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baby

361 Beiträge seit 16.02.2004

29.05.2005 02:10 Permalink 100

Ich als "Europa-Fan"...

...kann wirklich nur hoffen, dass Frankreich klar und deutlich 'Non,
merci' sagt!
> [(Ist ein langer Text, ich weiss. Tschuldigung!)]

Ich bin ansich wirklich von der Idee Europa überzeugt, es ist m.E.
gut und richtig, wenn dieser Kontinent (oder besser gesagt:
Halbkontinent) zusammenwächst, sowohl in kultureller, als auch in
politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Dass aber so etwas gewisse
Zeit braucht, sollte klar sein, da braucht man sich nur das
'Zusammenmanschen' BRD-DDR anschauen.

Wenn ich mir das jetztige politische Gebilde (auch "EU" geschimpft)
aber anschaue, wird mir übel, so übel wie nach 20-40 Chicken
McNuggets.
Korrupt, Undemokratisch, viel Blabla samt superschöner Worthülsen,
Null Ehrlichkeit wenns mal keine tollen Nachrichten sind, eine Art
schlechte Kopie unseres urdemokratischen Nachbarn auf der anderen
Seite des Teichs. Insgesamt ein blau-gelbes Kasperltheater
irgendwelcher Großunternehmer und Menschen, denen das Kapital aus den
Ohren rausquilt. Wenn man die Fäden des Puppenspiels sehen könnte,
wäre es vielleicht sogar lustig...
Leider kommt das Volk an die Marionetten-Fäden nicht ran...
Wer das nicht glaubt, soll sich mal das Theater um die
Softwarepatente anschauen, das sollte auch dem letzten EU-Fan die
Augen öffnen, falls er sich die Zeit nimmt, genau hinzuschauen.

So geschehen bei mir, will ich mir nicht mehr einreden, dass die EU
doch nicht so schlecht sei. Oft dachte ich: Besser wenigstens solch
eine EU, als gar keine, denn es müsse endlich ein starkes
Gegengewicht zu den Bushmännern im Spätabendland geben. Doch was
bringt uns das, wenn wir dann die gleichen Probleme bekommen (bzw.
schon haben) wie die da drüben?
Verdummung der Massen (so wie schon bei den Römern: "Brot und
Spiele"), sicherheitshalber ein Überwachungsstaat* für die wenigen
übrigen Querköpfe und Gegenschwimmer. Rechtsstaat? Pfff, das Kapital
hat Recht, Otto "Geiz" Normal bleibt keine Würde, er ist Sklave und
"Geldbeschaffer" zugleich, nicht Arbeit"nehmer"** und Kunde. Jede
Moral und fast alle Werte kann man vergessen und die Erziehung wird
zum Glücksspiel. Der Egoismus besiegt die soziale Gemeinschaft, jedes
Fünkchen Solidarität; die eigenen Interessen zählen mehr als alles
andere**, jeder versucht die paar übrigen Krümmel des großen Kuchens
abzubekommen, die großen Stücke sind eh schon vergeben an die
Oberklasse (die großen Bosse + "hohen" Politiker, auch "Genossen der
Bosse" genannt, fast allesamt BWLer, Juristen und Erben solcher).
Wie soll die "vierte Macht der Gewaltenteilung" (Presse/Medien) da
groß aufklären, ist sie doch selbst vom Kapital abhängig und wird sie
doch selbst gelenkt und bedrängt von Profitsucht und Umsatz- und
Profitmaximierung?

Ich zumindest kann mitlerweile gut ohne die heutige EU leben,
verkörpert sie doch nur nach außen hin, was ich und viele andere
wollen. Schaut man mal bisschen ins Innere, sieht man, das
Eigeninteressen Weniger und der liebe Euro (der letzte wirkliche
"Wert") die schöne Idee von innen heraus ausgehölt haben, beinahe wie
ein wuchender Krebs. Das einzige mehr oder weniger makellose ist noch
die Hülle, aber die platzt auch noch, irgendwann wenn die Verfassung
steht...

Falls Frankreich heute 'Nein!' sagt, wird es sicher so weitergehen:
Die übrigen Länder werden trotzdem abstimmen/ratifizieren, als wäre
nix passiert, in einem Jahr darf dann Frankreich noch einmal ran.
Jedenfalls hört man sowas in der Richtung. Wäre auch typisch EU. Ich
habe die Hoffnung, dass durch diesen Rückschlag solch sympatische
Leute wie Barbarroso und Co. gezwungen werden, die EU endlich
demokratischer zu machen. OK, ist nur meine Hoffnung, und die stribt
ja bekanntlich zuletzt.
Aber immerhin wäre es eine Niederlage für sie, und vielleicht müssten
sie ja (Pseudo-)Zugeständnisse machen, damit sich's die Franzosen
beim nächsten Mal doch anders überlegen, solange es nicht nur den
Franzosen hilft, wäre das sicher ein positiver Effekt. Leider würde
es wohl aber auch bedeuten, dass man noch seltener das Volk sprechen
lässt, könnte ja wieder schief gehen! Aber wenn die Verfassung erst
steht, braucht man "das Volk" ja auch gar nicht mehr fragen. Ok, ihre
"Vertreter" schon, aber zuhören braucht man dabei auch nicht, sondern
kann schon die nächsten Termine mit Firmenchefs alla Bill Gates
machen. Die bieten wenigstens auch was, und sei es nur Urlaub.

Ich jedenfalls werde morgen ein Freudensprung machen, wenn sich
dieses nette Lächeln
(http://www.tagesschau.de/styles/container/image/style_images_default
/0,,OID3807352,00.jpg) in ein trauriges und verzweifeltes Gesicht
verwandelt (auch wenn niemand was davon sehen wird, immerhin herrscht
in der EU weiterhin Friede-Freude-EierkUchen...

Ok, genug aufgeregt!
Trotzdem einen schönen (und hoffentlich erfolgreichen) Sonntag
wünscht
Das kleine Baby

* Fast schon lustig, dass BigBrother sowohl für Verdummung, als auch
für Überwachung steht - Ein Zufall?!
** Arbeitnehmer ist ja bekanntlich ein Euphemismus
(http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus), denn eigentlich ist der
Arbeit"geber" der jenige, der Arbeit nimmt, der Arbeit"nehmer" gibt
dem Chef geleistete Arbeit. Arbeitsplatznehmer/geber passen m.E.
eher.
*** Wer denkt denn noch nach dem Prinzip "Was mir nicht (an)getan
werden soll, tue ich auch keinem meiner Mitmenschen an"...?! Stand
sogar schon in der Bibel: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" -
Ja, ich weiß schon: Wie altmodisch! :(
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