Als Microsoft Windows CE vorstellte, gab es noch keine Spielarten dieses 32-Bit-Betriebssystems. Bald entwickelte Microsoft zwei verschiedene Abarten, die entweder für rein Touchscreen-basierte Modelle (Palm Size PC, später in Pocket PC umbenannt) oder kleine Tastatur-Geräte (Handheld PC) gedacht waren. Pocket PC kam in drei verschiedenen Versionen heraus für die Prozessoren mit Namen MIPS, ARM und SH3. Die Vielfalt führte dazu, dass lange Zeit Windows-CE-Geräte verschiedener Hersteller meist nicht kompatibel zueinander waren.
Dies verwirrte Nutzer wie Software-Entwickler, weshalb lange Zeit das Programmangebot für PDAs mit Microsoft-PDAs vergleichsweise kümmerlich war. Mittlerweile hat Microsoft weitestgehend Schluss mit dem Verwirrspiel gemacht: Handheld PC ließ man sterben; Pocket PC überlebte, allerdings nur für ARM-Prozessoren und unter Umbenennung in Windows Mobile 2003. Zwar kann sich das Software-Angebot noch nicht mit dem von Palm OS messen, wächst seitdem aber stetig.
Als eigenständiges Betriebssystem hat Windows CE nur in speziell entwickelten Geräten für Firmenkunden einen Platz gefunden. Doch auch heute noch denken viele, Windows CE entspräche Pocket PC und umgekehrt. Richtig ist aber, dass Windows CE ein Teil von Pocket PC ist. Der andere besteht aus der grafischen Benutzeroberfläche (GUI), die genau auf Touchscreen-Geräte zugeschnitten ist. Programme für Windows CE laufen meist nicht auf Pocket PCs und umgekehrt.
Die aktuelle Pocket-PC-Version, die Microsoft nun nur noch Windows Mobile 2003 Second Edition nennt, nutzt als Kern Windows CE .NET 4.2. Pocket PC ist ein Multitasking-System, das Ressourcen wie mit Löffeln frisst. Beim Kauf eines Pocket PCs empfiehlt es sich, nicht bei Prozessorleistung und Speicher zu knausern, will man einen flüssigen Betrieb der täglichen Arbeit mit dem PDA garantieren. 64 MByte Speicher und 400-MHz-Prozessor sollten es schon sein. Die Bildschirmauflösung legt Microsoft auf 240 x 320 Pixel fest, mehr verwaltet Pocket PC zurzeit nicht.
Alles, was die Hardware-Hersteller bei anderen PDA-Systemen in Eigenarbeit dazu programmieren müssen, ist hier inklusive. Jedem Pocket PC liegen Applikationen für Termine, Adressen, MP3, Video, E-Book, Office, Bilder, E-Mail (POP3 und IMAP4), Datei-Management, Chat und Entertainment bereits bei. Zur Texteingabe bietet das System neben dem Softkeyboard drei Möglichkeiten: Einen Erkenner für natürlich geschriebene Zeichen; die schon von Palm OS bekannte Graffiti-Zeichenerkennung und eine fließende Handschrifterkennung mit Namen "Transcriber", die allerdings sprachabhängig arbeitet. Somit erkennt die deutsche Version des Transcribers keine englischen Wörter.
Dadurch, dass fast alles beigegeben wird, sehen die meisten Hersteller keinen Anlass, die Systemsoftware durch eigene Erweiterungen zu bereichern. Deshalb gleichen sich Pocket PCs verschiedener Hersteller im Softwareumfang oft wie ein Ei dem anderen. Meist beschränkt sich die Zusatz-Software auf Backup-Tools oder einen Task-Manager.
Die beigelegte Programmverwaltung des Systems ist umständlich zu bedienen und zudem schwer zu erreichen. Das vom PC-Windows bekannte Schließsymbol beendet bei Pocket PC Programme nicht, sondern verschiebt sie nur in den Hintergrund. Nach einiger Zeit beschert dies dem unerfahrenen Nutzer viele Wartesekunden oder im schlimmsten Fall -minuten. Erst mit dem Speicher-Kontrollfeld, das sich in den Systemeinstellungen versteckt, wirft man Programme aus der Task-Liste.
Auch bei anderen Pocket-PC-Applikationen besteht noch Sanierungsbedarf: So verstümmeln die PDA-Office-Anwendungen Pocket Word und Pocket Excel PC-Office-Dateien ohne Vorwarnung. Tabellen, Grafiken und Formatierungen gehen verloren. Die PIM-Anwendungen erscheinen vergleichsweise unübersichtlich und der Optionen-Dschungel hält unnötig auf. Gleichfalls unübersichtlich gestalten sich die globalen Einstellungen. Einige Hersteller haben hier schon Hand angelegt und die Systemsteuerung von Microsoft weitestgehend ersetzt.
Trotz dieser Mängel glänzt Pocket PC mit Multimedia-Features, Flexibilität und einer Oberfläche, bei der sich Windows-Nutzer zu Hause fühlen. Ein weiterer Vorteil für Software-Entwickler: Mit dem Microsoft Visual .NET Studio ist es möglich, seine PC-Software auch gleichzeitig fit für Pocket PCs zu machen, sodass man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.
Ende 2005 erschien der Nachfolger von Windows Mobile 2003 unter dem Namen Windows Mobile 5.0.
In heise mobil sind Artikel zu Windows Mobile 2003 Second Edition verfügbar:
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