Recht: Gewährleistung

Wer haftet für Schäden?

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3. Mai 2001 17:41

Umtausch/Gewährleistung/Nachbesserung/Garantie

Guten Tag zusammen,
nachdem ich hier die diversen Einträge gelesen habe, möchte ich an
dieser Stelle etwas Licht ins Dunkel um o.g. Begriffe bringen.


1. Umtausch:
Es gibt kein pauschales Umtauschrecht beim Kauf (also Umtausch i.S.v.
'ich habs mir anders überlegt oder hab die Ware nun doppelt usw.', d.h.
die Ware ist an sich funktionstauglich). Es sei denn der Kauf erfolgt
über Fernabsatz (z.B.Internet/Telefon), auf einer Butterfahrt, an der
Haustür oder in Verbindung mit einem Finanzierungsvertrag. Dann hat man
14 Tage nach Erhalt der Ware/Unterzeichung des Kreditvertrages oder bei
Fehlen einer Widerrufsbelehrung sogar noch länger.

2.Gewährleistung:
Im Gegensatz zum Umtausch hat man bei einem Mangel/Fehler oder dem
Fehlen zugesicherter Eigenschaften sogenannte Gewährleistungsansprüche
nach BGB gegnüber dem Verkäufer (mit dem Hersteller schließt man i.d.R.
selten einen Vertrag) und das für 6 Monate nach Kauf/Erhalt der Ware.
Das BGB sieht hier drei Ansrüche vor: Ersatzlieferung (Neuware),
Minderung (Preisnachlass) oder Wandlung (Aufhebung des Kaufvertrages).
Hat die Firma jedoch AGB's (das berühmte Kleingedruckte) und kann man
diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen als wirksam vereinbart ansehen
(im Einzelfall zu prüfen), so gehen diese i.d.R. vor, was bedeutet:

3.Nachbesserung:
dass der Händeler sich oft Reparaturversuche vorbehalten darf, bevor
man seine Gewährleistungansprüche (s.o.) geltend machen kann. Maximal 3
Versuche unterschiedlicher Fehler oder ein fehlgeschlagener Versuch
sind zumutbar. Austauschgeräte stehen einem nicht zu und die Reparatur
sollte in allerhöchstens 6 Wochen (abhängig vom Einzelfall) und ohne
Kosten für den Kunden erledigt sein. Ausfallzeiten hängen sich an die
6-Monatsfrist Gewährleistung hinten dran, sofern man es nachweisen
kann. Bringen die Raparaturen nichts oder sinds zuviele ist man wieder
beim BGB: Wandlung/Ersatzlieferung/Minderung.

Garantie:
Diese ist im Gegensatz zur rechtlich vorgeschriebenen Gewährleistung
eine freiwillige Leistung oft vom Hersteller, seltener vom Händler. Was
drinne steht ist verbindlich, aber kann vom Garantiegeber selbst
bestimmt werden genauso wie die Länge der Garantie. Was zu fordern mit
dem Satz: 'Ich hab Garantie' bringt wenig, solange einem diese
Garantiebestimmungen nicht bekannt sind. Also aufmerksam lesen bzw.
ggf. einfordern, wenn nicht vorhanden. Denn: Garantiebestimmungen gehen
von 'wir reparieren 2 Jahre - sie bezahlen alles' bis hin zu 'wir
tauschen auch in 5 Jahren noch alles kostenfrei aus' - riesen
Spannbreite also...

Wichtigste Regel: Recht haben und Recht kriegen sind zweierlei. Oft hat
man Recht aber leider ein Durchsetzungsproblem. Dann heißt es
Schützenhilfe besorgen, entweder Rechtsanwalt (-->
Rechtschutzversicherung) oder Verbraucher-Zentrale.

Alles klar?

Gruß

andremike

P.S. Der Kauf privat zu privat ist von all diesen Regelungen
weitestgehend ausgenommen und o.g. Anspruchsnormen finden i.d.R. selten
Anwendung, heißt: es findet nur Anwendung beim Kauf einer Privatperson
von einem gewerblich Anbietenden.


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