News-Meldung vom 24.11.2012 07:00
Hands-on: Android-Kamera Nikon S800c
Die Nikon S800c ist die erste Android-Kamera von Nikon, die Kamerafunktionen selbst spielen in der Liga ener günstigen Kompakten.
Bild: Nikon
Die Nikon S800c ist eine Exotin. Sie gehört zu den ersten Kameras am Markt mit dem Smartphone-Betriebssystem Android. Via Wlan verbindet sich die Kompakte mit dem Internet und kann so über den Google-Play-Store alle möglichen verfügbaren Apps herunterladen. Wer also nicht knipsen will, der kann mit der S800c auch spielen, E-Mails abrufen oder einfach nur zum Zeitvertreib surfen.
Die Kamera. So untypisch ihr Betriebssystem für eine Kamera ist, so typisch sind allerdings ihre technischen Daten für eine Kompaktkamera: Im Inneren der S800c arbeitet ein 1/2,3"-CMOS-Sensor mit einer Auflösung von üppigen 16 Megapixeln. Dazu gibt es einen zehnfachen optischen Zoom mit einer Anfangsblende von f/3.2 im Weitwinkel und von f/5.8 im Telebereich. Insgesamt deckt Nikon hier ein KB-Brennweitenspektrum von 25 mm bis 250 mm ab. Ein Digitalzoom erweitert die Brennweite auf bis zu 1000 mm. Manuelle Freiheiten sind stark eingeschränkt – die S800c richtet sich ans schnelle Knipsen. Das ist angesichts des UVPs von knapp 400 Euro (Straßenpreis aktuell: etwas über 300 Euro) verwunderlich. Was Sensorauflösung und Objektivspezifikationen angeht, kommt die S800c einer S6300 nahe, die mittlerweile in einigen Online-Shops für knapp 120 Euro zu haben ist. Alle weiteren technischen Daten der Kompakten finden Sie in unserer Kameradatenbank.
Eine elegante Rückseite: Lediglich drei Knöpfe können bedient werden, ihre Beschriftung ähnelt der von Smartphones und unterstreicht den Hybrid-Anspruch der S800c.
Bild: Nikon
Auf den ersten Blick. Optisch macht die Kamera einen wertigen Eindruck, obwohl Plastik dominiert. Die Verarbeitung ist solide. Hier gibt es grundsätzlich nichts zu meckern, für den Preis von 400 Euro kann man teilweise aber schon ein solides Metallgehäuse erwarten. Das Leichtgewicht liegt gut in der Hand, die wenigen Knöpfe, die angesichts der Touchbedienung übrig geblieben sind, sind bequem erreichbar, die Beschriftung gut ablesbar. Der Touchscreen reagiert flüssig und präzise, das 3,5-Zoll-OLED-Display mit einer Auflösung von 819.000 Bildpunkten ist angenehm kontrastreich. Positiv fällt auch der große Betrachtungswinkel auf.
Android-Umsetzung. In der S800c arbeitet Android 2.3. Die relativ alte Version mit dem Namen "Gingerbread" gibt es bereits seit Ende 2010 – eine Ewigkeit in der Branche – und hat mehrere Nachfolger am Markt. Allerdings hat Nikon bei der Umsetzung saubere Arbeit geleistet.
Smartphone-Benutzer finden sich auf der Android-Oberfläche sofort zurecht.
Bild: Nikon
Die Anbindung an den Google-Play-Store und der Download von Apps funktioniert problemlos. Die Leistung der S800c geht prinzipiell für die meisten Apps okay. Unsere Android-Experten haben Benchmarks ermittelt und kamen bei Quadrant auf 1270 Punkte und bei Browsermark 2 auf 1220 Punkte. Das entspricht etwa – zumindest für Quadrant – dem Niveau des Nexus One, dem Android Flaggschiff von 2010. Bei anspruchsvolleren Anwendungen wie zum Beispiel Spielen kommt die S800s an ihre Grenzen, was sie mit Rucklern quittiert. So lief beispielsweise das gut an die Kamera gebundene Instagram flüssig, Angry Birds hingegen strapazierte die S800c deutlich.
Insgesamt fällt auf, dass Nikon Smartphone- und Kamerasystem eher strikt von einander trennt. Eine bessere Verknüpfung wäre hier wünschenswert. So könnte beispielsweise der Wippschalter zum Zoomen in Android integriert werden – möglicherweise als Lautstärkeregler. Sinnvoll wäre es auch, wenn man die Kamera im Smartphone-Betrieb mit Druck auf den Auslöser aktivieren könnte. Zudem saugt Android – ohne, dass viele Fotografen es mitbekommen werden – ordentlich Akku-Leistung. Schaltet die Kamera ab, bleibt die Google-Software im Standby – zu erkennen am blickenden Ein-/Aus-Schalter. Problematisch ist dabei, dass die Akku-Leistung der S800c schwach und die Füllstandsanzeige eher unzuverlässich ist.
Kamerabedienung. Über den Android-typischen Homescreen gelangt man in die Aufnahmefunktion. Via Touch wird auch hier navigiert, da der S800c nahezu alle Tasten fehlen. Das Menü ist sehr übersichtlich gestaltet und hat wenig mit einer Smartphone-Oberfläche gemein. Fotografen haben die Auswahl zwischen einer Einfachautomatik und der herkömmlichen Automatik. Modi für mehr kreativen Spielraum fehlen. Dafür gibt es noch Motivprogramme für Porträts, Gegenlichtsituationen und Panoramen sowie Effekte wie Sepia oder Weichzeichnung. Bei einigen Motivprogrammen, kann man durch Schieberegler am Touchscreen zudem noch die Intensität der Effekte bestimmen.
Besonders praktisch ist die Touch-Navigation im Wiedergabe-Modus, denn hier können Ausschnitte – wie vom Smartphone gewohnt – mit einfacher Geste vergrößert oder die Indexansicht aufgerufen werden. Wünschenswert wäre der "Touch-Zoom" auch in der Aufnahmefunktion.Dort kann man per "Tatsch" immerhin Motive auswählen, die Motivverfolgung anleiern und eben auslösen. Dabei sollte man stets ein Reinigungstuch dabei haben, dennn sonst sieht das Display schnell speckig aus.
Vor dem Firmware-Update 1.1. Etwas ärgerlich war, dass sich die Kamera im Laufe des Tests immer wieder aufgehängt hat. Dann war zwar noch das Smartphone-System ansteuerbar, die Aufnahme funktionierte allerdings nicht mehr und auch der ON-/OFF-Schalter quittierte seinen Dienst. Einzige Option: Akku rausnehmen, Kaltstart (dann braucht Android allerdings eine ganze Weile zum Booten).
Bildkritik. An der c’t-Testszene gibt die S800c eine eher bescheidene Vorstellung. Bei ISO 125 ist der Bildeindruck insgesamt gut, die Aufnahmen wirken hier am kontrastreichsten. Auffällig ist aber, dass bereits bei der kleinsten ISO-Stufe Details sowie Strukturen leicht verwaschen und Farben wenig brillant wirken. An den Bildrändern sind außerdem Farbsäume erkennbar. Bis ISO 400 produziert die S800c noch brauchbare Bilder. Das ist auch die Grenze für den Druck. ISO 800 geht gerade noch so für die bildschirmfüllende Darstellung in Ordnung, Strukturen sind aber hier schon nicht mehr klar erkennbar. Gerade Naturmaterialien machen der Kamera zu schaffen. ISO 1600 und ISO 3200 sind quasi unbrauchbar. Das Rauschverhalten der S800c startet zwar auf mittlerem Niveau, mit jeder Stufe wird es aber deutlich körniger.
Auch die Schärfeleistung der Kamera nimmt mit zunehmender Sensorempfindlichkeit spürbar ab. Bei ISO 125 erreicht die S800c im Weitwinkel noch eine zentrale Auflösung von knapp 86 Prozent. Im Telebereich liegt sie deutlich darunter. Bei ISO 3200 dürfen Fotografen nur noch mit etwa der Hälfte der maximal möglichen Auflösung rechnen. Grundsätzlich ist ein Abfall der Schärfeleistung hin zu den Ecken wahrnehmbar: Im Telebereich ist er allerdings nicht so stark wie im Weitwinkel.
Die Außenaufnahmen decken sich mit den Eindrücken, die wir im Labor sammeln konnten. Die Fotos wirkten teilweise weich und flau. In der Bilderstrecke zeigen wir die verschiedenen Effekte der S800c. Den besten, weil kontrastreichsten, Eindruck machen Monochrom und Low-Key.
Fazit. Es ist dem Kamerahersteller Nikon hoch anzurechnen, dass er einer der ersten mit einer Hybrid-Kamera am Markt war – obwohl der Smartphone-Hintergrund wie beispielsweise beim Konkurrenten Samsung fehlt. Klar ist eine solche Kamera für alle genial, die von unterwegs Fotos teilen wollen – mit dem sozialen Netzwerk oder auch dem Arbeitgeber. Ob die Umsetzung der S800c aber wirklich das schwächelnde Kompaktsegment wieder nach vorne bringen kann, bleibt abzuwarten. Die S800c leistet sich als Kamera zu viele Schwächen. Die Bildqualität spielt nicht in der 400-Euro-Preisklasse, sondern liegt lediglich auf Niveau einer günstigen Kompakten. Keine Patzer hat sich Nikon hingegen bei der Umsetzung von Android geleistet. Das Google-Betriebssystem hinterlässt einen positiven Eindruck – auch wenn die Leistung der S800c eher auf aktuellem Einsteiger-Niveau liegt.
Für kommende Generationen wäre eine bessere Kamera sowie ihre volle Einbindung in die Android-Umgebung wünschenswert. Bisher schlagen in der S800c zwei Herzen mit wenigen Schnittpunkten. Alles in allem ist die S800c für das, was sie bietet, aber zu teuer.
(ssi)






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