14.02.2012
Die Lochkamera ist eines der einfachsten optischen Systeme. Sie verzichtet auf jeglichen Schnickschnack, braucht keine teuren Linsen. Der dunkle Kasten kommt allein mit einem winzigen Loch in der Frontplatte und einer bildspeichernden Schicht aus. Das Prinzip dahinter ist schon seit Jahrhunderten bekannt, wegzudenken sind Urkameras aber auch aus der modernen Fotografie nicht.
Das obere Bild wurde mit einer herkömmlichen Kamera aufgenommen, die unteren mit einer Lochkamera.
Bild: Alexander Altmann
Die Bilder, die in einer Lochkamera entstehen, sind von vorn bis hinten gleichmäßig (leicht un-)scharf. Die Motive auf den Fotos wirken weicher, fast wie gemalt. Bewegungen zerfließen, werden wegen der langen Belichtungszeiten nahezu unsichtbar. Wer so Fotokunst machen will, der kann seine moderne Spiegelreflex- oder Systemkamera einfach zur Lochkamera umbauen: Objektiv ab, Kameradeckel drauf. Nun braucht der schwarze Kasten noch ein Loch und das kann einfach in den Kameradeckel gebohrt werden.
Bohren mit Feingefühl
Allerdings ist hier Feingefühl gefragt. Denn wer kein völlig unscharfes Bild will, muss das Loch klein genug und vor allem exakt ausarbeiten. Da sich solche winzigen Löcher besser in Metall bohren lassen, hilft es, ein dünnes Blech in den Kameradeckel einzufügen, in dem das eigentliche bildwirksame Loch sitzt.
Wie groß die Öffnung der Lochblende sein muss, hängt dabei von der Bildweite – also dem Abstand zwischen Sensor und Loch – ab. Für gängige Spiegelreflexkameras liegt die optimale Lochgröße zwischen 0,1 und 0,3 Millimetern. Wer größer bohrt, riskiert zu unscharfe Fotos. Entscheidend für gute Bilder sind aber auch die richtige Blende und Belichtungszeit. Erstere berechnet sich aus der Bildweite durch die Lochgröße. Die Belichtungszeit kann von wenigen Sekunden bis hin zu vielen Minuten reichen. Fotografen tasten sich am besten mit Probeaufnahmen an das Ideal heran.
Weitere Infos rund um Lochblenden haben wir im Heft c’t DigitaleFotografie (3/11) für Sie zusammengetragen. Hier erfahren Sie außerdem, wo Sie bereits fertige Lochblenden kaufen können und wann und wie die Lochkamera-Community ihren Ehrentag feiert.
(ssi)