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Knoppix komplett

Themen-Special: Linux mit vielen Anwendungen ohne Festplatteninstallation

Eine Live-CD oder -DVD ist der einfachste Weg, die vielfältigen Möglichkeiten eines Linux-Systems kennenzulernen. Das aktuelle Knoppix 5.3.1 erlaubt unter anderem einen Blick auf KDE 4 und viele weitere Linux-Anwendungen. Nach dem Download der ISO-Datei kann man sich das Live-System mit wenigen Klicks selbst brennen.

Aktualisierter Artikel aus c't 6/08

Noch immer erfreut sich das Live-Linux von Klaus Knopper großer Beliebtheit: Knoppix läuft direkt von DVD, sodass man die Möglichkeiten eines aktuellen Linux-Systems erforschen kann, ohne sich den Widrigkeiten einer Linux-Installation auf die Platte unterziehen zu müssen. Das ISO-Image zum Brennen einer bootfähigen DVD gibt es zum kostenlosen Download.

Erfahrene Linuxer schätzen an Knoppix, dass sie ein komplettes Linux mit einer unglaublichen Fülle an Software mit sich herumtragen können. Ihnen dient Knoppix als jederzeit verfügbare Arbeitsumgebung für die Jackentasche – oder als Werkzeug, um PCs flottzumachen, die nicht mehr starten wollen. Und nicht zuletzt ist Knoppix eine sichere Basis für das Surfen im Internet oder das Online-Banking: Zum einen ist Linux für die meisten Viren, Trojaner und Spyware nicht anfällig, zum anderen kann sich auf der DVD kein Schädling einnisten – spätestens beim nächsten Reboot ist das System wieder sauber.

Bereits in Knoppix 5.3 hinzugekommen ist Adriane. Das "Audio Desktop Reference Implementation and Networking Environment" besteht aus einem Textmenü mit Zugriff auf verschiedene Anwendungen vom IRC-Client bis zum Web-Browser sowie einem Screenreader und bietet blinden Menschen einen barrierefreien Zugang ins Internet.

Um Knoppix von DVD zu starten, müssen Sie im BIOS des Rechners Ihr DVD-Laufwerk als erstes Boot-Gerät eintragen. Manche PCs und Notebooks bieten auch die Möglichkeit, über einen Tastendruck nach dem Einschalten das Boot-Gerät direkt aus einem Menü auszuwählen. Nun begrüßt Sie Knoppix mit einem lächelnden Pinguin und einem "boot"-Prompt. Hier lassen sich diverse Einstellungen vornehmen, die das Systemverhalten beeinflussen. Eine Eingabe am Boot-Prompt besteht immer aus einer Boot-Option plus diversen Parametern. Die verschiedenen Boot-Optionen erfahren Sie am Knoppix-Boot-Schirm mit der Taste F2 – knoppix startet das normale System, expert erlaubt ein interaktives Setup inklusive der Möglichkeit, externe Treiber nachzuladen, forensic verzichtet auf jeden Plattenzugriff (normalerweise analysiert Knoppix beim Starten die Festplatten), adriane startet das Adriane-System, xen den Xen-Hypervisor. Eine Auflistung aller Parameter, die die diversen Boot-Optionen verstehen, enthält die Datei knoppix-cheatcodes.txt im Verzeichnis KNOPPIX auf der DVD.

Wenn man am Boot-Prompt einfach die Enter-Taste drückt, hat das denselben Effekt wie die Boot-Option knoppix ohne weitere Parameter. Einige zusätzliche Angaben sind allerdings empfehlenswert:

knoppix screen=1280x1024 depth=24

beispielsweise startet Knoppix mit einer Bildschirmauflösung von 1280 x 1024 Pixeln und einer Farbtiefe von 24 Bit. Die Vorgabe von Auflösung und Farbtiefe ist häufig nötig, um eine optimale Darstellung zu erzielen: Knoppix geht sehr vorsichtig mit den Angaben um, die Grafikkarte und Monitor via DDC kundtun, und wählt im Zweifel 1024x768@16 – wenig befriedigend auf modernen, hochauflösenden Displays.

Mit dem Parameter desktop startet Knoppix einen anderen Desktop als das voreingestellte KDE. Zur Auswahl stehen unter anderem Gnome (desktop=gnome), der schlanke XFCE-Desktop in Version 3.8 (xfce) und 4.4.2 (xfce4) sowie diverse Fenstermanager – und natürlich KDE 4 (kde4).

Der Desktop lässt sich auch im laufenden Betrieb ändern: Im Knoppix-Menü (der dicke Pinguin links unten im Panel) befindet sich unter den Utilities die Option "KNOPPIX-Desktop Auswahl/Neustart". Alternativ lässt sich das zuständige Skript restartx auch direkt aus der Konsole starten.

Findet Knoppix eine Grafikkarte, die unter Linux ohne Installation proprietärer Treiber 3D-Beschleunigung bietet (Intel-Chipsatzgrafik und ältere ATI-Karten), aktiviert es automatisch Compiz und damit die 3D-Effekte für den Desktop. Wer keinen Sinn für wabbelnde und spektakulär abbrennende Fenster hat: Der Parameter no3d schaltet den Grafikzauber ab. Wenn Sie hingegen Spaß an den 3D-Effekten haben, können Sie mit dem "Config Compiz Settings Manager" (ccsm, zu finden im Knoppix-Menü unter "Konfiguration") zahlreiche weitere Effekte ausprobieren. Um die Grafikeffekte auch auf neueren ATI- und Nvidia-Karten zu sehen, müssen Sie die proprietären Grafiktreiber nachinstallieren. Für Radeon-Karten installieren Sie dazu den fglrx-Treiber aus dem Internet mit folgenden Kommandos:

sudo aptitude update
sudo aptitude install fglrx-driver fglrx-control

Nach dem Wechsel in den Textmodus mit

sudo telinit 2

können Sie mit

aticonfig --initial --input=/etc/X11/xorg.conf

den Treiber einrichten. Nach einem

telinit 5

sollte der KDE-Desktop jetzt mit 3D-Effekten starten.

Auch wenn Knoppix bei der Hardware-Erkennung einen guten Job leistet, können einige Rechnerkomponenten das Live-Linux doch ins Straucheln bringen. Wenn der Boot-Prozess für mehrere Minuten ohne DVD- und Bildschirmaktivität hängt oder einige Komponenten des PCs nicht funktionieren, ist daran wahrscheinlich eine solche Inkompatibilität schuld. Mit der Boot-Option failsafe (ohne vorangestelltes knoppix einzugeben) betreibt Knoppix die Hardware so konservativ wie möglich.

Wenn selbst das nicht funktioniert, ist der Rechner leider nicht Knoppix-kompatibel. Ansonsten kann man sich daran machen, über diverse Parameter der Standard-Boot-Option knoppix das Problem zu lokalisieren und auszuschalten.

noapm deaktiviert den APM-Support im BIOS, acpi=off tut dasselbe für ACPI. noapic und nolapic deaktivieren den (lokalen) "Advanced Programmable Interrupt Controller" (APIC), pnpbios=off schaltet die Erkennung von PnP-ISA-Geräten ab. pci=bios sorgt für eine andere Interrupt-Verteilung auf dem PCI-Bus, nodma schaltet den DMA-Betrieb beim Zugriff auf DVD und Platten ab – letzteres bremst das Live-System allerdings gewaltig aus. Wird während des Startprozesses der Bildschirm schwarz, obwohl sich die DVD weiterdreht, hilft meist der Parameter vga=normal.

Ob womöglich ein Leseproblem mit der DVD die Probleme verursacht, lässt sich mit

knoppix testdvd

überprüfen. Abhilfe schafft dann häufig ein Update der Firmware des DVD-Laufwerks.

Knoppix ist selbstverständlich netzwerkfähig. Ist der Rechner über Ethernet an ein LAN mit DHCP-Server angebunden, sollte das Live-Linux automatisch Anschluss ans Netz finden. Bei einem anderen Netzwerkzugang (WLAN, DSL-Karte, Modem oder Handy) konfigurieren Sie das Netz über die "Netzwerk/Internet Konfiguration" im Knoppix-Menü. Hier lässt sich auch über netcardconfig eine feste IP-Adresse für die Ethernet-Karte einstellen.

Etwas vertrackt ist die WLAN-Konfiguration. Nach Start von wlconfig aus dem Netzwerk-Setup muss man zunächst über den Menüpunkt ESSID das eigene WLAN auswählen. Bei Einsatz der sichereren WPA-Verschlüsselung ist im Untermenü "WPA/WPA2 Einstellungen" zunächst der WPA driver auszuwählen – meist ist wext die richtige Wahl. Den "WPA SHARED KEY" können Sie hexadezimal oder im Klartext eingeben. Anschließend stellt der Menüpunkt "IP: Aktivieren/Verbinden" die Verbindung zum Access Point her und erfragt per DHCP eine IP-Adresse. Alternativ lässt sich hier auch eine vorgegebene IP-Adresse einstellen.

Standardmäßig erlaubt Knoppix lediglich einen lesenden Zugriff auf die Festplatten und andere Datenträger, dazu reicht ein Klick auf das jeweilige Desktop-Icon. Die Partitionen zeigt Knoppix dabei mit ihren Linux-Namen an: sda oder hda steht für die erste Platte, sdb oder hdb für die zweite und so weiter – ob sdx oder hdx, hängt vom (S)ATA-Controller ab. Die Partitionsnummern 1 bis 4 sind primäre Partitionen, logische Laufwerke in erweiterten Partitionen tragen Nummern ab 5. Wechseldatenträger erhalten den ersten freien sdx-Namen, also sdb, wenn sich eine Festplatte sda im System befindet, oder sda, wenn die Platte hda heißt. Den Schreibzugriff auf eine Partition muss der Anwender explizit über das Kontextmenü ihres Icons auf dem Desktop freigeben.

Um das Live-System auf Touren zu bringen, kann man das Knoppix-Image auf der Festplatte ablegen – von dort starten Anwendungen deutlich schneller als von der DVD. Dazu dient der Befehl

knoppix tohd=/dev/sda1

Ersetzen Sie sda1 durch den Namen der Partition, auf der das Image abgelegt werden soll – am besten vergewissern Sie sich vorher im laufenden Knoppix-System, dass es tatsächlich die Partition ist, auf der das Image liegen soll. Dort müssen mindestens 5 GByte frei sein. Die auf der Partition gespeicherten Daten bleiben dabei enthalten.

Wenn Sie nächstes Mal von der Knoppix-DVD booten, startet die Eingabe

knoppix fromhd=/dev/sda1

am Boot-Prompt das Knoppix-Image von Festplatte. Sie werden sich wundern, wie flott das Live-System auf einmal reagiert... Übrigens bleibt das Image selbst dabei immer noch schreibgeschützt, das heißt veränderte Einstellungen oder nachinstallierte Software sind nach dem nächsten Reboot wieder verschwunden.

Was etwa beim Home-Banking als Schutz vor Trojanern durchaus erwünscht ist, macht den Einsatz als mobile Arbeitsumgebung eher lästig. Doch auch hier gibt es eine Lösung: Das Tool "Permanentes Knoppix-Image einrichten" (im Knoppix-Menü unter Konfiguration) legt nachinstallierte Programme, persönliche Einstellungen sowie im Home-Verzeichnis gespeicherte Daten in einem Image auf einem Datenträger ab. Verwendet man dazu einen USB-Stick, kann man zusätzliche Anwendungen, Einstellungen und Daten zusammen mit der Knoppix-DVD bequem mit sich herumtragen und auf jedem PC mit seinem persönlichen Knoppix-System arbeiten. Der Stick (oder zumindest eine Partition darauf) muss allerdings mit Ext3 formatiert sein, damit Knoppix ihn anbietet – FAT-formatierte Laufwerke ignoriert das Einrichtungsskript.

Beim nächsten Booten geben Sie am Boot-Prompt einfach

knoppix home=scan

an, schon wird das Image auf dem Stick eingebunden. Auch wenn Knoppix Skripte zur Installation auf der Festplatte mitbringt und das Internet voll ist mit Tipps dazu: Knoppix ist für eine permanente Platteninstallation weder konzipiert noch geeignet. Hauptproblem ist, dass sich eine Knoppix-Installation nicht dauerhaft weiterpflegen lässt – es gibt keine Garantie, dass sich etwa der Fix für die nächste Sicherheitslücke einspielen lässt. Die Installation auf Festplatte ist höchstens interessant, wenn man selbst an Knoppix weiterentwickeln oder ein eigenes Live-System auf Knoppix-Basis bauen möchte.

Adriane ist eine Software-Sammlung, die Konsolen-Anwendungen um Support für Braille-Zeilen und einen Screenreader erweitert und sie unter einer Menüsteuerung anbietet. Das Adriane-System, das noch in der Entwicklung ist, startet nach Eingabe von adriane am Knoppix-Boot-Prompt. Gängige Braille-Zeilen sollten automatisch erkannt und in Betrieb genommen werden.

Um den Bildschirminhalt etwa im Browser Elinks vorlesen zu lassen, dienen einige Tastenkombinationen: Caps-Lock + Leertaste liest die aktuelle Zeile vor, Caps-Lock + Pfeil runter die folgenden Zeilen. Alle Tastenkombinationen zeigt die Hilfe im Menü an. Zusammen mit dem Verein LinAccess plant Klaus Knopper eine spezielle Knoppix-Version, die standardmäßig in den Adriane-Modus bootet.

Auch auf dem Gnome-Desktop ist eine Sprachausgabe möglich. Hier startet der Befehl orca –s die Konfiguration des Orca-Screenreaders und unter "Sprache" ist der eSpeak-Treiber als Sprachsynthesizer auszuwählen, als Person "german (de)".

Was Knoppix auszeichnet, ist die riesige Software-Auswahl, die das System auch zu einer Fundgrube für erfahrene Linux-Nutzer macht. Die Distribution bringt nicht nur bekannte Anwendungen wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice mit, sondern auch Exoten für nahezu jeden Einsatzzweck und ein ganzes Bündel alternativer Arbeitsoberflächen. Einziger Nachteil der reichhaltigen Auswahl: Es ist nicht leicht, die Software-Perlen im überladenen Startmenü zu finden. Hunderte von Programmen warten darauf, ausprobiert zu werden, und bei vielen kann man sich trotz der Einsortierung in Kategorien nicht einmal ansatzweise vorstellen, was sie tun.

Die KDE-Bürosuite Koffice bietet sich als OpenOffice-Alternative an. Dabei lohnt besonders ein Blick auf das Mal- und Bildbearbeitungsprogramm Krita, eine Option für alle, denen Gimp zu kompliziert und mächtig ist. Interessant ist auch die Textverarbeitung, die anders als andere Office-Pakete mit einem rahmenbasierten Konzept arbeitet, wie man es von DTP-Software kennt. Anwender, die eine schlanke Textverarbeitung benötigen, sollten sich Abiword ansehen. Der schnelle Texter bietet alle Funktionen, die man im Alltag braucht, und macht auch auf älteren Systemen eine gute Figur. Abiword liest Word-Dokumente, die Import-Filter können jedoch nicht mit denen von OpenOffice mithalten: Tabellen haben nach dem Import oft keine Ähnlichkeit mehr mit dem Original und auch einige Formatierungen gehen verloren. Mit Gnumeric ist auch eine leistungsfähige Alternative zur Tabellenkalkulation von OpenOffice enthalten, die es in Sachen Funktionsumfang durchaus mit Calc aufnehmen kann.

Knoppix bringt die beiden Personal Information Manager Evolution und Kontact mit, von denen der erstgenannte optisch an Microsoft Outlook erinnert. Beide bieten neben E-Mail, Termin- und Kontaktverwaltung auch die Möglichkeit, Notizen anzulegen und eine Todo-Liste zu verwalten. Reicht die simple Aufgabenliste nicht aus, weil man einen Projektplan mit Teilnehmern, Ressourcen und Verantwortlichkeiten erstellen will, stehen mit Planner und das in KDE integrierte Kplato zwei Projektverwaltungsprogramme zur Auswahl. Beide stellen ein Projekt auf Wunsch als Gantt-Diagramm dar und helfen nicht nur bei der Zeit-, sondern auch bei der Kostenplanung.

Mit GnuCash und KMyMoney behalten Sie den Überblick über Ihre Finanzen. KMyMoney ist eine Art elektronisches Haushaltsbuch, das auf Wunsch mehrere Konten verwaltet und sich besonders durch leichte Bedienbarkeit auszeichnet. Bei Gnucash handelt es sich dagegen um eine ausgewachsene Finanzverwaltung, die es erlaubt, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu verwalten, Rechnungen zu schreiben, Gewinn- und Verlustrechnungen zu erstellen und Aktiva und Passiva in Diagrammen zu visualisieren. Unter Knoppix steht leider die zum Einstieg dringend nötige Online-Hilfe von Gnucash nicht zur Verfügung, es gibt sie jedoch online auf der Projektseite.

Ein Organisationstalent für den Desktop ist Basket: Die virtuelle Ablage ermöglicht es, beliebig viele Körbchen anzulegen, die das Programm in einer Baumstruktur verwaltet. Jeder Korb kann Bilder, Notizen und URLs aufnehmen, wobei man die einzelnen Objekte nach ihrem Status einfärben und als erledigt oder "noch offen" kennzeichnen kann. Notizen, denen man den Status "Aufgabe" zuweist, versieht Basket mit einer Checkbox, sodass man die Liste der Reihe nach erledigen und abhaken kann.

Für Videos liegen Knoppix mit Xine, dem darauf aufsetzenden KDE-Programm Kaffeine und Mplayer mit dem grafischen Frontend Gmplayer drei leistungsfähige Programme bei. Auf die Win32-Codecs für viele Videoformate müssen Sie jedoch verzichten, da sie wie auch bei anderen Distributionen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht mitgeliefert werden. Das Fernsehbild bringt Knoppix mit Xawtv auf den Monitor; wenn Sie selbst zum Regisseur werden möchten, steht mit Kino eine Videoschnittlösung bereit, die Ihnen dabei hilft, das Rohmaterial von der Videokamera in vorführtaugliche Form zu bringen.

Das Abspielen von MP3-Dateien beherrscht Knoppix von Haus aus. Standardmäßig startet bei einem Klick auf eine MP3-Datei der Winamp-Klon XMMS, doch das Live-Linux bringt noch viele weitere Player mit. Neben der Musikverwaltung Amarok, die nicht nur Playlisten verwaltet, sondern auf Wunsch auch Cover, Songtexte und die Biografien der Interpreten aus dem Internet lädt, gibt es noch weitere, weniger bekannte Player. Besonders übersichtlich ist das im KDE-Multimedia-Paket enthaltene Juk. Die virtuelle Jukebox bietet mehrere Sortierungen – alphabetisch, nach Interpret und nach Album – an. Ebenfalls recht aufgeräumt, aber mit mehr Funktionen präsentiert sich Rhythmbox. Das Programm verwaltet nicht nur die lokale MP3-Sammlung, sondern kümmert sich auch um Podcasts und Internet-Radio-Stationen. Von den letztgenannten sind bereits einige vordefiniert, die unter anderem Musik der Genres Klassik, Independent, Pop, Electronic und Techno spielen. Freunde der Kommandozeile können auch einen Blick auf das Konsolenprogramm MP3blaster werfen, das die Formate MP3 und Ogg Vorbis abspielt und das Anlegen und Verwalten von Playlists beherrscht.

Ist die eigene Musiksammlung zu mager bestückt, lässt sie sich mit Grip und Sound Juicer aufstocken. Die beiden CD-Ripper lesen Audio-CDs aus und wandeln sie ins Ogg-Vorbis-Format um. Auf Wunsch fragen sie die CDDB-Informationen im Internet ab und versehen die Stücke automatisch mit ID3-Tags.

Audiodateien aufnehmen und bearbeiten kann man mit dem auch für Windows erhältlichen Audacity. Es beherrscht den Umgang mit mehreren Spuren, bringt viele Filter mit und erlaubt den Export ins Ogg-Vorbis-, Flac- und MP3-Format. Wählen Sie das MP3-Format, erwartet das Programm die Eingabe des Speicherorts der Lame-Bibliothek. Knoppix liefert den Lame-Encoder nicht mit, doch Audacity bietet im Speichern-Dialog den Download der Bibliothek an.

Alternativ können Sie einen Blick auf Jokosher werfen, das in Sachen Funktionsumfang zwar nicht mit Audacity mithalten kann, dafür aber weniger Einarbeitungszeit benötigt und eine schnelle Lösung zum Aufnehmen und Zurechtschneiden einer Datei ist.

Mit Gimp und Inkscape liefert Knoppix die bekanntesten Spezialisten für Bitmap- und Vektorgrafiken unter Linux mit. Alternativ stehen jedoch noch andere Programme zur Auswahl. So integriert sich Krita aus dem Koffice-Paket optimal in den KDE-Desktop und startet wesentlich flinker als das Funktionsmonster Gimp. Tux Paint, das ursprünglich als Malprogramm für Kinder entwickelt wurde, kann auch Erwachsenen Spaß machen. Zum Gestalten liefert es eine riesige Auswahl an Pinseln und Motivstempeln mit und die Filtergrundausstattung ist ebenfalls mit an Bord: Bilder lassen sich schärfen, weichzeichnen oder aufhellen, aber auch in eine Kreide- oder Comic-Zeichnung verwandeln. Bei einem Klick auf Speichern zeigt das Programm keinen Dialog an, sondern es legt die Bilder automatisch im PNG-Format im Ordner "~/.tux-paint/saved" ab. Den Dateinamen bildet Tux Paint aus dem Datum und der Uhrzeit.

Sie haben Spezielleres im Sinn? Mit dem 3D-Modeller Blender lassen sich Objekte oder ganze Szenen konstruieren und rendern. Qcad ist ein 2D-CAD-Programm; Dia erstellt Diagramme, wobei die Anwendung über eine gut ausgestattete Symbolbibliothek verfügt, mit der man leicht Diagramme aus Bereichen wie Netzwerke, Chemie und Elektronik erstellen kann. Fontforge ist ein Programm zum Bearbeiten vorhandener und Erstellen eigener Schriftarten. Zum Experimentieren können Sie beispielsweise einen der Fonts unter /usr/share/fonts/truetype laden. Fontforge öffnet daraufhin ein Fenster mit allen Zeichen der Schriftart. Den markierten Buchstaben öffnet es im Bearbeitungsfenster. Dort können Sie dann seine Form über die vorhandenen Eck- und Knotenpunkte ändern oder neue Knotenpunkte hinzufügen.

Zum spielerischen oder auch ernsthaften Lernen am Rechner bietet das bei Knoppix mitgelieferte Kdeedu-Paket etwas für alle Altersklassen. Mit Kgeography testen Sie Ihr Wissen über Länder, Bundesstaaten, Hauptstädte und Flaggen, diverse Vokabeltrainer unterstützen Sie beim Lernen neuer Sprachen, Kpercentage trainiert Prozentrechnung.

Gcompris ist eine eigenständige Lern- und Spielsammlung, die sich an Kinder im Vor- und Grundschulalter richtet. Es bietet Übungseinheiten, die Kinder in der Bedienung von Maus und Tastatur schulen. Quizspiele zu Mathematik, Sprache und Geografie helfen beim Lernen; und zur Auflockerung gibt es einige Spiele wie Memory, Schach und Vier gewinnt. Die ganz Kleinen können in den Kategorien Farben und Töne Aufgaben lösen oder lernen, die Uhr zu lesen.

Für ein wenig Unterhaltung zwischendurch bringt Knoppix ein gut gefülltes Spielemenü mit. Neben den bekannten Desktop-Spielereien wie Freecell und Minesweeper gibt es auch aufwendigere Spiele. Crack Attack, ein freier Tetris-Crack-Attack-Klon, und das Geschicklichkeitsspiel Neverball zeichnen sich durch coolen Sound und schicke 3D-Grafik aus. Nur zweidimensional, dafür aber spannend und gut für stundenlangen Spielspaß ist der Civilization-Klon Freeciv, bei dem man allein gegen den Computer oder gegen menschliche Mitspieler im Netzwerk eine Zivilisation durch die Jahrtausende begleitet und ihre Geschicke lenkt. Possierlich anzusehen ist Pingus. Wie bei Lemmings geht es darum, seine Schützlinge – bei Pingus natürlich Pinguine – unter Überwindung diverser Hindernisse bis zum Ziel eines Levels zu lotsen.

Knoppix enthält mehrere Virtualisierungstechniken. Am einfachsten ist der Umgang mit VirtualBox: Laden Sie auf der Konsole zunächst den VirtualBox-Modul mit dem Befehl

sudo modprobe -v vboxdrv

und starten Sie anschließend den Desktop-Virtualisierer mit sudo VirtualBox. Wer VMware Workstation Pro oder Virtual PC kennt, dürfte mit VirtualBox problemlos zurechtkommen.

Auch ein Xen-Kernel ist enthalten, der über die Boot-Option xen gestartet wird. Der Xen-Kernel ist allerdings deutlich älter als der Knoppix-Kernel, sodass er nicht alle Hardware unterstützt, mit der das Standard-Knoppix umgehen kann.

KVM (Kernel-based Virtual Machines) ist die jüngste Virtualisierungtechnik für Linux. Nach Laden des Moduls kvm-intel oder kvm-amd (je nach Prozessorarchitektur) können Sie mit dem Befehl

sudo kvm -boot d -cdrom /dev/cdrom

eine zweite, virtualisierte Knoppix-Instanz von der laufenden DVD starten. (odi)

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