Vernetztes und Spiegelloses
Sophia Sieber – 04.09.2012 15:25
Android, große Sensoren und Kleinbildformat: Die wichtigsten Trends der Photokina im Überblick.
Bildstark, vernetzt, lichtstark: Die Photokina ist das Trendbarometer der Fotobranche. So stark wie nie zuvor zeichnet sich ab, dass Kameras einen großen Schritt in Richtung Smartphone machen.
WLAN und Android
Kaum ein Trend wird die Photokina in diesem Jahr so beherrschen wie Mobile Imaging. Smartphones setzen den Kompaktmarkt unter Druck und zwingen die Hersteller so zu Innovation. Sie reagieren mit Hybrid-Kameras, auf denen man E-Mails versenden, in die Cloud speichern, Fotos direkt zu Facebook laden und Apps nutzen kann.
Die S800c von Nikon läuft mit dem Smartphone-Betriebssystem Android und kann via WLAN Apps aus dem Google-Play-Store herunterladen.
Den größten Schritt in Richtung Smartphone machen Nikon und Samsung. Sie statten Kompaktkameras mit dem Google-Betriebssystem Android aus. Die Nikon Coolpix S800c setzt auf die ältere Version 2.3, die Galaxy Camera auf das aktuelle 4.1. Nikon verspricht beispielsweise, dass die Knipse so auch schon mal zum Spielen zweckentfremdet werden kann. Telefonieren wird allerdings mit beiden Android-Kameras nicht möglich sein.
Sony geht einen Zwischenweg und bietet die NEX-5R als erste Kamera der NEX-Reihe mit WLAN an. Dazu stellt der Hersteller Apps über den hauseigenen Cloud-Dienst „PlayMemories“ bereit. Damit niemand diesen Trend verpasst, wird es auf der Photokina in Halle 5.2 eine eigene Aktionsfläche zum Thema „Mobile Imaging“ geben.
Kompakte mit großem Sensor
Ein weiterer Trend der Messe sind Kompaktkameras mit großem Bildsensor und lichtstarken Objektiven. Diese Geräte setzen voll und ganz auf Bildqualität und grenzen sich als Edelkompakte deutlich von Smartphones, Tablets und der günstigen Grabbeltischware ab. Mit Preisen ab 500 Euro liegen sie zudem auf dem Niveau von Einsteiger-Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras.
Sensoren im Größenvergleich: 1. Kleinbild (36mm x 24 mm), 5. NikonCX (13,2 mm x 8,8 mm), 7. 1:1,72“ (7,5 mm x 5,5 mm), 8. 1:2,32“ (5,6 mm x 4,2 mm)
Sony packt in seine Edelkompakte RX100 beispielsweise einen Sensor im Nikon-CX-Format – er ist mehr als viermal so groß wie ein herkömmlicher 1:2,3-Zoll-Sensor, den man normalerweise in diesem Segment antreffen würde. Panasonic und Samsung verbauen 1:1,7-Zoll-Chips, die sich auch in den größeren Bridgekameras finden. Gemein ist den Geräten dieser Preisklasse auch eine hohe maximale Blendenöffnung zwischen f/1.4 und f/1.8. Mit vielen manuellen Einstellmöglichkeiten richten sie sich gezielt an ambitionierte Fotografen, die eine leichte, kompakte Alternative zur Kamera mit Wechseloptik suchen.
Systemkameras
Zu den Stars der diesjährigen Photokina gehören erneut auch die spiegellosen Systemkameras. Nahezu jeder Hersteller wird hier ein neues Flaggschiff präsentieren.
Die NEX-5R ist die erste Kamera der NEX-Reihe mit WLAN-Funktionen.
Von Sony wird eine neue NEX-6 mit WLAN erwartet, die die Lücke zwischen der Mittelklasse-NEX-5 und der großen NEX-7 schließen soll. Olympus wird voraussichtlich eine Pro-Version seiner OM-D herausbringen, Panasonic die GH3 vorstellen und Nikon die Nikon 1 V2 nachlegen. Mit Canon ist nun auch der letzte große Hersteller in das Segment eingestiegen. Experten erwarten deshalb einen weiteren Schub für dieses junge Kamerasegment.
Gefährlich werden könnten die spiegellosen Systemkameras besonders den Einsteiger-Spiegelreflexkameras, denn sie sind leichter und kompakter, bieten aber mittlerweile eine ebenbürtige Ausstattung. Auch die Auswahl an Objektiven wird langsam, aber sicher, konkurrenzfähig. Neben lichtstarken Festbrennweiten gibt es nun auch Zooms mit einer hohen maximalen Blendenöffnung. Sigma, Tokina und Schneider-Kreuznach haben längst Objektive für die Spiegellosen im Angebot oder zumindest angekündigt.
Kleinbild für Jedermann
Die Gerüchteseiten schäumen gerade über vor lauter Meldungen über Spiegelreflexkameras mit Kleinbild-Sensor im Einsteigerbereich.
Von Nikon wird beispielsweise eine D600 erwartet, die einen 24-Megapixel-Chip haben und unter 1200 Euro kosten soll. Erste Fotos der Kamera kursieren bereits im Internet. Canon soll als Konkurrenzmodell dazu eine günstige EOS 6D mit dem Sensor der 5D Mark III vorstellen. Und auch das exotische Mittelformat könnte auf der Photokina Zuwachs bekommen. So wird Leica angeblich eine S3 präsentieren, die mit einem neuentwickelten CMOS-Sensor ausgestattet ist.
Zur Photokina könnte Sony seine SLT-Technologie zudem in den Profi-Bereich heben. Die Hinweise auf eine SLT-A99 sind mittlerweile sehr konkret. Sie soll einen 24-Megapixel-Sensor haben und mit über 2500 Euro preislich auf dem Niveau der 5D Mark III oder D800 liegen.
(ssi)