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Bernd Paysan

mehr als 1000 Beiträge seit 11.01.2000

01.12.2012 00:56 Permalink 75

Re: Der Untergang von Windows ist gut für den Markt

Diethilde schrieb am 30. November 2012 23:33

> S.N. schrieb am 30. November 2012 19:02

> > Wäre nur nicht gut, wenn dass eine Monopol durch ein anderes ersetzt
> > wird.

> Mit Linux würde man keinen Monopol haben wegen der vielen
> Distributionen.

Allenfalls könnte man das "Kartell" nennen: Die Beteiligten sind zwar
Konkurrenten, arbeiten aber auch zusammen. Diese Sache ist auch
sinnvoll: Eine API ist ein "natürliches Monopol", es ist nicht
sinnvoll, dass jeder sein Programm auf alle mögliche APIs portiert.
Die API muss nicht unbedingt gleich implementiert sein: Ein Programm
auf *BSD und Linux hinzukriegen, ist nicht wirklich schwer. Mac OS X
wegen der proprietären GUI schon etwas mehr, aber auch da kann man
Alternativen wie etwa Qt nutzen. Es ist dann insgesamt deutlich
weniger Arbeit als Windows, das wirklich überall sein eigenes
Süppchen kocht.

Bis auf Apple sind alle PC-Hersteller heute eigentlich nur noch
Hardware-Schrauber. Sie waren bisher auf Windows angewiesen, weil
Microsoft der Platzhirsch war, und sie mit den Verträgen auch
entsprechend geknebelt hat. Da Windows aber sehr populär war, war das
schon auch eine Symbiose.

Was aber, wenn Windows auf dem PC dafür sorgt, dass der wie Blei im
Regal liegt? Kein Hardwarehersteller kann sich *das* leisten.
Insbesondere bei Privatkunden, deren Hauptnutzung des PCs eigentlich
Internet-Surfen ist, und das kann man nun wirklich mit Linux
mindestens genauso gut. Bis auf dem IE sogar mit genau den gleichen
Programmen, und die Popularität des IEs auf Windows ist jetzt nicht
wirklich hoch.

Bei Vista war es schon so, dass trotz aller Jubelmeldungen viele
Leute Windows XP zum Überwintern genommen haben. Und durchaus eine
merkbare Zahl zu Linux gewechselt ist. Vista war jetzt zwar krätzig,
weil es viele Bugs und Ungereimtheiten hatte, aber es war jetzt nicht
wirklich groß anders.

Der typische Windows-Nutzer ist aber jemand, der Windows nutzt, eben
*weil* er nicht umlernen will. Meine Schwester nutzt noch Windows XP,
und ist ganz zufrieden damit; der Computer läuft seit dem letzten
Festplattencrash und folgendem Neuaufsetzen ohne große Zicken,
kleinere Merkwürdigkeiten werden toleriert. Es liegt wahrscheinlich
auch daran, dass Microsoft nichts mehr groß kaputt macht, in Extended
Support-Fenster ;-).

Man muss da auch sagen, dass Microsoft genau *diese* Kundschaft
wirklich optimal bedient: Windows XP kam 2001 auf den Markt und wird
noch bis 2014 "etwas" gepflegt. Wer ähnlich beharrend ist, und Linux
benutzt, hat bei RHEL etwa die Hälfte der Zeit, länger wird das nicht
gepflegt, und das ist schon verdammt lang. Ubuntu LTS ist deutlich
kürzer.

Wichtig ist da aber mehr, dass die Oberfläche stabil bleibt. Den
Umstieg von KDE3 auf KDE4 haben viele Leute nicht verdaut; das lag
aber auch daran, dass KDE4 zu unfertig war, nicht daran, dass sich an
der Bedienung zu viel geändert hat. Gnome3 und Unity sind dagegen
ziemlich krasse Änderungen am Bedienkonzept, und das ist schon ein
ernstes Problem. Wenn man die Beharrer bei Linux glücklich werden
lassen will, dann muss man die Oberflächen weitgehend so lassen, wie
sie sind. Apple macht's vor: Das Apfel-Menü von 1983 ist immer noch
da, die Menüleiste ist nach wie vor oben. Der Finder heißt noch
Finder, und sieht auch nicht viel anders aus. Das Dock ist neu. Naja,
im Bezug auf 1983. Es gibt ein paar nette Effekte, und die Knöpfe an
den Fenstern sind inzwischen farbig, was der Intuition, was sie jetzt
tun, nicht viel hilft.

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