Die Woche: 80386 ade

Re: Ich weiß noch, wie es bei mir begann..

Avatar von Thomas Merbold

Thomas Merbold

mehr als 1000 Beiträge

   E-Mail   
27.12.2012 05:11 Permalink
> Wäre nett, wenn der eine oder andere seine Erfahrungen mit dem 386
> hier in den Thread stellt, egal ob mit Linux oder Windos oder Solarix
> oder ConcurrentDOS, was auch immer sich da getummelt hat.
> Und parrallel dazu, warum jemand vom 68000 zum Intel oder umgekehrt
> gewechselt hat.

Jo, ist genau das Richtige für eine schlaflose Nacht.

Ich bin nicht mehr ganz das jüngste Semester und der 386 traf mich
genau im Studium. Vorher hat man sich mühevoll mit dem 286er und dem
68000er abgequält und wer mal Assembler programmiert hat, weiß oder
wußte den 68000 zu schätzen. 

Mit dem Ende des Studium und Beginn der Promotion - wir schreiben das
Jahr 1994 - machte ich auf meinem 386er auch die erste Erfahrung mit
Linux. Beruflich mit HP-UX und Solaris gequält war ich auf der Suche
nach einem UNIX für zuhause. Bei einem weit bekannten Buchhändler in
Darmstadt fand ich dann die "Deutsche Linux Distribution" DLD an
einem Freitag abend. Super dachte ich mir, weiß ich was ich am
Wochenende mache. Ein Magazin mit einer CD - mehr war es nicht.

Voller Freude zuhause angekommen und die Installationsanleitung
durchgelesen. Vekleinern einer Partition war damals noch nicht - also
alles runter von der Platte, neu Partitionieren, DOS und Win 3.1
wieder installieren (man hatte damals eine gewisse Übung darin ;-))
Nun war es soweit - und nu - der Dreck bootet nicht. 

Also - zwei Disketten freigeschaufelt und Bootdisks erstellt und auch
ein neues. Schon das nächste Problem - mein CD-ROM-Laufwerk wurde
nicht unterstützt, das kein Mitsumi und kein ATAPI. Ok - was nun? Als
mögliche Option wurde angegeben die Distri auf Disketten zu ziehen.
Wieviele braucht man denn? Nun - 87 Stück. Ich also zum
IchBinDochBlöd-Markt und Disketten geholt. Die halbe Nacht ging mit
umkopieren drauf...

Am nächsten Morgen wurde installiert - klappte bis auf die
Konfiguration von X11. In der Hardwarebeschreibung stand "Nicht
unterstütz werden einige Karten von Diamond" - und rat mal was ich
hatte: Eine Diamond Speedstar 24. Fuck - ab zum IBDB-Markt und ne
billige ET4000 geholt, reingefrickelt und durchgestartet.

Dieses System auf meinem 386 begleitete mich drei Jahre und machte
außer der Installation keinen Streß. Meine kleine Workstation musste
sich vor den Rechnern an der Uni nicht verstecken und mir wurde klar,
was der 386er eigentlich alles kann. 

Nun wird er nicht mehr unterstützt. Obwohl damit ein Teil Geschichte
wird, finde ich diese Entscheidung seit langem mehr als überfällig.
Hätte ich einen 386er, würde ich einen Teufel tun und einen aktuellen
Kernel draufziehen. Ein früher 2er tut es auch und man braucht auf
diesem Rechnern kein Monstersystem. Abwärtskompatibilität wunderbar,
doch alles bitte mit Sinn und Verstand. Selbst ein modernster
Ivy-Bridge-System kennt noch das A20 Gate (ledigliche einige XEONS
kennen es nicht mehr) und das BIOS ist bis heute in der Lage
Bandlaufwerke anzusteuern.

Der alte Rechner existiert nicht mehr - er hat meine Hochzeit und
damit die Haushaltszusammenlegung nicht überlebt. Es war good old
386er mit 40 MHz, 4 MB RAM, 250MB Platte, Speedstar Grafik
(alternativ Tseng ET4000 - vor dem Umbooten das Wechseln nicht
vergessen), Soundblaster 16. Er wurde abgelößt von einem i486 mit 100
MHz und 16 MB RAM - auch er existiert nicht mehr. 

Die Software die damals im Rahmen meiner Promotion entstanden ist,
lebt in Teilen bis heute weiter. Diese Teile findet man bis heute in
der DDE der Fahrzeuge eines deutschen - äh tschuldigung - bayerischen
Autombilherstellers, die an der Dieselsäule halten (auch wenn die
Plattform nicht Intel ist). 


Thread-Anzeige einblenden

Anzeige