News-Meldung vom 18.01.2013 09:14
Steve McCurry-Ausstellung in Wolfsburg
Afghanisches Mädchen. Peshawar, Pakistan. 1984.
Bild: © Steve McCurry / Magnum Photos
Die grünen Augen des "Afghanischen Mädchens" vergisst man nicht. 1985 nahm der amerikanische Fotograf Steve McCurry die zwölfjährige Afghanin in ihrem zerschlissenen roten Gewand in einem Flüchtlingslager in Pakistan auf. Das Porträt ging damals um die ganze Welt. "Jeder kennt das Gesicht, es ist eine Ikone der Fotogeschichte geworden", sagt Markus Brüderlin. Der Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg stellte am Donnerstag die Ausstellung "Steve McCurry – Im Fluss der Zeit – Fotografien aus Asien 1980-2011" vor. Von Samstag bis zum 16. Juni zeigt das Museum in Niedersachsen eine Werkschau mit 115 Bildern McCurrys, der als einer der meistgefragtesten Dokumentarfotografen der Welt gilt.
"Ich wollte mein ganzes Leben lang reisen", erzählte der 1950 in Philadelphia geborene McCurry am Donnerstag. Neun Monate eines Jahres sei er auf Reisen – und das seit 30 Jahren. Meist ist Asien sein Ziel, oft Krisengebiete.
Doch nicht das spektakuläre, laute Kriegsbild ist sein Metier. In seinem Fokus stehen die Menschen, die den Alltag des Krieges erleben müssen: Junge Opfer von Landminen, das Blut noch am Hemd blicken sie traurig in seine Kamera. Afghanische Soldaten mit Maschinengewehren, deren Augen eher fragend als aggressiv schauen. Ein junger Straßenverkäufer, der ein ausgebranntes Auto mit Schusslöchern als Warenstand für seine Apfelsinen nutzt. Kinder, die in Beirut auf einem Kanonenrohr spielen. Sehr beeindruckend auch seine Fotos von brennenden Ölfeldern mit Leichen, Panzern und Kamelen in Kuwait 1991.
Goldener Fels. Shwe Pye Daw, ein heiliger Platz. Kyaiktiyo, Burma. 1994.
Bild: © Steve McCurry / Magnum Photos
Ein anderes Thema von McCurry ist der Wandel Asiens im Zeichen der Globalisierung, der oft eine Verwestlichung bedeutet. Eine traditionell geschminkte und gekleidet Geisha steigt etwa die Treppe einer U-Bahn in Japan hoch oder fünf in bunten Burkas gekleidete Frauen stehen beim Einkauf unter westlichen Turnschuhen.
Ein indischer Schneider, der nach einem Monsunregen durch eine überflutete Straße geht. Nur sein Kopf schaut noch aus dem Wasser, auf der Schulter trägt er seine Existenzgrundlage: eine alte Pfaff-Nähmaschine. Und trotz der bedrohlichen Situation lächelt der alte Mann. "Ich mag die Geschichten, die die Gesichter erzählen", sagt McCurry. Derzeit arbeite er an einem Buch, das die Geschichten hinter den Bildern erzählen soll. McCurry sieht sich auch in der Tradition von Henri Cartier-Bresson und den anderen Gründern der berühmten Fotoagentur Magnum, deren Mitglied er seit 1986 ist.
"McCurry definiert sich von der Dokumentarfotografie her", erläutert Museumsdirektor Brüderlin. McCurry inszeniere nicht, er finde seine Motive. Doch schon früh habe er sich einen kreativen Freiraum geschaffen – ohne seinen Anspruch auf eine möglichst realistische Darstellung aufzugeben. Seine Fotografien bewegten sich im Spannungsfeld zwischen Ethik und Ästhetik. Eine Kunstmuseum sei schon deshalb der richtige Ort für McCurrys Fotografien.
- Kunstmuseum: Hollerplatz 1 D, 38440 Wolfsburg
- Das Museum ist Mittwochs bis Sonntags von 11 bis 18 Uhr und Dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.
Bild des Tages von
International Edition 11/2013