mit Bitdefender Antivirus Plus* erhalten Nutzer eine durch KI beziehungsweise Machine-Learning gestützte Schutzsoftware. Bitdefender bewirbt diese als „Rundum-sorglos-Paket“ für ein „sorgenfreies digitales Leben“ – und das für 49,99 € pro Jahr für drei Geräte pro Lizenz.
Viele Funktionen, aber richtiges VPN kostet extra
Dabei ist völlig egal, ob es sich um Windows-Systeme, Macs oder Mobilgeräte mit iOS oder Android handelt. Letztere werden mit der Mobil-App Bitdefender Mobile Security abgesichert. Naturgemäß kann Bitdefender in den stark abgeriegelten Mobilumgebungen wenig ausrichten (zumal „Antivirus“ hier Schlangenöl wäre), weshalb der Anbieter neben dem eigentlichen Antivirus zahlreiche Extras integriert hat. Die greifen auf dem Desktop und auf Mobilsystemen, darunter Betrugswarnungen, ein Kontoschutz sowie einen „Internet-Schutz“, bestehend aus Tracker-Blocker, Website-Überprüfung und einem (leider sehr eingeschränkten) VPN.
Der Anti-Tracker ist im Grunde ein Adblocker
(Bild: Screenshot)
Traditionell ist Windows das am stärksten von Malware betroffene System, weshalb wir unseren Test auf diese Plattform konzentrieren – zumal der volle Funktionsumfang auch nur hier greift: Die Mac- und Mobilversionen sind funktionsärmer.
Erstaunlich dezent unter Windows und MacOS
Die Installation von Bitdefender Antivirus Plus geht unter Windows im Handumdrehen vonstatten. Bitdefender verzichtet weitestgehend auf lästige technische Abfragen und bügelt einfach die Software ins System. Dabei wird, wie bei allen Antivirus-Lösungen, Windows Defender deaktiviert, um eine gegenseitige Störung der Antivirus-Tools zu verhindern. Einmal installiert, ist das Tool auch gleich einsatzbereit: Alle wichtigen Schutzfunktionen sind aktiv, darunter neben dem Echtzeit-Virenschutz die erweiterte Bedrohungsabwehr gegen noch ungepatchte, aber bekannte Zero-Day-Lücken, der Schutz vor gefährlichen Websites sowie der Ransomware-Schutz.
Nach der Installation prüft Bitdefender zunächst das System
(Bild: Screenshot)
Praktisch: Der Installer setzt auch gleich die Anti-Tracker-Funktion – im Grunde ein Werbeblocker mit Gefahrenschutz – in den Browsern Edge, Chrome und Firefox auf. Unter MacOS wird auch Safari automatisch mit der Antitracker-Erweiterung ausgestattet. Bitdefender analysiert das System nach der Installation zunächst einmal vollständig auf Sicherheitsprobleme, anschließend läuft der Check live im Hintergrund. Im ersten Prüflauf nach der Einrichtung wird das System ein wenig belastet, der permanente Echtzeitschutz im Hintergrund ist deutlich ressourcenschonender.
Wie immer ist die Installation unter MacOS und iOS Freigaben-Gefummel, weil das System ab Werk stark gesichert ist.
(Bild: Screenshot)
Im Betrieb fällt direkt auf: Bitdefender nervt weder mit massiver Systembremse noch belästigt das Antivirus-Tool seine Benutzer mit ständigen Hinweisen, wie es bei anderen Lösungen dieser Art der Fall ist. Zudem ist Bitdefender deutlich weniger nervös als vergleichbare Produkte: Gewarnt wird nur, wenn tatsächlich ein Risiko auftritt.
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Cleveres Tool: Der Vulnaribility-Scan
Ein cleveres Tool in Bitdefender ist übrigens der Vulnerability-Scan: Der prüft das System auf mögliche Schwachstellen gegenüber Angreifern und stuft diese nach Gefährdungslage als „High“ oder „Low“, also hoch oder niedrig, ein. Unter die Lupe genommen werden unter anderem die Aktualität des Betriebssystems, die Sicherheit der verwendeten Passwörter, App-Updates, Browser- und WLAN-Einstellungen sowie weitere Sicherheitsoptionen.
Gibt es Lücken, findet Bitdefender sie – und hilft beim Schließen.
(Bild: Screenshot)
Werden potenzielle Risiken wie schwache Passwörter oder automatische Verbindungsherstellung mit fremden WLANs erkannt, ist eine sofortige Behebung über den eingeblendeten „Fix issue“-Knopf möglich. Das schließt Sicherheitslücken, die nicht direkt mit Malware zusammenhängen, zuverlässig, ohne tiefe eigene Systemkenntnis vorauszusetzen.
Ransomware-Schutz gegen Daten-Erpressung
Bitdefender Antivirus Plus widmet sich auch einem weiteren Problem: Der zunehmenden Erpressung von Usern durch die Verschlüsselung wichtiger Dateien. Diese sogenannte Ransomware findet zum Beispiel über korrumpierte Software ihren Weg auf den Rechner, verschlüsselt wichtige Daten – und verlangt anschließend „Lösegeld“.
Selbst neueste Phishing-Links blockt Antivirus Plus zuverlässig.
(Bild: Screenshot)
Um das zu verhindern, schützt Bitdefender wichtige Ordner wie den Dokumente- oder den Bilder-Ordner vor Veränderungen durch nicht vertrauenswürdige Anwendungen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Anwendungen, die Zugriff haben dürfen, manuell freigegeben werden müssen. Dieser Whitelist-Zwang mag lästig erscheinen, hat aber den Vorteil, dass keine eingeschmuggelten Hintergrundprozesse Unfug mit dem System treiben.
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VPN mit starken Einschränkungen
Die VPN-Funktion erinnert fast an eine Demo und erscheint uns in der Praxis relativ nutzlos. Die inkludierte Version erlaubt nur 200 MB Datenverkehr am Tag, was viel zu wenig ist: Im Test auf einem normal betriebenen Mac und einem PC wurde das Volumen binnen weniger Minuten (!) durch Cloud-Dienste, E-Mail-Synchronisation und andere Hintergrund-Prozesse aufgebraucht – ohne dass signifikanter Surf-Einsatz stattgefunden hätte. Tatsächlich war nach rund sechs Minuten Schluss mit VPN – und wir mussten es abschalten.
Das VPN-Kontingent ist binnen weniger Minuten verbraucht.
(Bild: Screenshot)
Das VPN an sich ist nicht schlecht, besitzt Server-Standorte in zahlreichen Ländern, ist leicht bedienbar und besitzt einen Kill-Switch. Um VPN sinnvoll nutzen zu können, sind jedoch weitere 69,99 Euro im Jahr bei Bitdefender fällig – andere VPN-Anbieter sind hier im Zweifel günstiger, sogar das als sehr sicher und relativ teuer geltende Mullvad (Quelle: VPN-Test – Die besten VPN-Anbieter im Vergleich). Der Schutz vor Trackern und ähnlichen potenziell schädlichen Online-Diensten bleibt aber auch nach Ablauf des VPN-Kontingents aktiv.
Antivirus ohne Tadel
Die Antivirus-Software an sich ist hingegen ohne Tadel: Sie findet auch tief im System versteckte Schadsoftware, etwa in E-Mail-Ordnern oder abgelegten ZIP-Dateien – und schmeißt die Schädlinge ohne den vielen Antivirus-Tools eigenen Alarmismus raus. Der Hintergrund-Scan ist stets ressourcenschonend, zudem gibt es die Möglichkeit, Profile – etwa für Arbeit oder Spiel – zu aktivieren, die Störungen durch Antivirus Plus vermeiden.
In der Bitdefender Central werden alle Events übersichtlich festgehalten.
(Bild: Screenshot)
Praktisch sind auch die integrierten Sicherheitstools, darunter etwa Safepay, was im Grunde ein sicherer, nicht kompromittierbarer Browser von Bitdefender ist: Hier können Online-Zahlungen sicher abgewickelt werden. Die Web-Protection-Features verhindern effektiv, dass User problematischen oder gefährlichen Websites auf den Leim gehen. Selbst die Links aus frischen Phishing-Mails („Bitte überprüfen Sie Ihren Bank-Account“) erkennt und blockiert Bitdefender zuverlässig. Alle Funde hält das Tool in der Bitdefender Central fest und meldet sie auch per Mitteilung, sofern das Tool auf dem Smartphone installiert ist.
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Fazit: Antivirus Plus ist ein dezentes Antivirus-Tool für alle Plattformen
Bitdefender Antivirus Plus* ist eine gute Lösung für alle, die sich ganz pragmatisch mehr Schutz wünschen, ohne konstant von ihrem Antivirus-System alarmiert zu werden. Noch empfehlenswerter ist Bitdefender aber für die ältere Generation sowie Technik-Einsteiger: Einmal installiert, arbeitet die Software brav im Hintergrund und schützt weniger computeraffine Nutzer zuverlässig.
Wie immer bei Antivirus-Lösungen ist dabei besonders die Windows-Version interessant. Der Schutz von macOS mag ebenfalls noch sinnvoll sein, auf Mobilgeräten hingegen ist hauptsächlich Phishing- und Scam-Schutz wichtig. Hier zeigt Bitdefender, wie zuverlässiger Schutz ohne Alarmismus geht.
Am Ende des Tages konnte uns Bitdefender Antivirus Plus auf ganzer Linie überzeugen. Unser einziger echter Kritikpunkt ist das arg beschnittene VPN. Der Dienst wird auf der Produktseite zwar nicht aktiv beworben, aber als Teil von Antivirus Pro mitinstalliert, ohne in der Praxis großen Mehrwert zu bringen.
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Redaktion & Aktualisierung: heise download
Weiterlesen: VPN-Test: Die besten VPN-Anbieter im Vergleich
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