Im Rahmen der photokia präsentiert die Visual Gallery Glanzstücke weltweit anerkannter Fotografen und Arbeiten preisgekrönter Nachwuchskünstler. Bereits zum fünften Mal läuft die Veranstaltung in Halle 1 parallel zur Messe. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist vom Dienstag bis Sonntag geöffnet. Wer keine photokina-Eintrittskarte hat, sollte den Eingang der Halle 1 benutzen.
Neben bekannten Fotografen stellt die Visual Gallery erneut auch dem Nachwuchs ein Forum zur Verfügung. Zum zweiten Mal etwa sind die Gewinner des Canon Profifoto Förderpreises zu sehen. Hier werden keine fertigen Arbeiten ausgezeichnet, sondern Fotografie-Projekte, die erst noch umgesetzt beziehungsweise erweitert oder beendet werden sollen. 20 Projekte umfasst die Ausstellung, insgesamt hatten 2000 Bewerber rund 12.000 Arbeitsproben eingereicht.
Für die Sony World Photography Awards wurden aus 148 Ländern insgesamt 82.000 Fotos eingereicht, die Ausstellung wird nach Köln auch in Shanghai, San Francisco, São Paulo und London zu sehen sein. Sie bietet Einblicke in die Trends der zeitgenössischen Fotografie und zeigt, wie lebendig und einflussreich die Fotografie als Ausdrucksform derzeit ist. Praktisch alle Richtungen sind vertreten, von packendem Fotojournalismus bis hin zu experimenteller Fotokunst.
Mit den Hasselblad Masters kommt eine der renommiertesten Fotografen-Auszeichnungen der Welt nach Köln. Die Visual Gallery zeigt die Arbeiten der zehn Preisträger, die aus über 3000 Teilnehmern ausgwählt wurden. Dabei sind auch Nina Berman und Stephan Zirwes, die bereits mit Einzelausstellungen der Visual Gallery verteten waren.
Aus verschiedenen Kölner Archiven stammen die Fotos, die unter dem Motto "Schätze der Stadt" zu sehen sind. Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln zeigte sich, dass die in den Archiven lagernden Schätze nur wenig im Bewusstsein der Menschen präsent sind – deshalb stellen nun das Rheinische Bildarchiv, das Fotoarchiv der Industrie- und Handelskammer zu Köln, das Kölnische Stadtmuseum und die Theaterwissenschaftliche Sammlung Teile ihrer Sammlungen aus der photokina aus.
Aus den 50er Jahren stammen Bilder des holländischen Fotografen Ed van der Elsken. Damals hingen seine Bilder unter anderem im Museum of Modern Art in New York, dem Art Institute of Chicago oder der Bibliothèque Nationale de France in Paris. Die Visual Gallery 2010 zeigt Aufnahmen seiner einprägsamen Bildgeschichte "Love on the Left Bank", in der er ein Liebespaar über Monate hindurch mit dem Objektiv begleitete und so eine ebenso harte wie auch zarte Liebesgeschichte im Arbeiterviertel St. Germain de Prés festhielt. Mit dem daraus entstandenen Fotobuch nutze er damals als erster das Format eines Fotoromans; es gilt noch heute als eines der außergewöhnlichsten Fotobücher des 20. Jahrhunderts.
Der Fotograf Jim Rakete ist älteren Leser wahrscheinlich aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle bekannt. Damals fotografierte er nicht nur die Künstler dieser Zeit, er gestaltete auch die LP-Cover von Nena, Nina Hagen & Co. Auf der photokina gewährt er den Besuchern einen ersten Blick auf sein aktuelles Projekt "Stand der Dinge. Porträts für das neue Filmmuseum". Rakete fotografierte bereits rund 40 Legenden und Talente des deutschen und internationalen Kinos - darunter Hannah Schygulla, Til Schweiger, Klaus Maria Brandauer, Roland Emmerich und Hardy Krüger. Auf den Fotografien sind die Porträtierten mit persönlichen wie filmgeschichtlichen Gegenständen zu sehen. Im Frühsommer 2011 soll die Porträtserie komplett sein, sie wird dann zur Eröffnung des "neuen" Deutschen Filmmuseums in Frankfurt am Main zu sehen sein.
Der frisch gekürte Dr.-Erich-Salomon-Preisträger Michael von Graffenried stellt auf der Visual Gallery neun Themenkreise seines umfangreichen Werks vor. Seine großformatigen Arbeiten – häufig vergrößert er sie bis auf 125 cm × 288 cm – präsentieren sich dem Betrachter auf Augenhöhe und ermöglichen ihm so eine direkte Einbeziehung in das Bildgeschehen. In der "Outing" benannten Ausstellung finden sich sich unter anderem Werke der Serie "Cocainelove", für die er über zwei Jahre ein drogenabhängiges Paar auf der Straße begleitete.
Die Zwillinge Gisela Getty und Jutta Winkelmann nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die 70er und 80er Jahre: In der Ausstellung "Analoge Bohéme / The Twins" sind Bilder einer weiblichen, auch erotischen Selbstentdeckung zu sehen; eine Bilderrevue der modernen Ahninnen der heutigen, suchenden Mädchen-Generation, die sich wieder neu erfinden will.
Die Kinderehen in Afghanistan, Nepal und Äthiopien hat sich die amerikanische Fotojournalistin Stephanie Sinclair zum Thema gemacht. Die zwischen 2003 und 2007 entstandenen Aufnahmen machen auf die Problematik aufmerksam, dass viele junge Mädchen teilweise gegen ihren Willen mit sehr viel älteren Männern verheiratet werden. Vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sind Kinderehen verbreitet, hier wird Heirat noch immer als wirtschaftliche Transaktion gesehen, die nichts mit den Wünschen der Verlobten zu tun hat.
Im Rahmen der jährlich veranstalteten Kölner Musiknacht werden in diesem Jahr vier Konzerte in den Ausstellungsräumen der Visual Gallery stattfinden. Am Messe-Samstag, dem 25 9., spielen hier ab 18 Uhr das Ensemble Priamos, das Carte Blanche Quintet, Stephan Mattner & Syntax sowie Nastja und die Orloves. Die Musiknacht steht in diesem Jahr unter dem Motto "Alte Musik in historischer Aufführungspraxis". Insgesamt zeigen mehr als 400 Musiker bei etwa 100 Konzerten an 25 Spielorten ihr Können; der Eintrittspreis für alle Konzerte beträgt 15 Euro. Ein Kombi-Ticket ist für 24 Euro erhältlich, es berechtigt zum Zugang zum Messegelände am Samstag oder Sonntag.
(ll)