{{commentsTotalLength}}

Google-Earth-Modelle im Eigenbau

3D-Gebäude in 20 Schritten selbst bauen und hochladen

Das Weltmodell auf dem Desktop wird durch dreidimensionale Modelle von Bauten und Wahrzeichen erst richtig schön – plastischer kann kein Foto den Eiffelturm, die Pyramiden oder auch das eigene Heim in Szene setzen. Mit der kostenlosen Software SketchUp klickt man an einem verregneten Nachmittag solche virtuellen Luftschlösser oder solide Bauherrenmodelle zusammen und stellt sie anschließend den Nutzern von Google Earth zur Verfügung.

Aktualisierter Artikel aus c't 12/07

Während sich Konkurrent Microsoft um die räumliche Darstellung ausgesuchter Städte selbst kümmert, setzt Google bei der Bebauung seines virtuellen Globus (siehe auch unser Themen-Special zu Google Earth) auf externe Bastler: Ihnen steht für den Hausbau mit der Maus eine spezielle Version der Entwurfssoftware SketchUp für Windows und Mac OS X zur Verfügung, die für den nichtkommerziellen Einsatz kostenlos ist. Damit gebaute 3D-Modelle kann man auf der eigenen Webseite zum Download anbieten oder in die allgemein zugängliche 3D-Galerie von Google hochladen, die der Anbieter auf seinen englischsprachigen Seiten 3D-Warehouse nennt.

Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie man mit SketchUp ein existierendes Gebäude als Modell nachbaut und es anschließend in Google Earth an die korrekte Position setzt. Als Basis für den Nachbau diente uns ein Foto des Gebäudes, genaue Grund- und Aufrisspläne lagen nicht vor. Allerdings waren die Hauptabmessungen des Hauses bekannt, was den Bau erleichtert und das Modell präziser macht.

Die beschriebenen Arbeitsgänge und Screenshots zeigen die Möglichkeiten von SketchUp und liefern Tipps, wie man knifflige Details bei eigenen Bauprojekten anheftet. Wer das Beispielgebäude zur Übung nachbauen will, findet alle nötigen Gebäudefotos sowie das fertige Modell als ZIP-Archiv zum Download. Sieben kurze Video-Tutorials auf der Webseite von SketchUp leisten zusätzliche Hilfe bei den ersten Schritten in den dreidimensionalen Raum und erklären den grundlegenden Gebrauch der Zeichenwerkzeuge. Die nur auf Englisch erhältlichen Lehrfilme sehen an passenden Stellen Pausen vor, damit Anwender den gezeigten Arbeitsgang gleich selbst nachvollziehen können.

SketchUp rechnet standardmäßig in Fuß und Zoll; wer lieber in Metern denkt und die Maßangaben dieser Anleitung nicht erst umrechnen will, wählt im Menü "Fenster/Voreinstellungen" (auf dem Mac im SketchUp-Menü) unter der Rubrik "Vorlage" den Eintrag "Metrisch Meter-3D" aus. Diese Änderung zeigt aber nur in danach geöffneten Programmfenstern Wirkung.

Die 3D-Entwurfsanwendung SketchUp ersetzt Architekten und Ingenieuren zwar kein vollwertiges CAD-Programm, dennoch kann auch sie millimetergenau arbeiten. Andererseits will sie Objekte mitunter recht vehement an den Raumachsen ausrichten, sie nur in festen Winkelstufen rotieren oder Linien an Flächen, Kanten, Mittel- oder Eckpunkten anderer Formen einrasten – woran jeweils, zeigen farbige Punkte und Tooltipps an. Die unsichtbaren Ausrichtungskräfte wirken umso rigider, je weiter der Blickpunkt des Betrachters entfernt ist.

Glücklicherweise lassen sich Blickpunkt und -richtung auch mitten in der Arbeit mit einem anderen Werkzeug verändern, da SketchUp für die Ansichtssteuerung das Mausrad reserviert hat. Rollen stellt die Entfernung zum Objekt ein (Zoom), während Verschieben der Maus bei gedrückter Radtaste die Blickrichtung vertikal oder horizontal schwenkt (Orbit). Hält man dabei zusätzlich die Shift-Taste gedrückt, verschiebt sich die Ansicht quer zur Blickrichtung (Pan). Hängt am Mac eine Maus mit nur einer Taste, schwenkt man die Sicht durch Klicken und Ziehen bei gleichzeitig gedrückter Ctrl- und Apfeltaste. Zum Verschieben drückt man zusätzlich Shift.

Wer sich mit dieser Blicksteuerung erst einmal vertraut machen möchte, kann die menschliche Gestalt von allen Seiten inspizieren, die SketchUp standardmäßig anzeigt. Wem das zu öde ist, der möbliert den virtuellen Raum mit Häusern und Objekten aus Googles 3D-Galerie. Ein Klick auf den Menüeintrag "Datei/3D-Galerie/Modell übernehmen" öffnet ein Browserfenster, in dem man sich passende Objekte aussuchen kann. Klickt man auf die Schaltfläche "Modell herunterladen" und nickt die folgende Nachfrage ab, erscheint das gewünschte Objekt direkt in SketchUp.

Als Gebäude-Beispiel für diesen Artikel dient das Anzeiger-Hochhaus in Hannover, das in den Jahren 1927 bis 28 vom Architekten Fritz Höger als eines der ersten Hochhäuser Deutschlands aus Backsteinen erbaut wurde. Auch wenn das fertige Modell bereits in der 3D-Galerie zum Download bereitsteht, hilft es enorm, sich bei einem eigenen Nachbau Routine zu verschaffen, ehe man andere Objekte in Angriff nimmt.

Die Fassade misst etwa 32 Meter in der Breite und 39 Meter in der Höhe; auf dem Dach erhebt sich zusätzlich eine zwölf Meter hohe Kupferkuppel. 14 senkrechte Fensterbänder gliedern die Straßenseite, durch vorspringende senkrechte Simse mit dreieckigem Querschnitt getrennt. Nur die mittleren zehn dieser Bänder erreichen die volle Höhe der Fassade.

Baut man das Gebäude von einem Grundquader aus auf, bietet SketchUp passende Werkzeuge, um anschließend Anbauten und plastische Details herauszustülpen oder Nischen und Portale hineinzudrücken. Beim Anzeiger-Hochhaus bildet der Mitteltrakt hinter den zehn zentralen Fensterbändern der Fassade einen solchen Grundquader. Jedes Band inklusive senkrechtem Sims ist 32 : 14 = 2,29 Meter breit, der Mitteltrakt misst folglich mit 22,9 Meter genau das Zehnfache davon. Wie die Luftaufnahme aus Google Earth zeigt, entspricht diese Breite auch der Tiefe des Baus. Denn die Kuppel weist einen kreisrunden Grundriss auf und füllt das flache Dach nahezu vollständig aus.

Die Grundfläche des Hochhaus-Mitteltrakts zeichnet man in SketchUp mit Hilfe des Rechteckwerkzeugs auf den Boden des virtuellen Raums (Schritt 1). Ein Mausklick setzt die erste Ecke, der zweite die gegenüberliegende; das weiße Feld in der Statuszeile zeigt die aktuellen Abmessungen des Rechtecks (siehe Markierung). Eingaben über die Tastatur ändern diese Maße nachträglich, ohne dass man zuvor auf das Feld in der Statuszeile klicken muss. Im Beispiel tippt man für die gewünschte Größe "22,9 m x 22,9 m" ein.

Das sogenannte Drücken/Ziehen-Werkzeug zieht aus zweidimensionalen Formen räumliche Körper auf. Schwebt der Mauscursor nach Auswahl dieses Werkzeugs über einer Fläche, markiert SketchUp diese mit einem blauen Punktmuster; Klicken und Ziehen sorgt für Ausdehnung in senkrechter Richtung zur Ausgangsfläche (Schritt 2). Im Beispiel soll das Quadrat auf 39 Meter Höhe gezogen werden. Den Höhenzuwachs zeigt das Feld in der Statusleiste, Eingaben per Tastatur überschreiben auch diese Werte.

Damit die Vorderseite des Quaders als Fassade des Hochhaus-Mitteltrakts erkennbar wird, bekommt sie wie eine Tapete das Originalfoto aufgeklebt. Dieses findet über den Menüeintrag "Datei/Importieren" seinen Weg in SketchUp: Im daraufhin aufklappenden Öffnen-Dialog wählt man als Dateityp "Alle unterstützten Bilddateitypen" und bestätigt per Checkbox, dass man das Bild als Textur verwenden will. Anschließend schleift der Mauscursor das Foto durch den virtuellen Bauplatz hinter sich her. Der erste Klick setzt die linke untere Ecke auf die Vorderseite des Quaders, der zweite kann zunächst irgendwo auf der gleichen Fläche landen – vorerst ist egal, ob Größe oder Perspektive auch nur annähernd stimmen. Im Beispiel verwendeten wir ein Foto, bei dem zuvor das Kopierstempel-Werkzeug der kostenlosen Bildbearbeitung Gimp störende Objekte im Vordergrund herausretuschiert hat – Ampeln, Verkehrsschilder, eine Uhr und einen vor dem Haus parkenden LKW.

Ein Rechtsklick (beim Mac ein Klick bei gedrückter Ctrl-Taste) mit dem Auswahlpfeil auf die tapezierte Fläche öffnet das Kontextmenü. Wählt man unter "Textur" den Eintrag "Position" (Schritt 3), zeigt SketchUp an den Ecken des Bilds vier Stecknadeln an. Standardmäßig sind diese unterschiedlich gefärbt, da sie unterschiedliche Funktionen haben: Verschieben, Scheren, Skalieren oder Verzerren des Texturbilds. Öffnet man nochmals das Kontextmenü und klickt den Auswahlhaken vor "Fixierte Reißzwecken" weg, färben sich alle Nadeln gelb. Jetzt funktionieren alle auf die gleiche Weise und helfen besser als ihre spezialisierten farbigen Genossen beim gezielten Herauszerren der unerwünschten Perspektive aus dem Foto des Anzeiger-Hochhauses. Ein Mausklick löst die Nadel, per Maus verschiebt man sie an eine neue Position und steckt sie mit dem nächsten Klick wieder ins Gebäudefoto (Schritt 4). Im ersten Schritt sollten die Nadeln möglichst genau die Eckpunkte des Mitteltrakts auf dem Foto des Hochhauses markieren. Beim Platzieren hilft es, per Mausrad-Zoom dicht an das Foto heranzurücken.

Sitzen die Nadeln korrekt auf dem Foto, folgt der zweite Schritt, indem man sie mit gedrückter Maustaste auf die Eckpunkte des Gebäudeklotzes zieht. Dabei verändert sich zwar ihre Position im Raum, bezogen auf das Foto bleiben sie aber an der alten Stelle stecken. Beides bringt die Software unter einen Hut, indem sie das Bild verzerrt. Dabei wird die Fassade auf dem Foto an die Größe der Gebäudefront angepasst und gleichzeitig die perspektivische Verzerrung herausgezogen (Schritt 5). Der Kontextmenü-Eintrag "Fertig" schließt die Tapezierarbeit an der Fassade ab.

Noch ist das Hochhaus zu schmalbrüstig, ihm fehlen die niedrigen Seitentrakte in der Breite von je zwei Fensterbändern. Die Oberkante dieser Anbauten bezeichnet eine Querlinie, die man mit dem Bleistiftwerkzeug auf etwa die halbe Höhe der Seitenwand zeichnet. Liegt sie beim Zeichnen parallel zu einer der horizontalen Raumachsen, färbt SketchUp sie zur Kontrolle rot (beziehungsweise grün). Dies erleichtert, die Linie trotz perspektivischer Darstellung waagerecht auf die Wand zu zeichnen (Schritt 6). Das Drücken/Ziehen-Werkzeug zieht den unteren Bereich der Seitenwand aus dem Grundquader des Gebäudes heraus. Wie breit der Seitenflügel ausfallen muss, zeigt das Fassadenfoto auf der Vorderseite. Auf gleiche Weise legt man die Höhe des Seitentraktes anhand des Bilds der Gebäudefront fest.

Maßlinien helfen, die Anbauten auf beiden Seiten gleich weit aus dem Mitteltrakt zu ziehen, SketchUp bietet sie unter dem Menüeintrag "Tools/Abmessungen" an. Die ersten beiden Klicks bezeichnen Anfang und Ende der Messstrecke, der dritte legt die Position der eigentlichen Maßlinie und ihrer Beschriftung oberhalb, nebendran oder sonstwo im Raum fest. Haben die Maßlinien ihre Schuldigkeit getan, markiert man sie mit dem Auswahlpfeil und löscht sie über die Entf-Taste.

Ändert man die Höhe des rechten Anbaus per Klicken und Ziehen mit dem Drücken/Ziehen-Werkzeug, muss der Mauscursor dabei nicht direkt über der Fläche schweben, die gerade verschoben wird. Führt man ihn stattdessen hinüber auf die entsprechende obere Fläche des linken Seitenflügels (Schritt 7), erscheint der Tooltipp "Auf Fläche". Anschließend weisen beide Anbauten exakt die gleiche Höhe auf.

Unser Modell trägt auf der Seitenfläche des Zentralbaus eine Fototextur, welche die obere Hälfte eines einzelnen Fensterbandes zeigt und sich auf der Tiefe des Gebäudes zehnmal wiederholt. Diese haben wir aus einer Kopie des Fassadenfotos ausgeschnitten und anschließend mit der Bildbearbeitung Gimp perspektivisch entzerrt. Auch solche Texturkacheln pinnen die oben beschriebenen Nadeln auf den Baukörper. Dabei lässt man die Nadeln nicht an den vier Ecken eines einzelnen Fensterbandes stecken, sondern löst die beiden auf der linken Seite, zählt zehn Texturwiederholungen ab und platziert die Nadeln oben und unten auf der linken Seite des zehnten Fensterbandes. Sitzen zwei Pins senkrecht oder waagerecht auf einer Linie, zeigt SketchUp dies zur Kontrolle über eine blau gepunktete Hilfslinie an. Anschließend können die Nadeln wieder auf die Eckpunkte der zu belegenden Fläche gezogen werden, da sie das gesamte Rechteck der gewünschten zehn Fensterbänder abstecken.

Ein Klick auf den Farbeimer in der Werkzeugleiste öffnet eine Palette, die unter anderem eine Pipette zur Verfügung stellt (auf dem Mac per Klick bei gedrückter Apfeltaste). Stippt man diese in eine Fototextur, weist ein Klick mit dem Farbeimer anderen Flächen das gleiche Muster zu. Auf diese Weise sind die Seitenwände und die Rückseite des Hochhauses im Handumdrehen mit Fensterbändern belegt (Schritt 8). Allerdings passt die Position selten auf Anhieb und muss meistens noch etwas korrigiert werden.

Die Kuppel auf dem Dach bildet das kniffligste Detail des Hochhauses. Sie entsteht zunächst auf dem Boden neben dem Gebäude, da die Konstruktion bei den ersten Schritten freien Zugang von allen Seiten erfordert. Den Grundriss bildet ein Kreis, der per Tastatur einen Radius von 11 Metern zugewiesen bekommt. Damit füllt die Kuppel – wie beim Original – Breite und Tiefe des flachen Dachs auf dem Hochhaus bis knapp an den Rand aus. Tooltips zeigen an, wenn sich der Zeichenstift über dem Zentrum des Kreises befindet; falls nicht, hilft es, den Stift zuvor kurz auf den Rand des Kreises zu führen. Vom Kreismittelpunkt aus zeichnet man je eine zwölf Meter lange Linie senkrecht nach oben und nach unten (Schritt 9). Zur Kontrolle zeigt SketchUp jene Linien blau an, die senkrecht auf dem Boden des virtuellen Raumes stehen. Drücken der Escape-Taste nach dem Zeichnen der Linie verhindert, dass vom Endpunkt aus gleich die nächste Linie gezeichnet wird.

Drei Klicks mit dem Kurvenwerkzeug legen das Profil der Kuppel fest: Die ersten beiden erfolgen auf die freien Enden der senkrechten Linien, der dritte sollte irgendwo auf der Kreislinie landen – ist das der Fall, zeigt SketchUp den Berührpunkt grün an (Schritt 10). Diesen verbindet man anschließend über eine weitere gerade Linie mit dem Zentrum des Kreises. Anschließend kann man alles unterhalb des Grundrisskreises mit Hilfe des rosa Radiergummis wieder entfernen, da für die Kuppel nur der obere Teil des Profils zum Rotieren gebracht werden muss (Schritt 11).

Das Werkzeug mit dem sprechenden Namen "Folge mir" aus dem Menü "Tools" ist zwar in erster Linie dafür gedacht, Fassadensimse oder Vordächer rund um ein ganzes Gebäude laufen zu lassen – geschickt eingesetzt bringt es aber auch das Kuppelprofil zum Rotieren. Klickt man nach Auswahl des Werkzeugs auf die senkrecht stehende Profilfläche, markiert SketchUp diese durch ein blaues Punktmuster. Anschließend fährt man die Kontur des liegenden Kreises nach, was die ausgewählte Form auf dem Fuß folgen lässt (Schritt 12). Mit etwas Glück entsteht dabei schon im ersten Versuch eine perfekte Kuppel. Manchmal scheint SketchUp allerdings von sich aus die Rotation zu überdrehen, dann ragen störende Auswüchse aus dem fertigen Runddach, die der Radiergummi entfernen kann. Rutscht man beim Formenziehen mit "Folge mir" versehentlich auf die falsche Kante, ist die Form meist rettungslos verunstaltet. Strg+Z (Apfel+Z auf dem Mac) nimmt die gesamte Operation zurück, anschließend startet man den nächsten Anlauf.

Die fertige Kuppel ist anschließend reif, aufs Hausdach gehievt zu werden. Beim Zentrieren helfen zwei darauf gezeichnete diagonale Linien, die hinterher wieder wegradiert werden. Vom Schnittpunkt dieser Hilfslinien aus zeigt eine dritte Linie von zwölf Metern Länge senkrecht nach oben wie eine Antenne (Schritt 13). Ein Dreifachklick mit dem Auswahlpfeil markiert die Kuppel neben dem Haus als transportbereit. Es fällt nicht ganz leicht, anhand der zweidimensionalen Bildschirmansicht eine Form im dreidimensionalen virtuellen Raum zu platzieren. Am besten klickt man auf einen markanten Punkt, im Beispiel den obersten Punkt der Kuppel, zieht daran mit gedrückter Maustaste das Objekt durch den Raum und lässt ihn auf einem ebenso markanten Zielpunkt einrasten – hier das obere Ende der Antenne auf dem Dach (Schritt 14). Sitzt die Kuppel am korrekten Platz, sorgt der Farbeimer für die passende Grünspanfarbe (Schritt 15).

Wer Spaß am Modellbau hat, kann sich mit SketchUp beliebig austoben und auch winzigste Gebäudedetails dreidimensional gestalten. Möchte man nicht zu viel Zeit in sein Modell stecken, beschränkt man sich auf den dreidimensionalen Nachbau der wichtigsten Baukörper und begnügt sich bei untergeordneten Details mit der flachen Darstellung, die Fototexturen bieten.

Beim originalen Anzeiger-Hochhaus trennen senkrechte Simse mit dreieckigem Querschnitt die Fensterbänder und springen weit aus der Fassade hervor – auf ihre 3D-Nachbildung verzichteten wir bei unserem Modell. Plastisch ausgeformt sind hingegen die gegenüber der Fassade leicht zurücktretenden zweistöckigen Aufbauten auf den Seitenflügeln. Die nötigen Texturen für die dort sichtbaren Fenster auf hell verputztem Mauerwerk stammen aus einem Ausschnitt aus dem Fassadenfoto. Andere Flächen des Originals verdecken Nachbargebäude, im Modell füllen Ziegelsteine aus der Texturbibliothek von SketchUp diese Wände.

Die tief eingeschnittenen, abgetreppten Portale entstehen, indem man kleiner werdende Rechtecke übereinander gestapelt auf die Vorderseite des Gebäudes zeichnet, wobei das Fassaden-Foto als Orientierung dient. Anschließend entfernt der Radierer die waagerechten Zwischenlinien (Schritt 16), die Portalfläche ist der Deutlichkeit halber ohne Textur dargestellt). Wählt man anschließend die Gesamtform des Treppenprofils aus und kopiert sie über "Bearbeiten/Kopieren", kann man sie über "Bearbeiten/Einfügen" auf der Fassade neu einfügen und fürs nächste Portal benutzen, ohne die Form erneut mühsam aus Rechtecken zusammenpuzzeln zu müssen. Dabei kopiert SketchUp allerdings die Textur mit, sie muss man anschließend von der Fassade per Pipette und Farbeimer restaurieren. Zum Schluss fräst das Drücken/Ziehen-Werkzeug die Portale in den Baukörper hinein.

Um das Modell später besser ins Google-Earth-Gelände hineindrücken zu können, verlängert das Drücken/Ziehen-Tool die Bodenfläche des Gebäudes um eine Art Fundament nach unten. Bei gedrückter Strg-Taste (Alt auf dem Mac) markiert eine Linie die ursprüngliche Unterkante des Gebäudes, was später die korrekte Platzierung im Gelände erleichtert (Schritt 17). Zieht man mit dem Auswahlpfeil einen Rahmen um das gesamte Gebäude, verschmilzt "Bearbeiten/Gruppieren" alle Teile zu einem Objekt, das sich im Ganzen verschieben und rotieren lässt. "Bearbeiten/Gruppe/Loslösen" löst die Gruppe bei Bedarf wieder auf.

Um das fertige Gebäude in die virtuelle Welt von Google Earth einzubauen, lädt man zunächst einen passenden Ausschnitt der Welt in SketchUp. Dazu müssen beide Programme gleichzeitig auf dem Rechner gestartet sein. Außerdem stellt man in Google Earth unter "Tools/Optionen", Karteireiter "3D-Ansicht" im Feld "Geländequalität" die Höhenverstärkung der Darstellung auf eins. Zusätzlich muss bei der Ebenenübersicht unter "Primäre Datenbank" das Kontrollkästchen vor "Gelände" einen Haken tragen. Auch wer nur Modelle betrachten will, sollte diese Einstellungen vornehmen – ansonsten könnten Gebäude später in der Luft hängen oder im Boden versinken. Google empfiehlt, zum Einbinden von 3D-Objekten unter Windows Google Earth im DirectX- statt Open-GL-Modus zu betreiben – auswählbar unter "Tools/Optionen", Karteireiter "3D-Ansicht", Feld "Grafikmodus". Auf unseren Testrechnern erschienen die Gebäude in beiden Modi; ob das funktioniert, hängt von der Grafikkarte des Rechners ab.

Hat man in Google Earth den geplanten Bauplatz aus der Luft ins Visier genommen, wechselt man wieder zu SketchUp und importiert dort über einen Klick auf "Aktuelle Ansicht übernehmen" in der Symbolleiste das Luftbild. Nach kurzer Ladezeit erscheint es unter dem Gebäudemodell als flacher schwarzweißer Fototeppich (auf dem Mac erschien im Test zunächst ein bräunliches Quadrat, das angeklickt werden wollte, bevor sich das Foto zeigte). Ein Klick auf "Gelände umschalten" in der Symbolleiste formt den Weltausschnitt dreidimensional gemäß der Höhendaten aus dem virtuellen Globus. Das Verschiebewerkzeug bringt das Modell an die richtige Stelle (Schritt 18), das Rotationswerkzeug sorgt für die korrekte Ausrichtung: Der erste Klick bestimmt das Drehzentrum, der zweite die Richtung des virtuellen Hebels, mit dessen Hilfe der Nutzer das Objekt rotiert (Schritt 19). Ein dritter Klick beendet die Drehung; alternativ nimmt SketchUp Gradangaben über die Tastatur an.

Am einfachsten gelingt die Drehung, wenn man das Gebäude senkrecht von oben ins Visier nimmt und als Drehpunkt eine Ecke des flachen Dachs auswählt. Färbt sich die runde Gradmesser-Scheibe blau, liegt die Drehebene parallel zur waagerechten Bodenfläche.

Die sichtbare Linie zwischen eigentlichem Bau und Fundament zeigt, wie weit das Modell ins Gelände hineinzuschieben ist (Schritt 20). Das fertige Modell speichert man über "Datei/Exportieren/3D-Modell". Die Exportdatei kann man beispielsweise auf der eigenen Webseite zum Download freigeben. Klickt man sie auf einem Rechner mit installiertem Google Earth doppelt, findet man sich bald im Anflug auf das 3D-Modell wieder.

Die meisten werden ihre Bauten in die 3D-Modell-Datenbank von Google hochladen wollen – direkt aus SketchUp führt der Weg dahin über "Modell gemeinsam verwenden" in der Symbolleiste. Nach der Anmeldung mit einem (kostenlosen) Google-Account bestätigt der Erbauer per Checkbox, dass sein Modell "real, aktuell und standortgetreu" ist und fügt ihm Suchbegriffe (Tags) hinzu, die etwa den Gebäudetyp bezeichnen oder den Namen der Stadt nennen, in dem das Gebäude steht. Solche Tags können helfen, Besucher der 3D-Galerie auf das Modell aufmerksam zu machen. Welche Modelle alle Nutzer von Google Earth zu sehen bekommen, die unter "Ebenen/3D-Gebäude" den Eintrag "Das Beste der 3D-Galerie" auswählen, hat allerdings nichts mit dem Votum der Nutzergemeinde zu tun – das entscheidet ein kleines Expertenteam bei Google in Mountain View.

Das eigene Modell kann per Link aus Google Earth heraus auf eine Webseite mit weiteren Informationen verweisen. Wenn sich dort der Buchungsplan eines dargestellten Ferienhauses oder die Speisekarte eines modellierten Restaurants öffnet, hat Google nichts dagegen – nach Auffassung des Anbieters liegt in diesem Fall keine kommerzielle Nutzung vor, welche die Lizenzbedingungen der kostenlosen SketchUp-Version verletzt.

Wenn keine Daten über die Abmessungen des Originalgebäudes vorliegen, beginnt man seinen Bau am günstigsten auf Grundlage der Aufsicht aus Google Earth, die dann als Grundriss dient. Natürlich kann man seiner Fantasie auch völlig freien Lauf lassen und mit SketchUp auf der grünen Wiese sein Traumhaus bauen. Auch wenn es nicht als "reales, aktuelles und standortgetreues" Gebäude seinen Weg in die 3D-Galerie finden kann, freuen wir uns über jedes zugeschickte Modell von Leserseite.

Erst durch aufgelegte Fototexturen wirken 3D-Modelle richtig realistisch. Besitzt man keine selbst geschossenen Fotos eines Gebäudes, das man nachbauen will, können auch Internet-Fotoplattformen wie Panoramio Bildmaterial für Texturen oder Detailansichten des Originals liefern – vorausgesetzt, man baut seine Modelle nur zum eigenen Vergnügen und möchte sie später nicht über die eigene Webseite oder Googles 3D-Galerie anderen zur Verfügung stellen. Andernfalls muss man vorher anhand der Lizenzen der Fotos prüfen, ob man sie für seine Zwecke verwenden darf. Auch die Form eines Gebäudes selbst kann dem Urheberrecht unterliegen – dem des Architekten. Deshalb spart es möglicherweise Ärger, wenn man vor der Veröffentlichung eines Modells den Schöpfer des Originals um sein Einverständnis bittet. Denn laut Nutzungsbedingungen für Googles 3D-Galerie ist jeder selbst dafür verantwortlich, was er dort hochlädt – und muss auch die Konsequenzen tragen, die Verletzungen des Urheberrechts mit sich bringen. (pek)

Wie bewertest Du die Qualität des Beitrags?

Pflichtlektüre! ({{threeCount}})
Gut zu wissen ({{twoCount}})
Geht gar nicht! ({{oneCount}})
Vielen Dank für Deine Bewertung.
Deine Bewertung wurde gelöscht.

Kommentare

{{commentsTotalLength}} KommentarKommentare

Weitere Kommentare laden...

Das könnte dich auch interessieren