News-Meldung vom 01.12.2012 08:00
Ausprobiert: Nikon D600
Nikon positioniert die D600 als Top-Modell im Consumer-Bereich, will sie aber Medienberichten zufolge trotzdem nicht in Konkurrenz zur D7000 sehen. Vielmehr soll sie eine Art "Prosumer"-Kamera sein, die die Lücke zwischen Consumer- und Profi-Segment füllen und den Einstieg in die "Vollformat"-Klasse ebnen soll – sowohl preislich als auch in punkto Features.
Die Kamera
Die D600 besitzt einen eingebauten Blitz
Bild: Nikon
So kommt die D600 wie die D7000 einerseits mit eingebautem Kamerablitz und einsteigerfreundlichen 19 Motivprogrammen (Landschaft, Strand/Schnee, Sonnenuntergang, ... wählbar z.B. über das Daumenrad und LiveView). Andererseits arbeiten in der D600 sowohl der gleiche Bildprozessor "Expeed 3", der auch in Nikons Top-Modell D4 steckt, als auch ein CMOS-Sensor im FX-, also Kleinbildformat (35,9 mm × 24 mm). Seine Auflösung beträgt 24,3 Megapixel. Wer möchte, kann aber auch in einen 10,5-MPixel-Crop-Modus umschalten (Brennweitenverlängerung = 1,5x). Dann liefert die Kamera nur die Bilddaten des DX-formatigen Innenbereichs des Sensors (23,6 mm × 15,6 mm). Damit können Fotografen auch Objektive einsetzen, die nicht für das Kleinbildformat gerechnet wurden – etwa das 2,8er Fisheye-Nikkor 10,5 mm.
Mit der D7000 gemein hat die D600 das mit 39, 21 oder 9 Messfeldern bestückte AF-Modul Multi-CAM 4800, ebenso wie den Belichtungsmesser mit automatischer Gesichtserkennung. Dabei hält die D600 ihre Serienbildrate trotz deutlich höherer Auflösung fast auf D7000-Niveau und schießt gemäß Datenblatt immerhin 5,5 Bildern pro Sekunde – das aber natürlich nicht für ewig. In der Aufnahmebetriebsart CH ("Serienaufnahme schnell", Manuellfokus) war der Puffer nach rund 15 Bildern voll (FX-Modus, RAW + JPEG fine), dann sank die Bildrate deutlich – je nach Schnelligkeit der eingesetzten Speicherkarte. Für die allermeisten "Prosumer" dürfte das trotzdem voll ausreichen.
Top-Ansicht der Nikon D600
Bild: Nikon
Außerdem stellt die Kamera den während des Speicherns sukzessiv frei werdenden Puffer gleich wieder zur Verfügung – auch wenn der Gesamtvorgang noch nicht beendet ist. Man kann also weiter fotografieren (was nicht selbstverständlich ist) – aber eben nur solange, bis der Puffer wieder voll ist. Je schneller die Karte dabei "wegschreibt", desto besser: Nachdem der Puffer voll war, konnten wir mit einer 32-GByte-ExtremePro von SanDisk, die nach Herstellerangabe 95 MByte/Sekunde schreibt, mit etwas mehr als einem Bild pro Sekunde weiterfotografieren.
Bedienung
Wer von der D7000 oder der D800 auf die D600 umsteigt, wird sich schnell zurechtfinden: Obwohl die D600 etwas schwerer und größer ist, als die D7000 (siehe Bild), liegt sie ähnlich gut in der Hand, viele Menüpunkte sind zudem identisch – allerdings nicht alle: Im Aufnahmemenü hinzugekommen ist etwa ein HDR-Modus (bietet automatische oder manuelle Belichtungsdifferenz bis zu drei Blendenstufen), eine Vignettierungskorrektur ("Stark", "Normal", "Moderat", "Aus") und die Möglichkeit, Zeitraffer-Videos zu drehen. Wie die D7000 graut auch die D600 aktuell nicht verfügbare Menüpunkte aus und gibt einen entsprechenden Hinweis – leider immer noch ohne zu verraten, welcher Einstellungskonflikt dies bewirkt hat.
Links die Nikon D7000, rechts die D600
Unterschiede gibt es auch bei der Anordnung der Bedienelemente: Auf der linken Seite des D600-Displays findet sich unterhalb des Menü-Buttons etwa eine Funktionstaste für die kamerainterne Bildbearbeitung, außerdem wurden die Plus- und Minus-Taste vertauscht – warum auch immer. Die rechte Seite ähnelt dagegen der der D800: Gegenüber der D7000 ist etwa der LiveView-Umschalter von rechts oben nach unten gewandert. Parallelen gibt es auch beim Display: Es ist genauso groß wie das der D800 (und damit etwas größer als das der D7000), ist fest verbaut und löst ebenfalls rund 921.000 Bildpunkte auf.
D600 mit Nikon 24-70mm, f2.8 – f/8, 1/250s, ISO 100, Freihand
Der LiveView-Modus ähnelt dagegen dem der D7000 – leider: Denn auch die D600 zeigt immer das Bild, das aus den Einstellung resultiert, bevor(!) sie in den LiveView-Modus gestellt wurde. Ändert man also während des LiveView-Modus beispielsweise die Blende (was möglich ist), hat dies keine Auswirkungen auf den LiveView. Damit das Display ein entspechendes Bild anzeigt, muss man erst den LiveView-Modus verlassen, die Einstellungen verändern und anschließend wieder zurückschalten.
Bildqualität
Die Bildqualität der D600 ist wie zu erwarten ausgezeichnet und lässt wenig Wünsche offen. Hier zunächst einige Beispielfotos, gemacht mit einem Nikon AF-S VR Micro Nikkor 105 mm 1:2.8 ED.
Hier weitere Testaufnahmen mit dem Nikon AF-S 24-70mm f2,8G ED (FX):
Last not least, einige Beispielbilder, aufgenommen mit dem Kit-Objektiv AF-S VR 24-85mm 3.5-4.5G ED. Das Bundle zusammen mit der D600 kostet derzeit rund 2070 Euro:
Auflösung: Bei den Labormessungen erreicht die D600 bei ISO 100 eine Kantenschärfe von knapp 1790 Linienpaaren pro Bildhöhe – das sind rund 89 Prozent des theoretisch machbaren (gemessen mit einem Nikon AF-S 2,8/105). Zum Vergleich: Aufgrund der höheren Auflösung des Sensors schafft die D800 mit der gleichen Optik zwar 2150 Linienpaare pro Bildhöhe, kommt damit aber auch "nur" auf vergleichbare 90 Prozent des Maximalwerts. Werte anderer Kameras sind:
- Canon 5D Mark III, Canon EF 2,5, 50 mm: 1750 Linienpaare/Bildhöhe, knapp 90 Prozent bei ISO 100
- Nikon D4, Nikon AF-S 2,8, 105 mm: 1450 Linienpaare/Bildhöhe, knapp 90 Prozent bei ISO 100.
ISO-Vergleich D7000 vs. D600 (100%-Ausschnitte), f8, Nikon AF-S 105 mm/f2.8
Erhöht man den ISO-Wert, nimmt die Auflösung um rund 55 Linienpaare pro Empfindlichkeitsstufe ab: So erreicht die D600 bei ISO 6400 beispielsweise noch rund 1520 Linienpaare pro Bildhöhe, also 75 Prozent. Die Messwerte der D800 liegen hier bei bei 70 Prozent.
- Canon 5D Mark III, Canon EF 2,5, 50 mm: 1580 Linienpaare/Bildhöhe, rund 80 Prozent bei ISO 6400
- Nikon D4, Nikon AF-S 2,8, 105 mm: 1330 Linienpaare/Bildhöhe, rund 80 Prozent bei ISO 6400.
Rauschen: Bei ISO 100 erreicht die D600 einen hervorragenden Visual-Noise-Wert (VN) von 0,7 (kleiner = besser). Er nimmt bis ISO 6400 um jeweils rund 0,35 fast linear zu und liegt dort bei einem immer noch sehr guten Wert von 2,5. Erst bei den Hi1- und Hi2-Empfindlichkeiten nimmt das Rauschen sichtbar zu – ein Blick auf die ISO-Reihe bestätigt die Messwerte. Interessant ist, dass sich die D800 – zumindest von den Messwerten her – geringfügig schlechter präsentiert. Bei ISO 100 kommt sie auf einen VN1-Wert von 0,8, bei ISO 6400 auf 3,1.
Andere Vergleichswerte sind:
- Canon 5D Mark III, Canon EF 2,5, 50 mm: ISO 100: VN1 = 0,7, ISO 6400: VN1 = 2,2
- Nikon D4, Nikon AF-S 2,8, 105 mm: ISO 100: VN1 = 1, ISO 6400: VN1 = 2,3
Mehr Bilder, die laut Exif-Daten mit der D600 geschossen wurden, finden Sie in unserer Kameradatenbank.
Fazit
Keine Frage: Die D600 liefert hervorragende Bildergebnisse und ist ein würdiges Einstiegsmodell in die "Vollformat"-Liga. Man darf gespannt sein, wie überzeugend Canons 6D-Konter ausfällt. Schade, dass sich die Kamera beim LiveView eine offene Flanke gönnt. Wer den intensiv nutzen möchte, sollte überlegen, ob eine D800 nicht die bessere Wahl ist. Der Aufpreis beträgt lediglich rund 600 Euro – Tendenz fallend: Mittlerweile geht ein D600-Gehäuse für knapp 1700 Euro über die Ladentheke, ein D800-Gehäuse wird momentan für unter 2300 Euro gehandelt.
Sehr viel deutlicher fällt übrigens der Preissprung zur D7000 aus: Die Consumer-DSLR mit dem kleineren DX-Sensor kostet derzeit nur rund 730 Euro Straßenpreis – also fast 1000 Euro weniger.
(keh)









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International Edition 11/2013