Neue Treiber- und Linux-Versionen sind in der Regel über die von uns normalerweise verlinkten Homepages des jeweiligen Projekts erhältlich. Für den Linux-Kernel sind das etwa die in Amerika und Europa stationierten Server der Domain Kernel.org; deren Inhalte spiegeln zahlreiche deutsche Mirror-Server, die neue Linux-Versionen meist bereits wenige Stunden nach deren Freigabe zum Download bereithalten.
Als einfacher Linux-Anwender sollte man neue Treiber- und Kernel-Versionen aber nicht bei den Projekten herunterladen und eigenhändig installieren sondern auf den Linux-Distributor vertrauen.
Nur wer einen triftigen Grund hat, sollte sich an die eigenhändige Installation von Linux-Kerneln oder -Treiber wagen. Selbst wenn es einen solchen gibt, sollte man den Aufwand und die möglichen Konsequenzen nicht unterschätzen, seine eigenen Linux-Kenntnisse dabei auch nicht überschätzen. Userland- und Kernel-Treiber oder den Linux-Kernel eigenhändig zu konfigurieren, zu kompilieren und zu installieren gelingt zwar noch mit etwas Geduld und Spucke; aber die Pflege ist zeit- und arbeitsintensiv: Ab jetzt muss man die Projekte selbst im Auge halten, um gegebenenfalls kurzfristig sicherheitsrelevante Korrekturen einzuspielen. Diese Aufgabe übernimmt sonst der Linux-Distributor.
Auch sollte man die Nebeneffekte durch die manuelle Installation nicht unterschätzen. Wenn man die Installationsprogramme von Kernel und Treibern nicht in die Schranken weist, überschreiben oder verändern sie schnell von der Paketverwaltung der Linux-Distribution gemanagte Dateien – ein Sicherheitskorrektur des Distributors oder ein Update auf eine spätere Version der Distribution überschreibt diese Dateien dann unter Umständen Tage, Wochen oder Monate später erneut. So entsteht leicht ein Kuddelmuddel, in dem nichts mehr so arbeitet, wie es soll.
Als wäre das noch nicht kompliziert genug enthalten die Kernel und Treiber-Pakete der Distributionen häufig zusätzliche Treiber oder Funktionserweiterungen, die den offiziellen Versionen von Kernel, X.org, Gutenprint, Sane und Co. fehlen, aber für das Zusammenspiel mit anderen Teilen der Distribution überaus wichtig sind. Zudem erfordern insbesondere neue Kernel-Versionen häufig neue Versionen von Udev, Hal und andere Software, damit alles korrekt funktioniert. So manche Linux-Installation läuft daher mit einem selbst kompilierten Kernel oder eigenhändig eingespielten Treibern nicht so rund wie gewohnt oder es fehlen einige mehr oder weniger wichtige Funktionen; das macht sich dann meist früher oder später durch anscheinend unerklärliche Fehler bemerkbar.
Vielen dieser Schwierigkeiten geht man mit auf die Distribution abgestimmten Paketen aus dem Weg. Bei einigen Distributionen reicht da ein wenig Geduld; Fedora etwa liefert neue Kernel- und Treiber-Versionen häufig als reguläres Update für aktuelle Distributionsversionen aus. Viele andere Distributoren nehmen neue Treiber- und Kernel-Versionen allerdings nur in den Entwicklerzweig auf, aus dem die nächste Version der Distribution hervorgeht. Wer sich ein wenig mit der Handhabung und der Erstellung von RPM- oder DEB-Paketen auseinandersetzt, kann mit etwas Mühe diese Binär- oder Source-Pakete aus dem Entwicklerzweig auch in ältere Versionen einer Distribution integrieren. Für größere Distributionen gibt es zudem teilweise "Backport"-Depots, die neuere Treiber für ältere Distributionen vorhalten. Ähnlich verhält es sich bei den proprietäre Treiber für AMD oder Nvidia, die häufig vom Distributor unabhängige RPM- oder DEB-Depots ("3rd-Party Repositories") als vorkompilierte Pakete anbieten, die sich ordentlich in die Distribution integrieren – nur meist dauert es einige Tage, bis sich neue Treiber-Versionen dort materialisieren.
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