Während die Hersteller lange an der Mär "Viele Pixel helfen viel" festhielten, zeichnet sich dieses Jahr ein neuer Trend ab. Statt an der Auflösung weiterzuschrauben haben einige Firmen und deren Entwicklungsabteilungen ihr Augenmerk auf die Verbesserung der Autofokuseigenschaften gelegt.
Auf den Sensoren der Fuji-Modelle mit Hybrid-AF sind einige Pixelpaare zur Bestimmung der Entfernung untergebracht. Dabei sieht jedes Pixel eines Paares das Licht aus einer anderen Richtung.
Bekanntlich ist der in Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommende Phasenautofokus, der die Schärfe über die Entfernungsbestimmung ermittelt, um ein vielfaches schneller als der in Kompaktkameras eingesetzte Kontrastautofokus. Daher hat Fujifilm jetzt zum Beispiel einen Hybrid-Autofokus entwickelt und in den zwei neuen Kompaktmodellen F300EXR und Z800EXR verbaut. Die Idee ist zwar nicht neu – schon Ricoh hat spezielle AF-Sensoren in digitalen Kompakten verbaut – jedoch liegen die Schärfesensoren diesmal auf dem Bildchip selbst. Der Hersteller nutzt in den beiden Modellen einige Pixel-Paare des 1/2'' großen "Super CCD EXR" statt für die Bildaufnahme für die Entfernungsbestimmung. Dadurch soll eine Fokusgeschwindigkeit von nur 0,16 Sekunden erreicht werden – allerdings entscheidet die Kamera automatisch wann welche Fokusmethode zum Einsatz kommt.
Der Aufbau der neuen SLT-Modelle – durch die starre Spiegelkonstruktion fällt permanent Licht auf den AF- und den Bildsensor.
Auch Sonys Neuentwicklung im "Spiegelreflexbereich" zielt auf eine Erhöhung der Fokusgeschwindigkeit ab. Bei den beiden SLT-Modellen α55V (das V gibt an, dass die Kamera mit GPS-Modul ausgestattet ist) und α33 klappt der teildurchlässige Spiegel für die Aufnahme nicht hoch. Der spezielle AF-Sensor liegt statt wie bei klassischen SLRs im Bodenbereich an der Oberseite und kann auch während des Filmens jederzeit die Schärfe nachführen – der Bildsensor muss allerdings mit weniger Licht auskommen. Laut Hersteller gehen durch den Spiegel rund 30 Prozent des einfallenden Signales verloren, was aber durch ausgefeilte Sensortechnik und Algorithmen ausgeglichen werden soll.
Des Weiteren gehören HD-Videos zum guten Ton – kaum eine Kamera kommt ohne die Möglichkeit hochauflösende Bewegtbilder aufzunehmen auf den Markt. Wie bei der IFA, die vom 03.09 - 8.9.2010 in Berlin stattfand, hält aber auch bei Still-Kameras 3D-Fotografie den Einzug. Nachdem Fuji schon auf der letzten photokina eine 3D-taugliche Kompaktkamera vorgestellt hatte, präsentiert der Hersteller dieses Jahr die Nachfolgerin mit größerem Display und verbesserter Funktionalität.
Während Fuji das Problem klassisch mit zwei Objektiven und Sensoren löst, bedient sich Sony bei seinen NEX-Modellen und einigen hochwertigen Kompakten eines anderen Kniffs. Die im Schwenkpanorama aufgenommenen Fotos enthalten durch die leichte Veränderung der Kameraposition immer eine Ansicht des gleichen Objekts aus unterschiedlichen Winkeln, die von der Firmware zu einem Bild mit dreidimensionalem Eindruck zusammengebastelt wird. Allerdings braucht es zur Ansicht ebendieser eines speziellen Wiedergabegerätes und einer Shutter-Brille.
Nicht neu, aber groß im Kommen sind Mehraufnahmetechniken, bei denen unterschiedliche viele Bilder für ein Foto gemacht werden. So kann unter anderem der Dynamikumfang erhöht werden oder ein künstlicher, unscharfer Hintergrund dem Bild zugefügt werden. Bei aller Gewieftheit der Entwickler ist bei all diesen Methoden weiterhin ein relativ statisches Motiv von Nöten.
(rst)