Die Überschrift liest sich sicher etwas seltsam, aber ich möchte hier eine Unsitte dieses sogenannten Modems von SITECOM dokumentieren, und wie man dieses Problem lösen kann. Das Problem ist folgendes:
1. Es geht nur mit dem IE.
2. Das "Modem" ist nicht einfach nur Modem.
3. Beides sind unnötige "Produkteigenschaften"
Die Ausgangssituation ist die, dass an einem seit gut 15 Jahren bestehenden, immer wieder aufgerüsteten ADSL-Zugang das zuletzt verwendete D-Link-ADSL2+-Modem zeitweise ausfiel, kein Sync, und die Telekom ihrerseits keinen Fehler finden konnte. Um die eigentliche Einwahl, Routing, NAT usw. kümmert sich in diesem Heimnetz wie so oft ein separater WLAN-Router, der den Ansprüchen vollkommen genügt. Man hätte natürlich Modem und Router gegen einen neuen WLAN-Router mit integriertem ADSL/VDSL-Modem austauschen können, aber die Dinger kosten auch deutlich mehr als ein reines Modem, und der WLAN-Router war noch keine 2 Jahre altund es sollte die Neukonfiguration des gesamten Netzwerkes, einschließlich diverser Portforwardings und neu Anlernen des WLANs und des VPNs auf verschiedenen Notebooks, Netbooks, Tablets, Smartphones usw. vermieden werden. Die einfachste Lösung ist in diesem Falle eigentlich der Austauschdes ADSL-Modems. Doch "dumme" ADSL-Modems sind heute selten geworden, das Telekom Speedport 200/201 ist nicht mehr erhältlich.
Natürlich geht so ein Gerät immer dann kaputt, wenn man es am meisten braucht, und immer kurz vor Ladenschluss, oder später, Samstags Abends. Also, schnell noch in den nahe gelegenen Mediamarkt gefahren, und die Regale durchkämmt, und tatsächlich fündig geworden, ein einziges Gerät der gesuchten Geräteklasse "ADSL-Modem" der mir bis eben unbekannten Marke SITECOM, für rund 37 Euro. Schnell die Funktionen auf der Verpackung durchgelesen, und festgestellt, dass es genau wie das kaputte D-Link auch die PPPOE-Authentifizierung selbst übernehmen kann, außerdem NAT, Firewall und noch viele andere Funktionen, die ich eigentlich nicht brauchte. Von vergleichbaren Produkten (eben jenem kaputt gegangenen D-Link DSL-380T, vom Draytec Vigor 120) weiß ich, dass man diese auf Passthrough umstellen kann, so dass weiterhin der schon konfigurierte Router diesen Job behalten kann. Noch schnell den Verkäufer nach Passthrough-Unterstützung gefragt, der hat aber nur etwas hilflos die Verpackung studiert und gesagt, dass dies wohl gehen muss. Auf der Verpackung steht "10 years warranty", ein wichtiges Argument für jemanden, dessen ADSL-Modem nach 6 Jahren Dauerbetrieb in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist, also zur Kasse, bezahlt, und heim.
Daheim ausgepackt, eine riesen comic artig bebilderte Anleitung gefunden, nach der man einen Computer an das Modem anschließen soll, Webbrowser öffnen, Adresse 10.0.0.1 und User/Passwort admin/admin und dann mit Wizard konfigurieren. Klingt einfach und scheiterte schon an der Passwortabfrage, trotz mehreren Versuchen. Dann sah ich auf der Anleitung das "e"-Logo. Firefox weggeklappt, Internet-Explorer geöffnet, Username und Passwort eingetippt, drin. *grrr* (Linux/Apple-Benutzer wären hier wahrscheinlich schon komplett gescheitert.) Wizard gestartet, der fragt nach Land und Provider und will Username und Passwort - den Username muss man wie bei anderen Routern selbst aus der Anschlusskennung usw. zusammenbasteln, obwohl extra nach dem Provider gefragt wird, ich hätte hier eher erwartet dass er nach den Telekom-spezifischen Angaben gefragt hätte und das bischen Stringverarbeitung selbst erledigt hätte. Wie gut dass ich die Stringverarbeitung schon vor Jahren selbst erledigt habe und als Textdatei auf meinem Notebook liegen habe... Immerhin, der Sync war da und ich konnte mit dem Notebook online gehen. Als nächstes habe ich dann nach der Passthrough-Einstellung gesucht, wurde aber nicht fündig. Ok, ein ganz modernes Gerät, welches womöglich Passthrough automatisch erkennt, wenn ich statt des Notebooks den Router an den LAN-Anschluss anschließe, doch weit gefehlt, der Router meldete auch nach mehreren Versuchen keinen Online-Status. Das SITECOM-"Modem" ist also doch kein Modem, sondern ein Router mit nur einem LAN-Port und eingebautem Modem, Abschalten kann man die "Komfortfunktionen" nicht.
Und nun? Ein anderes Geschäft mit anderer Auswahl gibts hier nicht, es ist schon 21:20 (Samstags), also kein Internet bis ein anderes Gerät im Laufe der kommenden Woche aufgetrieben ist? Nimmt der Mediamarkt das ausgepackte Gerät überhaupt zurück? Nochmal das alte Modem von D-Link ausprobiert, weiterhin kein Sync. Eine schnelle Lösung musste her. Jetzt.
Ich hatte dann eine Idee: Soll doch das "Modem" die Einwahl machen, flugs den Router ans Modem angeschlossen, ins Webinterface des Routers, Internet/WAN-Einstellung aufgerufen, PPPOE zugunsten einer statischen Adresse 10.0.0.2, Subnetz 255.255.255.0, Defaultgateway 10.0.0.1, DNS 10.0.0.1 (und 8.8.8.8). Routerneustart, und ich war wieder online. Doch bei weiteren Tests stellt sich natürlich heraus, dass folgendes nicht funktioniert: DynDNS, klar weil der Router nur seine private WAN-Adresse 10.0.0.2 sehen kann, und nicht die öffentliche Provider-IP-Adresse, und auch die Portforwardings funktionierten nicht mehr, weil das "Modem" diese nicht über sein NAT an den Router weiterleiten kann. DynDNS auf dem Router deaktiviert, und auf dem "Modem" aktiviert, das war einfach. Dann erstmal eine schnelle Lösung für die Portforwardings, es war schon spät am Abend, also einfach den Router mit seiner WAN-Adresse als DMZ im "Modem" eingetragen, und alles ging wieder, wie ich über die Seite vtunnel.com überprüfen konnte.
Heute Morgen habe ich die Einstellungen meines 10er "Transfernetzes" noch vereinfacht, die Netzmaske auf 255.255.255.254 eingeengt, damit es dort nur noch den Router 10.0.0.2 und das Modem 10.0.0.1 geben kann, und auf dem Modem die DMZ gegen einzelne Portforwarding-Regeln ausgetauscht, die denen auf dem Router entsprechen und auf diesen zeigen, um den Router etwas aus der Schusslinie zu nehmen. Außerdem DHCP auf dem Modem abgeschaltet. Soll das "Modem" doch mit seinen ausgefeilten Firewallfunktionen, DoS-Filtern usw. die Hauptarbeit gegen das "böse" Internet übernehmen...
Das "Modem", also eigentlich der Router vor dem Router, arbeitet nun völlig transparent vor meinem Netzwerk. Das war zwar so nicht vorgesehen, aber es funktioniert auch. Ich hoffe, dass diese kleine Story (klein? jaja ich weis...) anderen weiter hilft, die vor dem selben Problem stehen.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert. (19.02.2012 11:54)









