Bild: maciekpp
Wer sagt schon, dass eine Tilt-Shift-Linse für eine Spiegelreflexkamera weit über 1000 Euro kosten muss? Eben. Muss sie gar nicht, beweist der Flickr-User und Fotograf Maciej Pietuszynski alias maciekpp auf seinem Blog und seiner Flickr-Seite. Nachdem er bereits eine Tilt-Shift-Linse aus einem alten Pentax- und einem alten Pentacon-Objektiv für etwa 75 Euro gebastelt hatte, wagte er sich nun an einen etwas extremeren Versuch.
Bild: maciekpp
Für seine neue Do-it-Yourself-Linse ist er erstmal ins Bad gegangen, oder vielleicht auch in den Baumarkt gefahren. Dort hat er sich dann einen Gummihandschuh und einen Duschkopf geschnappt. Alles in allem dürften sich die Materialkosten hier deutlich in Grenzen gehalten haben. Der Duschkopf musste dann dran glauben – maciekpp hat ihn zersägt, denn er brauchte nur das untere Teil.
Eine Frage des richtigen Duschkopfs
Bild: maciekpp
Zugegeben: Für Nachahmer düfte es nicht so leicht sein, so einen Duschkopf wie maciekpp ihn in seinen Bildern beschreibt, zu bekommen. Immerhin geht der Trend hier eindeutig hin zu riesenhaften, flachen Köpfen mit wohlklingenden Namen wie "Regenhimmel", "Tropic Summer Rain" oder "Tropischer Regenschauer" – nein damit wird das nix, ganz bestimmt nicht. Der Duschkopf, der hier gebraucht wird, ist vom Design her älteren Semesters.
Bei unsere nicht repräsentativen Kurzrecherche konnten wir zwei aktuelle Modelle ausmachen, die der hier benötigten Trichterform aber entsprechen könnten: die Jörger Kopfbrause 1/2'' sowie das Hudson Reed Kopfbrause Set. Ein intensiver Baummarktbesuch könnte aber schon mehr Auswahl zutage fördern. Bei den Gummihandschuhen hingegen dürfte es keine Beschaffungsschwierigkeiten geben – allerdings sollte das Gummi schon von der stabileren Sorte sein, empfiehlt der Künstler.
Fingerspitzengefühl – und nicht den Spiegel kaputt machen
Bild: maciekpp
Nachdem alle Teile besorgt waren, ging für maciekpp die eigentliche Bastelei los, denn nun folgte ein fast chirurgischer Eingriff an einem 50-mm-Objektiv. Maciekpp hat das Ding einmal komplett auseinandergebaut und vom Bajonett getrennt. Nun hat er den Duschkopf an die eigentliche Linse geklebt. In Form gehalten wird das ganze mit Teilen des Gummihandschuhs. Fingerspitzengefühl war gefragt, als er die Konstruktion an die Kamera brachte, schließlich sollte der Duschkopfeinsatz nicht den Spiegel ruinieren.
Maciekpp hat bereits Aufnahmen mit seiner Frankensteinlinse veröffentlicht. Weitere Fotos finden sich im Blog des Polen sowie in diesem YouTube-Video. Ob der Nachbau wirklich dauerhaft ein Ersatz für ein echtes Tilt-Shift-Objektiv sein kann, kann an dieser Stelle nicht bewertet werden. Vielleicht findet sich ja ein Leser, der es selbst ausprobiert und seine Erkenntnisse mit der heise-Foto-Redaktion teilt. Nachmachen erwünscht.
(ssi)



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International Edition 11/2013