Die Foto-Industrie und freundliche Verkäufer argumentieren gern mit der "Ausschnittsvergößerung", die ja bei 12 und mehr Megapixeln kein Problem sein soll. Mit dem gleichen Argument wurden vor fünf Jahren schon die Käufer von 5-MP-Modellen geködert, die 3 oder 4 Megapixel als für ihren Einsatzzweck ausreichend erachteten. Nichts Neues also.
Tatsache ist: Theoretisch kann man die Diagonale des Bildausschnitts bei einer 12-MP-Kamera bei gleicher Ausschnitts-Auflösung um ein Drittel kleiner ansetzen als bei einer 6-MP-Kamera – kein umwerfender Gewinn, der zudem oft genug von dem stärkeren Rauschen der 12-MP-Sensoren zunichte gemacht wird. Starke Ausschnittsvergrößerungen sehen deshalb bei 6- bis 12-Megapixel-Kompaktkameras in etwa gleich bescheiden aus. Letztlich ist eine Ausschnittsvergrößerung nichts anderes als der zu Recht schlecht beleumundete "Digitalzoom". Dann lieber gleich eine Kamera mit entsprechendem Brennweitenbereich kaufen oder die Aufnahmeposition so wählen, dass man hinterher nichts ausschneiden muss.
Bei unseren Messungen an neuen Kompaktkamera-Modellen fällt schon bei 10-MP-Kameras auf, dass die Bildqualität (die ja mitnichten nur von der Auflösung bestimmt wird) stagniert oder sich gar wieder gegenüber älteren Modellen verschlechtert. Wer nun glaubt, im Laden einfach zu einer billigen 6-MP-Knipse greifen zu können, wird allerdings enttäuscht: Ernstzunehmende 6-MP-Kameras sind heute nicht mehr zu finden. Die am Markt befindlichen 6- und 7-MP-Digicams chinesischer Provenienz arbeiten allesamt mit winzigen bis winzigsten Sensoren (1/2,5", 1/3"), vernünftig dimensionierte (1/1,7"- und 1/1,8"-CCD) Markengeräte kursieren praktisch nur noch auf dem Gebrauchtmarkt.
Die Größen-Bezeichnung in Form eines Bruches (wie etwa 1/1,7 oder 1/2,5 Zoll) verweist übrigens auf die eigentümliche Rechnungsweise bei frühen Kamera-Bildaufnehmerröhren (Vidikons), deren Glas-Durchmesser in Zoll oder den im Angelsächsischen üblichen Zoll-Brüchen (fragen Sie mal Ihren Klempner nach der Größe des Eckventils unter Ihrem Waschbecken!) bemessen wurde. Konstruktionsbedingt tasteten Röhren von einem Zoll (25,4 mm) Durchmesser nur Bilder mit einer Diagonalen von rund 16 mm ab. Als Grundlage zur Bildkreisberechnung legten die Bildsensor-Hersteller einen Wert von 16,8 mm für den Ein-Zoll-Chip mit einem Seitenverhältnis von 4:3 fest, damit ergeben sich 22,5 mm für ein 4/3-Zoll-CCD oder 11 mm für einen 1/1,7-Zoll-Sensor. Hier die gängigen Digitalkamera-Sensoren im Größenvergleich: Die Kreise entsprechen der üblichen Größenangabe in Zoll, die inneren Rechtecke der jeweiligen tatsächlichen Sensorfläche in Originalgröße.
Ob das Rauschverhalten einer Kamera besser wird, wenn man die Aufnahme-Auflösung verringert (z.B. 6 statt 12 MP eingestellt), lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Interpoliert die Kamera nebeneinanderliegende Pixel, dann ja: Statistisch gesehen wird das Rauschen um den Faktor Wurzel(2) kleiner, wenn zwei Pixel zu einem zusammengefasst werden. Wenn die Kamera bei niedrigeren eingestellten Auflösungen einfach nur jedes nte Pixel nimmt und die "überzähligen" auslässt, ändert sich nichts.
Sensorgrößen im Vergleich: Je größer die Zahl unter (oder besser: rechts neben) dem Bruchstrich, desto kleiner der Sensor.
Bei Spiegelreflex- und Studiokameras gelten zum Glück andere Regeln: Hier ist die Sensorfläche um ein Vielfaches größer als bei Kompaktmodellen, so dass zumindest vom Rauschverhalten her 12 bis 14 oder bei Studiokameras 24 bis 40 Megapixel relativ unkritisch sind. Ob die verwendeten Objektive aber ebenfalls so hoch auflösen, steht auf einem anderen Blatt.