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Foto › Praxis › Kameras › Werbung und Wahnsinn: Wieviel Pixel braucht der Mensch?

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Randbedingung
Echte und bunte Pixel
Vergrößerungen

Kameras

04.06.2008

Carsten Meyer

Werbung und Wahnsinn: Wieviel Pixel braucht der Mensch?


Vergrößern

Dass ein Mehr an Pixeln nicht unbedingt ein deutliches Plus an Bildqualität bedeutet, wie es uns der unbeirrte Werbetenor der Kamera-Hersteller weismachen will, dürfte jedem klar sein, der von seiner alten 6-Megapixel-Kamera auf ein schickes neues 12-Megapixel-Modell wechselte. Doch wieviel Pixel braucht der Mensch nun eigentlich?

Lange galt die Auflösung als das entscheidende Kauf- und Qualitätskriterium einer digitalen Kompaktkamera. Inzwischen werden jedoch so viele Pixel auf die Sensoren gequetscht, dass sich selbst bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten unerwünschtes Bildrauschen einstellt und die Bildqualität sinkt, während die Datenmenge pro Foto unaufhörlich anwächst. Das beeinträchtigt nicht nur die Kamera-Performance, sondern auch den Komfort bei der Handhabung der Bilder.

Landläufige Meinung: Je größer das gedruckte Foto, desto mehr Pixel braucht man. Falsch! Für ein in optimalem Abstand betrachtetes Foto, egal ob es sich um ein Poster oder um ein Passbild handelt, werden nicht mehr als 6 Megapixel benötigt, damit es uneingeschränkt scharf wirkt. Schauen wir zum Untermauern dieser provokanten These einmal in die technischen Daten unseres Sehapparats: Das menschliche Auge kann Details differenzieren, die mehr als eine Winkelminute (etwa 0,017°) voneinander entfernt sind. Das heißt, in einem Meter Abstand erkennt ein normal Scharfsichtiger (Visus = 1, Sehkraft 100%) gerade noch einen Krümel von 0,3 mm Durchmesser (tan 0,017° × 1 m).

Gesichtsfeld des linken Auges: Nur innerhalb des kleinen gelben Kreises sehen wir wirklich scharf. Die Rot- und Blau-Empfindlichkeit endet außerhalb der gleichfarbigen Linien, der Blinde Fleck ist durch den schwarzen Kreis gekennzeichnet.
Gesichtsfeld des linken Auges: Nur innerhalb des kleinen gelben Kreises sehen wir wirklich scharf. Die Rot- und Blau-Empfindlichkeit endet außerhalb der gleichfarbigen Linien, der Blinde Fleck ist durch den schwarzen Kreis gekennzeichnet. Quelle:Wikipedia Vergrößern

Das Auge als Maßstab?

Der normale Visus ist altersabhängig und liegt bei einem 20-jährigen Menschen bei 1,0 bis 1,6, bei einem 80-jährigen bei 0,6 bis 1,0. Er wird übrigens nur im Bereich der Sehgrube ("Gelber Fleck") mit der höchsten Dichte an Rezeptoren erreicht, schon 5° außerhalb dieser Achse nimmt er rapide auf Werte unter 0,5 ab. Sie können sich leicht davon überzeugen, indem Sie das nebenstehende Bild fixieren und versuchen, hier weiter zu lesen – das klappt nicht. Dass unser aller Auge eigentlich ein "Flaschenboden" mit extrem starkem Randabfall ist, stört uns nur deshalb nicht, weil es dort, wo wir gerade hingucken, ja immer scharf ist.

Mit einem (schon recht hoch gegriffenen) durchschnittlichen Visus von 0,5 über das gesamte Gesichtsfeld (etwa 180° in der Horizontalen und 100° in der Vertikalen) können wir Ihnen hier eine ungefähre Megapixel-Angabe für Ihre Klüsen liefern: maximal 15 Megapixel, durch das abgerundete Gesichtsfeld (siehe Bild) eher weniger. Die Gesamtauflösung des Auges ist in einer Betrachtung über die optimale Kamera-Auflösung freilich nebensächlich, da man sich ein Foto selten halb um den Kopf wickelt.

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