Open Source Meets Business – die erste Auflage
Impressionen und Ergebnisse des Kongresses Open Source Meets Business, Nürnberg, 25. – 27. Januar 2006
Heinrich Seeger

Das CCN Ost in Nürnberg: hell und geräumig
Woran soll man festmachen, ob Open Source Meets Business den Anspruch erfüllt hat, den der Kongressname erhebt?
Natürlich vor allem am Vortragsprogramm.
Nicht um das Wie der technischen Funktionen ging es in 60 Vorträgen von IT-Leitern und Projektverantwortlichen aus Anwenderunternehmen, nicht um die Open-Source-Gemeinde und ihr Selbstverständnis, nicht um die Diskussion, welche Bezeichnung besser zutrifft – Open Source oder Freie Software –, sondern allein darum, zu welchen Zwecken und mit welchen Erfolgen quelloffene Software schon in Unternehmen und öffentlichen Organisationen eingesetzt wird.
Auch gemessen an der Häufigkeit, Länge und Intensität der Diskussionen in den Workshops wie auch in den wie immer viel zu kurzen Kaffeepausen hat der Kongress sein Thema nicht verfehlt. Ob sich ein Projekt für das Unternehmen finanziell lohnt und ob es taktisch und strategisch Sinn ergibt, statt proprietärer Open-Source-Software einzusetzen: Diesem Aspekt konnten sich die Referenten, schon wegen der einschlägigen Neugierde ihres Publikums, durchweg nicht entziehen. (Die Antwort: Ja, der Einsatz von Open Source in unternehmenskritischen Anwendungen ist eine Realität und nicht mehr aufzuhalten.)

Die Preisträger, eingerahmt von Karl-Heinz-Strassemeyer, LiSoG
(links) und Richard Seibt (rechts)
Am Kongressort?
Das neue CongressCenter CCN Ost auf dem Nürnberger Messegelände lässt wenige Wünsche offen. Es bietet viel und variablen Platz für Vorträge, Workshops und gesprächsintensive Breakout-Runden, trotzdem kurze Wege, eine gute Akustik in fast allen Räumen und ein beinahe durchweg angenehmes und damit die Konzentration förderndes Raumklima. Wenn noch das WLAN so stabil laufen würde wie die Kaffeemaschinen in den Lobbies aller Etagen ...

Abschluss der Veranstaltung: die Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse
An der Besucherzahl?
Nichts dagegen einzuwenden: 445 registrierte Teilnehmer sind eine Zahl, die die Veranstalter bei der nächsten Kongressauflage sicher gerne wiederholen werden. Und wie der Blick auf den Kongresssaal während der Keynotes zeigte, war die Rate der angemeldeten Nichtkommer erfreulich gering. Noch am Freitagnachmittag, als Karl-Heinz-Strassemeyer von der Linux Solutions Group (LiSoG) zusammen mit Kongress-Chairman Richard Seibt die Preise für die besten Vorträge verlieh (Preisträger: Peter Pfläging von der Stadt Wien, Frank Puschin von der Polizei Niedersachsen und Michael Neubauer von der KDVZ Citikomm) und selbst danach zur Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse waren noch rund 250 Leute im Saal.
An den Keynote-Sprechern?
Sicher. Für das Business stand vor allen Rolf Riemenschnitter von der Deutschen Bank aus New York, der die Open-Source-Strategie seines Hauses darlegte. Aber auch Intel-Vertreter Dirk Hohndel (Intel) und Simon Phipps (Sun Microsystems) – obwohl beide ohne Krawatte und abseits des Meinungs-Mainstreams der Open Source Community – machten die geschäftliche Relevanz quelloffener der Open Source deutlich.

Rolf Riemenschnitter,
Deutsche Bank

Simon Phipps,
Sun Microsystems
Am Staatsempfang?
Ohne Zweifel. Nicht nur, dass die Regierung des Freistaats Bayern die Open-Source-Gemeinde mit einem offiziellen Empfang bedachte, auch, dass der gastgebende Staatssekretär Karl Freller die Kongressteilnehmer auf der historischen Nürnberger Kaiserburg begrüßte, verlieh Open Source Meets Business einen Rahmen, der nicht nur beeindruckend war, sondern auch eine Atmosphäre schuf, in der sich trefflich übers Geschäft debattieren ließ.

Staatsempfang in der Kaiserburg

Entspannung auf der Kongressparty
An der Kongressparty?
Aber ja. Auch wenn das enervierend spacig-blaue Raumlicht mit Vehemenz (und zu Recht) kritisiert wurde, erwies sich die Party am Abend des zweiten Kongresstages doch für die meisten als die Entspannung, die nach einem prallen Vortrags- und Workshop-Programm nötig war. Die auf einigen Heise-Hausparties erprobten Ladylike aus Rostock hatten daran keinen geringen Anteil; eine Gruppe Unentwegter rang dem Quartett vier Zugaben ab.


