Schärfentiefenskala an einem alten mechanischen Objektiv (FD 135 1:2,5 von Canon)
Früher, als man die Blende noch mit einem Ring am Objektiv selbst einstellte, waren die Stellwege viel größer – damit man die Entfernung schön fein justieren konnte. Dazu gab es dann eine "Schärfentiefenskala", die rechts und links vom Strich für die maximale Schärfe (im Bild orange, hier fast bei Unendlich) mehrere mit Blendenzahlen versehene Striche rechts und links hatte, an denen man den Entfernungsbereich ablesen konnte, in dem das Bild mit der betreffenden Blende "scharf" werden würde.
Heute richtet sich die Objektivmechanik leider nach den Bedürfnissen der Stellmotoren für den Autofokus: Alles muss möglichst leichtgängig sein und kurze Stellwege haben – für vernünftig ablesbare Skalen bleibt da kein Platz. Und so ist die Schärfentiefenskala auf heutigen Autofokus-Objektiven in der Regel nicht mehr vorhanden. Bei Spiegelreflexkameras gibt es aber meistens eine Taste, mit der die Blende auf den in der Kamera voreingestellten Wert geschlossen werden kann (Schärfentiefen-Prüftaste). Dann kann man im Sucher den Schärfebereich einigermaßen beurteilen – wobei das Bild allerdings dunkler wird. Prinzipiell ist das auch bei Bridgekameras möglich oder auf dem Display von Kameras mit Live-Preview. Ersatzweise kann man auch einfach ein Foto schießen und es auf dem Kameradisplay betrachten, allerdings ist die Auflösung und Größe des Bildes für eine zuverlässige Beurteilung zu klein. Im Zweifelsfalle sollte man einfach eine Blendenreihe im "verdächtigen Bereich" schießen – siehe unsere Beispielbilder der herbstlichen Blätter. Für Studiozwecke gibt es auch noch Formeln und interaktive Schärfentieferechner im Internet, hier der von Erik Krause mit vielen nützlichen Infos und Links.
Hier befindet sich an der digitalen Spiegelreflexkamera die Schärfentiefen-Prüftaste. Damit wird die Blende auf den vorgewählten Wert geschlossen und im Sucher der ungefähre Schärfentiefenbereich erkennbar.
Leider fällt bei den in der Amateurklasse verwendeten kleineren Formaten (APS-C oder DX) nicht nur der Sensor, sondern auch das Mattscheibenbild kleiner aus. Damit kann man schlechter per Augenschein und von Hand scharfstellen und die Schärfentiefe weniger gut beurteilen. Nun versuchen die Hersteller, durch Lupen das Bild zu vergrößern – das macht es dann aber dunkler! Im Gegenzug werden die Mattscheiben weniger matt, also durchsichtiger gemacht – das Bild wird zwar wieder heller, aber der definierte Übergang von Scharf zu Unscharf wird durch die geringere Streuung auch schlechter erkennbar.
Die Bezeichnung der Belichtungszeiten ist leicht verständlich – sie erfolgt in Bruchteilen einer Sekunde. Oft werden gewisse gerundete Grundwerte verwendet, wie 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000. Kurze Zeiten lassen weniger Licht auf den Film oder Sensor fallen, sie werden bei hellem Umgebungslicht verwendet, aber auch, um Bewegung einzufrieren (siehe nachfolgende Beispiele). Bei langen Belichtungszeiten können Bewegungen zu Wischeffekten führen oder zum gefürchteten "Verwackeln", wenn die Kamera in der Hand gehalten wird und nicht auf einem Stativ befestigt ist. Dann gilt die Grundregel: Verwacklungsfrei werden Aufnahmen, deren Belichtungszeit höchstens dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Also bei 50 mm 1/50 s oder 1/60 s, bei 135 mm 1/135 s – die Zeit gibt es nicht, also entweder – riskant – 1/125, oder 1/160 und kürzer. Allerdings ist bei dieser Faustregel noch der sogenannte "Verlängerungsfaktor" bei kleineren Aufnahmeformaten als Kleinbild zu beachten. Wenn man also an einer APS-C-Format-Kamera mit Faktor 1,6 (Canon) oder 1,5 (Nikon DX) mit einer Brennweite von 50 mm aus der freien Hand fotografiert, sollte die Belichtungszeit möglichst um oder unter 1/80 s liegen. Im Kopf addiert man einfach großzügig die Hälfte der Brennweite dazu – oder nimmt von der Doppelten (hier 100) die nächstkleinere einstellbare Drittelstufe als Grenzwert. Diese Faustregel gilt allerdings bei Kameras oder Objektiven mit Bildstabilisator so nicht mehr, da kann man dann zwischen zwei und vier Belichtungsstufen länger belichten – sprich, mit der doppelten bis vierfachen Zeit – also statt mit 1/100 noch mit 1/50, 1/25 oder gar 1/15 bei einer Brennweite von 100 mm (bzw. deren Äquivalent).
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