Bitkom erringt Teil-Einigung bei der Urheberrechtsabgabe für USB-Sticks
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die kleine Himbeere

608 Beiträge seit 25.10.2012

24.01.2013 02:36 Permalink

Re: Jeder User hat nur *ein* Paar Ohren!

langer_sebi schrieb am 22. Januar 2013 09:29

> Nach der Argumentation, dürftest du die auch tausendfach kopieren und
> veteilen. Oder gar verkaufen.

Nein. Weil ich spreche hier ausnahmlos von der legalen Privatkopie,
und nicht von einer Raubkopie.

> Nicht ganz, zur der  "Privatkopie", die mit diesen Abgaben vergütet
> werden, gehören ja auch Kopien für ein paar Leute aus dem engsten
> Freundes- und Familienkreis.

Ok, zugegeben.

Aber das kann man einfach beheben indem man den Begriff "Privatkopie"
neu definiert, so dass dergleichen Weitergabe künftig verboten wird.

> Also wenn Bruder oder Schwester zu dir
> kommen und zu einer von dir gekaufen CD sagen "Hey, die ist ja cool,
> kannst du mir die brennen?", dann darfst du das.

Gut und schön, aber wer sagt das ich das will?

Das ist für mich eine unerwünschte Zusatzleistung.

Wenn meine Schwester eine CD will die ich habe, dann soll sie sich
eine kaufen. Genau wie jeder andere.

Ich sehe nicht ein, warum ich beim Kauf eines Leermediums ungefragt
für alle meine Freunde und Bekannten mit zahlen soll, damit diese
dann die CD billiger bekommen können.

Denn wenn man es genau betrachtet, handelt es sich hierbei um nichts
weiter als einen Gruppenrabatt: Wenn ich allein die CD kaufe muss ich
den Vollpreis zahlen.

Wenn ich sie meiner Schwester kopiere, und sie mir die Kosten
ersetzt, bekommt sie das ganze billiger, nämlich um den Preis des
Leermediums plus der Leermedienabgabe.

Soweit wäre das ja noch OK - man könnte die Verbilligung damit
argumentieren, dass ich bei meiner Schwester Werbung für die CD
gemacht habe, so ein Kauf zustande kam den es sonst gar nicht gegeben
habe, und als Dank der Musikindustrie kommt die 2. Kopie billiger.

Allerdings gibt es einen Riesenunterschied zwischen einem solchen
Rabatt und der tatsächlichen Leermedienabgabe: Einen Rabatt bekommt
man nur wenn man auch tatsächlich einen Kauf durchführt und dies zu
tun beabsichtigt; es entsteht einem kein Nachteil wenn man keinen
derartigen Kauf tätigt.

Die Leermedienabgabe ist hingegen ein finanzieller Nachteil für jeden
der keinen Bedarf an einer Kopie für irgendwelche Freunde oder
Verwandten hat.

Denn man zahlt hier hier für einen Vorteil, den man nur im Fall des
Anlegens einer Kopie und Weitergabe an eine andere Person tatsächlich
genießen kann.

Andernfalls hat man einen Schaden erlitten, denn wer von diesem Recht
mangels Bedarf keinen Gebrauch macht, der wird bestraft: Er tätigt
eine Zahlung ohne gegenüber stehende Leistung.

Und ich frage nun: Wie komme ich dazu, beim Anlegen von Privatkopien
zu meinem eigenen Gebrauch gegenüber Personen benachteiligt zu
werden, die an alle ihre 20 Geschwister in der Großfamilie Kopien
anfertigen?

Davon abgesehen könnte die Musikindustrie auch ohne Leermedienabgabe
Rabatte gewähren.

Dazu würde es völlig reichen, sich entweder im Plattenladen oder
einem Online-Portal der Musikindustrie zu registrieren, dort die CD
auszuwählen von der man für Verwandte Kopien erstellen will, und
einen verbilligten Betrag (gegenüber dem Original) dafür zu bezahlen,
sei es bar, per Überweisung, Kreditkarte, per E-Bay oder
Prepaid-Card.

Weiters gehört die schwammige Regelung "in der Familie und im engsten
Freundeskreis" abgeschafft, und jeder Käufer enthält dieselbe Anzahl
von Kopien die er auf diese Weise verbilligt erstellen darf.

Denn es ist ja wirklich nicht einzusehen warum jemand der ein
Einzelkind ist und dessen Eltern schon gestorben sind und der keine
Freunde hat keine Kopie für andere machen darf aber genau so dieselbe
Leermedienabgabe zahlt, wie jemand der 20 Geschwistern, seinen
Eltern, und Großeltern und Urgroßeltern je eine Kopie brennt. Und
vielleicht noch seinen 500 engsten Facebook-Freunden.

Wenn es dann wirklich zu einem Prozess kommt, ist es mit solch
schwammigen Formulierungen völlig unklar was man noch als "engsten"
Freundeskreis zählen darf und was nicht. Vom Großfamilien ganz zu
schweigen. Auf jeden Fall ist es, vor allem im Falle der "Freunde",
Rechtsunsicherheit pur.

Daher gehört diese Regelung, wenn man sie überhaupt weiter bestehen
lassen will, gegen eine klare Regelung von sagen wir "bis zu 3
Kopien" ersetzt, und zwar völlig egal an wen.

Aber auch dieses Recht sollte man nur bekommen wenn man es auch haben
will, und auch extra dafür bezahlt, etwa in Form einer
nutzungsabhängigen Leermedienabgabe.

Das wäre OK.

Aber Leute für ein Recht bezahlen zu lassen dass sie vielleicht
wollen oder vielleicht auch nicht, und erst recht wenn sie es
explizit *nicht* wollen, ist in Wahrheit nichts als *Konsumzwang*,
oder man könnte auch sagen Kreuzsubventionierung.

Denn so subventionieren Musikkäufer die ihre Musik zum Eigenbedarf
kaufen - und ich behaupte das wird die Mehrzahl der Käufe sein - die
"Rabatte" mit, die Leuten gewährt werden die Mehrfachkopien für
Freunde/Verwandte anlegen.

Ich bin aber für Kostenwahrheit: Für Leistung bzw. Rechte etwas tun
zu dürfen soll, kurzum für Leistung die man bestellt hat, soll man
auch Bezahlen müssen.

Das ist völlig logisch.

Aber für Leistungen die man nicht bestellt hat, gar nicht haben will,
und die nur anderen zugute kommen, soll man keinesfalls bezahlen
müssen.

Und bei der Leermedienabgabe kommt ja noch das Problem hinzu, dass
ich sie sogar dann bezahlen muss wenn ich ÜBERHAUPT keine Leistung
beziehe, also auch dann wenn ich überhaupt keine Musik gekauft habe,
geschweige denn an andere oder auch nur für mich selbst kopiere.

So finanzieren alle Leute die weder Musik kaufen noch Kopien an
irgendwelche Freunde erstellen wollen, grundlos die Musikindustrie
mit.

Es gibt natürlich noch andere Formen der Mitfinanzierung von denen
man selbst nichts Nachweisbares hat: Steuern etwa.

Genauer gesagt, da es hier ja um bestimmte Produkte geht: Zölle.

Denn nichts anderes als ein privater "Zoll" ist die Leermedienabgabe.

Man muss sie nicht pauschal zahlen wie Steuern egal was man tut, aber
man muss sie zahlen sobald man bestimmte Produkte "importiert" - was
in diesem Fall mit "kaufen" des Leermediums gleichgesetzt wäre.

Aber es ist ein Riesenunterschied ob der Staat Zölle einhebt, der
schließlich auch allen Staatsbürgern Leistungen anbietet von denen
man nicht verhindern kann dass man zumindest irgendwelche davon in
Anspruch nimmt.

Oder ob es Privatfirmen wie der Musikindustrie erlaubt wird ebenfalls
zollähnliche Gebühren einzuheben, ohne dass die Musikindustrie ein
staatliches oder auch nur dem Allgemeinwohl verpflichtetes
Unternehmen ist.

Die Mindestanforderung die ich stellen würde dass es Organisationen
erlaubt sein mag zoll-ähnliche Gebühren zu erheben, wäre dass es sich
um ausgwiesene Non-Profit-Organisationen allgemeinen Interesses
handelt.

Das ist bei der MI aber definitiv nicht der Fall.

Das sind auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen, und es ist nicht im
mindesten einzusehen weshalb diese Firmen Sonderrechte haben sollen,
die andere Firmen nicht haben.

Erst Recht wenn diese Sonderrechte zu Lasten des Verbrauchers gehen,
wie in diesem Fall.

Daher um es ganz klar zu sagen: Künstler gehören für ihre Arbeit
entlohnt. Raubkopien sind zu recht verboten.

Aber die Leermedienabgabe ist eine unverschämte Abzocke, der
zwangsweise Kauf ein Rechts, das niemand bestellt hat.

Für Kopien an Freunde/Familie soll man ganz normal etwas zahlen, von
mir aus mit Rabatt, aber jedenfalls mehr als wenn man diese Kopien
nicht erstellt.

Es ist ja auch den Künstler gegenüber nicht einzusehen, warum er mehr
Geld für seine Leistung bekommen soll wenn sie von 2 völlig
verschiedenen Leuten gekauft werden als von 2 Verwandten.

Er hat im ersten Fall nicht mehr an der CD gearbeitet und um zweiten
Fall nicht weniger.

Und eben so unfair ist es für den Kunden.

Wenn ein Kunde für sich und einen Bekannten eine CD besorgt, muss er
2 Stück davon zum Vollpreis kaufen.

Wenn genau derselbe Kunde eine CD kauft und eine Kopie an seinen
Vater erstellt, muss er nur 1 Stück plus die Leermedienabgabe +
Leermedienpreis zahlen.

Auf jeden Fall wird er bevorzugt.

Natürlich kann ich mir schon denken woher der Wind weht: In Familien
mit mehreren Kindern gibt es oft weniger Geld für jedes einzelne.
Daher könnte sich das 2. Kind vielleicht gar nicht leisten, eine 2.
CD zum Vollpreis zu kaufen.

Dieses Problem könnte man mit einem Rabatt auf zusätzliche Kopien
aber genau so lösen, ohne das über Zwangs-Leermediengebühren
abwickeln zu müssen die Nicht-Käufer für unerbetene Zusatzleistungen
zum Mit-Zahlen zwingen.

Hinzu kommt bei der ganzen Thematik noch der unerwünschte
psychologische Effekt, dass sich jemand der die Leermedienabgabe
zahlt "moralisch ermächtigt" fühlt, Kopien an alle anderen zu
erstellen und nicht nur an "engste" Freunde/Verwandte.

Insbesondere Leute die überhaupt keine Kopien an Freunde/Verwandte
machen können sich durch solche Maßnahmen "im Recht" fühlen, "zum
Ausgleich" von anderen Medien Raubkopien zu erstellen - frei nach
"ich weiß zwar dass *dies* nicht rechtens ist, aber es dient nur zum
Ausgleich der ungerechtfertigten Zahlungen für die
Leermedienabgaben."

Natürlich ist das nur eine Ausrede und ändert nichts an der
Ungesetztlichkeit.

Aber da die Leermedienabgabe ungerechtfertigt ist solange man die
Freundeskopier-Zusatzleistung nicht in Anspruch nehmen will, fühlt
man sich ungerecht behandelt und empfindet daher den Drang sich zu
"revanchieren". Ob man dem nachgibt ist eine andere Frage.

Dadurch macht die MI es den Raubkopierern aber auf jeden Fall sehr
einfach ihr Gewissen zu beruhigen, und je höher diese
ungerechtfertigten Gebühren werden, desto schwerer wird es werden den
Raubkopierern ins Gewissen zu reden, da sie ihre Taten nur als
moralisch gerechtfertigte Rachehandlung gegen eine unfaire Behandlung
ihrerseits empfinden.

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