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Massenversagen: Seagate Barracudas der Reihe 7200.11 verrecken wie die Fliegen

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Gehtdoch

13 Beiträge seit 13.08.2008

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14.01.2009 01:11 Permalink
Falls ihr Probleme mit eurer Seagate-Barracuda-Festplatte habt, bitte
lesen. Ich fasse so kurz wie möglich die Erfahrungen geschädigter
User zusammen. (Meine Zusammenfassung ist ziemlich lang, aber
vielleicht hilft sie euch ja.) Am Schluss folgen Links zu einem
Forum, wo ihr weitere Hilfe und Informationen bekommen könnt.

**Situation**
Es gibt derzeit ein rätselhaftes Massensterben bei Seagate-SATAs der
Modellreihe 7200.11 Barracuda. Betroffen sind vorwiegend HDDs der
Größen 500 GB, 750 GB, 1 TB und 1,5 TB. Auffällig ist die Häufung des
Versagens bei Festplatten mit Firmware SD 15, Site Code KRATSG,
Product of Thailand.

Symptome:
1.Die HDD wird beim Hochfahren des Rechners (POST) vom BIOS nicht
erkannt,
2.oder das Bios erkennt die HDD, aber mit 0 Byte
3.es gibt keine mechanischen Auffälligkeiten: keine verdächtigen
Geräusche, Platten laufen an, laufen ruhig und stabil (Handprobe)

Die HDDs versagen ohne jegliche Vorwarnung. Der S.M.A.R.T-Status ist
bis zum Versagen der Platte unauffällig. Typisch: Den einen Tag ist
alles bestens, beim Hochfahren am nächsten Tag meldet das BIOS „no
bootable drive“, „no OS detected“ (oder ähnlich). Einzelne User haben
allerdings auch berichtet, dass im laufenden Betrieb ein „re-boot to
death“ erfolgte.

**Hardware**
Es ist kein Problem der Rechnerarchitektur. Das Phänomen tritt
unabhängig davon auf, welches Motherboard, welcher Controller, welche
CPU verbaut ist. Es betrifft sowohl RAID- als auch Single-Betrieb.
Der Austausch von Strom- und Controllerkabeln nützt nichts. Das
Jumpern der HDD auf 1,5 GB/sec (statt 3 GB/sec) bringt keine Abhilfe. 
Es macht keinen Unterschied, ob die Festplatte Bootlaufwerk oder
Zweitlaufwerk ist. ABER: Ist die HDD das Zweitlaufwerk, bootet der
Rechner trotz eines (intakten) Bootlaufwerks in einen Bluescreen
(BSOD). Erst nach Entfernen der defekten Seagate-HDD fährt der
Rechner wieder normal hoch. 
Ein Betrieb als externe Festplatte an USB/ Firewire/ eSata ist
ebenfalls nicht möglich, da die Platte nicht erkannt wird.

**Software**
Es ist kein Problem des Betriebssystems. Betroffen sind Windows-,
Linux- und Apple-Systeme gleichermaßen.
Die nicht ansprechbare Festplatte ist mit keinem üblichen
Software-Utility-Tool zu retten.
Wird der Rechner von einer Boot-CD mit Diagnosesoftware (z.B.
Seagates Seatools) gebootet und die HDD damit geprüft, erkennt die
Diagnosesoftware keinen Hardwaredefekt.

**Seagate-Support**
Zur Fehlerbehebung: Kein Support. Seagate bestreitet kategorisch,
dass die Modellreihe 7200.11 die beschriebenen Defekte „in
statistisch signifikanter Zahl“ aufweist. Ein Mitarbeiter aus dem
Support soll allerdings unter der Hand eingeräumt haben, dass Seagate
derzeit bei der betroffenen Modellreihe eine Rücklaufquote von 30-40%
verzeichnet.
Im Userforum bei Seagate (http://forums.seagate.com) werden
kritische/ unliebsame Postings von den Moderatoren systematisch
gelöscht oder um relevante Passagen gekürzt.
Eröffnet man auf der Supportseite von Seagate einen sogenannten
„case“ (Fehlerbeschreibung), wird dieser nach wenigen Tagen mit dem
Vermerk „self solved“ geclosed, was wie Hohn anmutet.
Die Seagate-Hotline verweist auf den Umtausch im Rahmen der
Garantiezeit, d.h. wer die defekte Platte einschickt, bekommt sie
anstandslos ersetzt. Die Daten sind dann natürlich weg.
E-Mails werden von Seagate nicht beantwortet.

**User-Selbsthilfe**
Betroffene User aus der ganzen Welt haben sich u.a. im MFSN-Forum zum
Erfahrungsaustausch zusammengefunden
(http://www.msfn.org/board/index.php?showtopic=128092). Der Thread
wurde bisher über 22.300mal angeklickt und umfasst zu schreibender
Stunde bisher 485 Postings, es lohnt aber trotzdem, die alle
durchzulesen. Im selben Forum wird eine Liste der toten Festplatten
geführt und ständig aktualisiert
(http://www.msfn.org/board/index.php?showtopic=128514), dort sollten
sich Geschädigte mit ihren Festplattendaten eintragen. Technisch
versierte Forenmitglieder sind fieberhaft dabei, eine Lösung zu
erarbeiten.

Es hat sich herauskristallisiert, dass es sich um einen
Firmware-Defekt handeln muss. Dies wurde von Datenrettungsfirmen wie
z.B. Salvation Data (http://www.salvationdata.com) bestätigt, die das
Problem genauer untersucht haben. Die Daten auf der HDD sind alle
noch da und unversehrt, aber nur mit Spezialtools zugänglich (was
besonders bitter ist, wenn man keine 500$ für die Datenrettung zahlen
kann/will). Da die Firmware sich nicht auf dem austauschbaren PCB,
sondern direkt auf den Platters befindet, kann eine einmal verreckte
HDD auch durch ein Firmware-Update nicht mehr gerettet werden.

**Öffentlichkeit**
Neben unzähligen Beiträgen in diversen Hardware-Foren zu dem
Seagate-Problem wird langsam auch die Presse aufmerksam. Siehe zum
Beispiel den Inquirer unter
http://www.theinquirer.net/inquirer/news/374/1050374/seagate-barracud
as-7200-11-failing

Geschädigte User, schließt euch zusammen! Je mehr Öffentlichkeit das
Versagen von Seagate(-Festplatten) bekommt, desto besser – vielleicht
bequemt Seagate sich doch noch zu einer Hilfestellung.
Der Schaden, den der Ruf von Seagate genommen hat, ist schon jetzt
beträchtlich.

Mir ist eine 500 GB-Platte wenige Wochen nach Einbau auf die
beschriebene Weise verreckt. Ich jedenfalls werde Seagate-Festplatten
künftig meiden wie die Pest. 

/Dale

PS: Auf gutgemeinte Ratschläge zum Thema Backup kann ich verzichten.

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