Von dem, was der Hersteller an Megapixel-Zahl auf die Kamera druckt, kann man getrost ein Drittel abziehen, um auf eine "echte" Megapixel-Zahl mit randscharfen Bildpunkten zu kommen. Grund ist die bei fast allen neuzeitlichen Digitalkameras verwendete Farbfilter-Matrix (Bayer-Pattern), die den eigentlich farbenblinden Sensorzellen erst ein farbiges Sehen ermöglicht: Jedes Pixel einer Digitalkamera sieht nicht die schärferelevante Helligkeit, sondern nur den durch das Filter vorgegebenen Primärfarbanteil in rot, grün oder blau. Die Helligkeitsinformation gewinnt erst der Kamera-Prozessor in einem aufwendigen Interpolationsvorgang, der benachbarte Pixel grundsätzlich mit einbeziehen muss. Von dieser Problematik ausgenommen sind lediglich Kameras mit Foveon-Sensor, bei dem jedes einzelne Pixel das volle Farbspektrum wahrnehmen kann – hier kann sich der Kamera-Prozessor eine qualitätsmindernde Interpolation ersparen.
Bei der Helligkeits-Interpolation der Bayer-Filtermatrix müssen mehrere Pixel (helles Quadrat) zusammengefasst werden, wodurch Details verloren gehen.
Je nachdem, wie geschickt sich der Interpolationsalgorithmus anstellt, beträgt der "Visus" eines üblichen Digitalkamera-Sensors zwischen 0,7 und 0,9, wobei Spitzenwerte oft mit eigentümlichen Bildstörungen (Artefakte) einhergehen, verstärkt durch die meist vorhandene Nachschärfung seitens der Kamera-Firmware. So kann es beispielsweise sein, dass blaue Flächen im Motiv unruhige, "angefressene" Kanten aufweisen, grüne dagegen glatt umrandet erscheinen. Ein CCD-Visus von rund 0,7 lässt sich nur durch mindestens 30% mehr Pixel ausgleichen – mit dem oben erwähnten Auflösungs-Faktor von 1,5 liegt man also immer auf der sicheren Seite. Anders herum bedeutet dies, dass eine 6-Megapixel-Kamera nur rund 4 Millionen "echte", knackscharfe Pixel liefern kann (sofern nicht schon vorher das Objektiv der Auflösung Grenzen setzt).
Doch auch damit kann der Kunde eigentlich schon zufrieden sein: Betrachtet man das Bild vollflächig auf einem 20-zölligen Monitor, braucht man nicht mehr als 1600 × 1200 Bildpunkte, also knapp zwei Megapixel. Bei Ausbelichtungen auf Fotopapier sieht es etwas anders aus: Gängige Fotobelichter arbeiten mit 250 bis 300 ppi (Pixel per Inch), gleichbedeutend mit 100 bis 120 Pixel pro Zentimeter Kantenlänge. Für einen 10 × 15-Abzug benötigt man also nur 1000 × 1500 Pixel (1,5 Megapixel), mehr gibt das Belichtungsverfahren nicht her (und mehr ist bei einem Betrachtungsabstand von 36 cm wegen der begrenzten Auflösung des Auges auch gar nicht nötig). Ein ganzseitiger A4-Druck in bestmöglicher Auflösung benötigt drucktechnisch demzufolge nicht mehr als 6 "echte" Megapixel, äquivalent mit 7 bis 9 Kamera-Megapixeln.
Gegen 9-Megapixel-Kameras wäre im Prinzip nichts einzuwenden – wenn die Sensorfläche proportional mit der Pixelzahl steigen würde. Das tut sie aber nicht, denn jeder Quadratmillimeter mehr Sensorfläche kostet die Hersteller Geld: Lieber quetscht man werbewirksam immer mehr Pixel auf die gleiche (oder gar kleinere) Fläche. Da aber das Bildrauschen mit der Pixeldichte korreliert, steigt die Bildqualität oberhalb von 6 Megapixeln auf einem 1/1,8"-Sensor – wenn überhaupt – nur noch marginal. Das ist auch der Grund, warum anerkannte Fachleute 6 Megapixel als Optimum für die Kompaktkamera-Auflösung ansehen.
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