Git-Pull-Requests kommen im Umfeld von Projekten zum Einsatz, die zur Quellcodeverwaltung auf Git setzen. Es handelt sich um Mails, in denen Programmierer "A" den Programmierer "B" darum bittet, die von "A" in einem Git-Tree gesammelten Änderungen in den von "B" verwalteten Code zu integrieren; "B" muss dazu git auf seinem System anweisen, die Änderungen aus dem zumeist auf einem öffentlichen Internet-Server liegenden Git-Tree von "A" zu ziehen ("git pull").
Insbesondere bei der Kernel-Entwicklung kommen Git-Pull-Request sehr oft zum Einsatz. In der Regel sammelt der Verwalter (Maintainer) eines Subsystems alle für den Hauptentwicklungszweig von Linux vorgesehenen Änderungen des jeweiligen Subsystems in einem öffentlich zugänglichen Git-Tree. Wenn die Patches gut genug für eine Aufnahme sind, bittet der Subsystem-Verwalter Linus Torvalds über einen in Kopie meist an die LKML (Linux-Kernel Mailing List) gesandten "Git-Pull Request", die gesammelten Änderungen in den Hauptentwicklungszweig von Linux einzupflegen. Auf diese Weise lässt sich die Entwicklungsarbeit von Linux gut auf viele Programmierer verteilen, Torvalds behält aber das letzte Wort und kann Änderungen, die ihm nicht gefallen, zurückweisen.
Gerade im Umfeld der Kernel-Entwicklung enthalten die Git-Pull-Requests neben der URL zum Git-Tree in der Regel auch einen Diffstat und eine Liste der zur Aufnahme vorgesehenen und im Git-Tree enthaltenen Patches. Häufig gibt der Subsystem-Maintainer am Anfang der Mail sogar eine kurze Zusammenfassung der Änderungen, hebt die wichtigsten hervor oder erklärt die manchmal alles andere als offensichtlichen Zusammenhänge zwischen den Patches.
Da die Git-Pull-Requests so häufig einen knappen, aber guten Überblick über die Änderungen eines Subsystems geben, verlinkt insbesondere das Kernel-Log auf heise open häufig auf die Mails, sofern Torvalds die Änderungen denn auch tatsächlich abgerufen hat. Gelegentlich werden Änderungen aber später wieder zurückgezogen oder Torvalds spart einzelne Patches beim Einpflegen des Git-Trees aus, weil sie seinen Qualitätsansprüchen nicht genügen; man sollte daher im Zweifel über das Web-Interface des von Torvalds verwalteten Git-Trees prüfen, ob er die zur Aufnahme vorgeschlagenen Änderung auch tatsächlich eingepflegt hat.
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