Antwort auf Frage zum Übergang von IPv4 auf IPv6 (vielleicht schon beantwortet, aber ich ... von Jay Leno.
Jay Leno schrieb am 31. Januar 2011 21:07
> ... habe die mir wirklich 100%ig plausible Antwort bisher leider
> immer noch nicht gefunden)
>
> v4-Adressen sind ja eine echte Unter- / Teilmenge von v6-Adressen.
Nein, beide Adressräume sind völlig unabhängig voneinander. Der
v6-Raum ist dabei 2^96 mal größer als der IPv4-Adressraum. v6 ist
nicht kompatibel zu v4, somit kannst Du als v4-Endstelle nicht mit
einer v6-Gegenstelle "reden".
>
> Wenn ich also als normaler DSL-Kunde keine eigenen Dienste im Netz
> anbiete und auch nicht möchte, dann sollte es doch auch ohne jegliche
> Änderungen am heimischen Netz bzw. Internetzugang weiterhin möglich
> sein, auf das gesamte Internet (inkl. v6-Adressen) zuzugreifen, wenn
> denn mein Zugangsprovider entsprechende IPv4-auf-IPv6-Techniken
> einsetzt.
Viele haben ein falsches Bild von ihrem Provider. Wie der Name
"Zugangsprovider" schon sagt: Er stellt Dir lediglich eine Verbindung
zum Internet her, somit "routet" er deine Netzwerkpakete (IPv4 oder
IPv6) wie ein Strohhalm einfach nur zum Internet durch und kümmert
sich sonst um gar nichts.
Künftig wird er Dir halt zusätzlich IPv6-anbieten müssen. Wenn Du
also dann mit IPv6-Gegenstellen reden möchtest, müssen die Geräte in
Deinem Netz und Dein Router also auch IPv6 sprechen bzw. routen
können.
Es gibt zwar Übersetzungstechniken, die IPv6- in IPv4-Pakete und
zurück übersetzen können, diese funktionieren in der Regel aber nur
gut für eine Kommunikation, die ein IPv6-Client mit einem IPv4-Server
initiert, namentlich handelt es sich dabei um die Technik
NAT64/DNS64.
Du möchtest aber den umgekehrten Fall: Nämlich, dass Du als
IPv4-Client mit beliebigen IPv6-Servern sprechen kannst. Leider gibt
es dafür keine praktikablen Übersetzungslösungen. Eine praktikable
Technik namens IVI gibt es zwar, diese setzt aber voraus, dass es zu
jedem IPv6-only-Server eine IPv4-Adresse geben muss, die diesen
Server im IPv4-Internet repräsentiert. Das Problem dabei ist, dass es
dafür künftig aber keine freien IPv4-Adressen mehr gibt.
Der einzige Ansatz für diesen Fall wäre m. E., dass Dein Provider für
alle relevanten Anwendungsprotokolle (HTTP, FTP, usw.)
Anwendungsproxies aufstellen müsste, die Du dann in Deinem Browser
konfigurieren müsstest. Du würdest dann z. B. zum Surfen im Internet
immer nur via IPv4 mit dem HTTP/HTTPS-Proxy Deines Providers reden
und dieser würde mit den eigentlichen Servern, die Du kontaktieren
möchtest, stellvertretend für Dich kommunizieren, und dies eben ggf.
auch über IPv6.
Ich glaube aber kaum, dass die Service-Provider ein starkes Interesse
daran haben, derartige für sie aufwendige Proxy-Systeme zu
installieren. Da rollen sie doch lieber natives IPv6 zum Endkunden
aus. Da kommen sie schließlich sowieso nicht drum herum.
>
> Oder muß ich dazu wider Erwarten doch am heimischen Übergangsrouter
> entsprechende Änderungen vornehmen? Und wenn ja bitte welche?
>
Ja, Dein Router muss zusätzlich IPv6 routen können, er muss über eine
PPP-Verbindung zum Provider auch IPv6 aushandeln können, außerdem
sollte er DHCP-PD können, um einen vom Provider zu liefernden
IPv6-Adressblock zu erfragen, daraus Subpräfixe zu bilden und diese
in den angeschlossenen LAN-Segmenten per Router Advertisements
anzukündigen, damit Deine IPv6-aktivierten Endrechner sich daraus
selbst IPv6-Adressen per Autokonfiguration ableiten können. Außerdem
sollte Dein Router eine stateful Firewall für IPv6 implementieren, da
es für IPv6 kein NAT gibt, das ja bei IPv4 für den Pseudoschutz
Deines Netzwerks zuständig ist.
Wenn Du einen älteren Router hast (<2010) wird es wohl mit einem
Firmware-Update nicht getan sein, d. h. Du wirst wohl einen neuen
Router kaufen müssen.
> Bereits jetzt ein HERZLICHES DANKESCHÖN für entsprechende Hinweise,
> Links und / oder sonstige Antworten! Viele Grüße und schönen Abend!
> :-)
Gefällt mir
Sie müssen sich zuerst einloggen, um einen Beitrag zu bewerten.
Danke
0
Zitieren
Antworten