News-Meldung vom 27.12.2012 08:00
Hands-on: Olympus E-PL5
Die E-PL5 ist Olympus' Mittelklasse-Modell unter den spiegellosen Systemkameras - sie überfordert Kompaktknipser nicht, will aber auch ambitionierte Fotografen nicht langweilen.
Bild: Olympus
Olympus platziert seine E-PL5 zwischen der äußerst kompakten Pen mini (E-PM2) und der derzeit noch größten Pen, der E-P3. Die E-PL5 gehört zu den spiegellosen Systemkameras der Mittelklasse, die sich deutlich von herkömmlichen Kompaktkameras absetzen und auf dem Level von Einsteiger-Spiegelreflexkameras liegen. Zu haben ist die E-PL5 im Kit aktuell für knapp 700 Euro.
Ausstattung. Die E-PL5 ist mit dem Live-MOS-Sensor ausgestattet, den Olympus auch in seinem spiegellosen Flaggschiff OM-D E-M5 einsetzt. Damit kommt die neue Pen nun auf eine Auflösung von 16 Megapixeln. Auch ihr Autofokus-System ähnelt dem der OM-D. Diese überzeugt mit einem präzisen und sehr schnellen 35-Punkt-Kontrast-Autofokus. Im Weitwinkel, bei 1000 Lux, liegt ihre Auslöseverzögerung bei nur 0,2 Sekunden. Damit erreicht sie das Niveau von semiprofessionellen Spiegelreflexkameras wie der 5D Mark III. Die E-PL5 ist nun ähnlich schnell. Im Labor konnten wir eine Auslöseverzögerung (1000 Lux, Weitwinkel, mit Kit-Objektiv) von etwas mehr als 0,2 Sekunden ermitteln. Dass spiegellose Systemkameras also an einem lahmen Autofokus kranken, widerlegt Olympus auch mit seiner neuen Pen.
Der Monitor der E-PL5 ist schwenkbar, allerdings nicht frei drehbar.
Bild: Olympus
Wie ihre Vorgängerin bietet auch die E-PL5 einen schwenkbaren Monitor. So viele Freiheiten wie beispielsweise Panasonics Lumix G5 lässt sie ihren Fotografen allerdings nicht. Das Display schiebt sich maximal nach hinten, nach oben oder nach unten. Dafür wirkt die Halterung sehr stabil. Nicht mehr zeitgemäß ist die Auflösung des 3-Zoll-TFTs mit 460.000 Bildpunkten. Auch hier ist das direkte Konkurrenzmodell von Panasonic, die G5, voraus.
Zwar bietet die E-PL5 einen Touchscreen, doch der ist überflüssig und nicht sinnvoll in die Kamerasteuerung integriert. Fokuspunkt setzen, Touch-Auslösung, Parameter im Live-Guide ändern – das geht. Tief ins Kameramenü einsteigen – Fehlanzeige. Für ein besseres Display würden wir diese Touch-Funktion gerne aufgeben.
Ein Sucher fehlt der E-PL5. Dieser kann nur nachgekauft werden und schlägt dann – je nach Ausstattung – mit mehr als 100 Euro zu Buche. Immerhin bietet die Pen eine Fokuslupe, die gewünschte Bildausschnitte im Live-View vergrößert.
Dem Kit liegt das M.Zuiko 14-42 mm f/3.5-5.6 II R bei. Das Standard-Zoomobjektiv liefert keine überragenden dafür aber solide Ergebnisse, wie auch ein Test in der aktuellen Ausgabe der c’t Digitale Fotografie (1/13) zeigt. Gerade Umsteiger von Kompaktkameras bekommen hier für die erste Zeit eine Linsenkonstruktion, die viele Aufnahmesituationen abdeckt und nicht zu stark hinter der Leistung der Kamera zurück bleibt.
Alle technischen Daten zur Olympus E-PL5 finden Sie in unserer Produktdatenbank. Dort können Sie auch einzelne Kameramodelle miteinander vergleichen.
Haptik und Handhabung. Olympus hat seine E-PL5 ergonomischer gemacht. Hatte die Vorgängerin noch ein glattes, eher rutschiges Gehäuse, liegt die E-PL5 nun wieder besser in der Hand – besonders dank des (abnehmbaren) Gummigriffs an der Vorderseite. Auch der Daumen findet auf der Rückseite ein rutschfestes Plätzchen.
Die Rücklseite der E-PL5 ist übersichtlich gestaltet, Tasten sinnvoll angeordnet und gut ablesbar.
Bild: Olympus
Die Bedienelemente sind gut erreichbar, übersichtlich angeordnet und nicht so fummelig klein wie beispielsweise bei der OM-D. Sinnvoll räumlich von einander getrennt liegen die Tasten für Aufnahme (rechts) und Wiedergabe (links).
Positiv ist außerdem, dass der Fotograf sehr stark in die Einstellungen und Tastenbelegungen der Kamera eingreifen und sie so nahezu frei den eigenen Bedürfnissen anpassen kann.
Die E-PL5 lässt sich Olympus-typisch sehr intuitiv bedienen. Über das obere Wahlrad navigiert der Fotograf zwischen den Aufnahmemodi: Neben einer Einfachautomatik stehen auch Programmautomatik sowie Blenden- und Verschlusspriorität zur Verfügung. Außerdem gibt es einen manuellen Modus für mehr kreativen Spielraum. Zusätzlich können Nutzer aus 23 Motivprogrammen und 12 Effektfiltern wählen. Letztere zeigt unsere Bilderstrecke – aufgenommen mit dem Kit-Objektiv.
Bildkritik. Die bloßen Messwerte der E-PL5 offenbaren Verblüffendes und zeigen, wie angepasst aktuelle Kameras an Messverfahren im Labor sein müssen. Bei ISO 200 löst sie in der Bildmitte über 90 Prozent des theoretisch Möglichen auf. Von den maximal 1728 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) schafft sie hier also knapp 1600 Lp/Bh. Zu den Ecken hin gibt es kaum einen sichtbaren Abfall.
Bis ISO 3200 hält die E-PL5 diese sehr guten Werte. Selbst bei ISO 6400 spuckt die Messsoftware noch eine zentrale Auflösung von 1420 LP/Bh (82 Prozent) aus. Im Randbereich fällt die Auflösung bereits ab ISO 800 unter 80 Prozent und nimmt danach stärker ab.
Die Übersicht zeigt - von lnks nach rechts - die ISO-Stufen 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400, 12.800 und 25.600. Oben sehen Sie die ISO-Reihe der E-PL5, unten zum Vergleich die ISO-Reihe der OM-D E-M5. Beide Kamera haben den gleichen 16-Megapixel-Sensor.
Beim Rauschen serviert die E-PL5 gewöhnliche Hausmannkost. Die E-PL5 erreicht bei ISO 200 einen Visual-Noise-Wert von 1,5, ab ISO 800 steigt er auf über 2. Ab ISO 6400 liegt der Visual Noise deutlich über 3. Das Rauschen ist dann nicht mehr zu übersehen und stört.
Unsere Fotos einer ISO-Reihe spiegeln diese Messwerte wider. Bis ISO 800 überzeugen die Bilder durch einen ordentlichen Detailkontrast. Strukturen wirken klar und präzise aufgelöst. Der Graukeil zeigt noch erkennbare Abstufungen. Ab ISO 1600 erscheinen einige Strukturen und Muster langsam weicher, Details verschwimmen leicht, erste Kanten fransen aus. Im Grau rauscht es wahrnehmbar. Bis ISO 6400 gibt sich die Pen aber keine Blöße, das ist auch die Grenze für die bildschirmfüllende Darstellung. Danach fällt die Leistung der Kamera allerdings überdeutlich ab.
Als wir die Fotos der ISO-Reihe ausgewertet haben, ist uns aufgefallen. dass schwarze Linien auf weißem Hintergrund stets scharf bleiben – auch, wenn um sie herum bereits alles "zusammenfließt". Scheinbar schärft die interne Bildbearbeitung hier ordentlich nach. Irrwitzig wird das spätestens ab ISO 12800, das zwar einstellbar ist, aber keine brauchbaren Fotos liefert.
Fazit. Mit der E-PL5 bringt Olympus ein zeitgemäßes Update seiner Pen-Serie auf den Markt. Große Patzer erlaubte sich die Kamera im Labor nicht – hier machte sie teilweise eine außerordentlich gute Figur. Ein Blick auf die tatsächlichen Bildergebnisse relativiert die Messergebnisse ein wenig und zeigt: Die interne Bildbearbeitung schärft sehr selektiv nach. Das kann den Gesamtbildeindruck allerdings eher stören – gerade dann, wenn man eine moderatere Bearbeitung beispielsweise von guten Spiegelreflexkameras gewöhnt ist.
Die Ausstattung der E-PL5 ist üppig und hält sogar das ein oder andere Highlight bereit wie beispielsweise die Live-Bulb-Funktion. Außerdem lässt sich die Pen äußerst intuitiv bedienen und hilft Foto-Neulingen mit Automatiken und Live-Guide. Das macht sie ideal für alle Umsteiger von Kompaktkameras. Wer den Sucher vermisst, sollte sich beim Micro-Four-Thirds-Partner Panasonic umschauen. Deren G5 liegt in etwa auf dem Preisniveau der E-PL5.
(ssi)






Bild des Tages von
International Edition 11/2013