1. Januar 2013 22:24

Re: CRI und Flackern

B.I.G schrieb am 1. Januar 2013 21:15

> Onkel Wanja schrieb am 31. Dezember 2012 17:07

> > Und genau darauf läuft es hinaus: Licht in der Wohnung muss nicht
> > zwingend tageslichtähnlich sein

> Soll es in den meisten fällen auch gar nicht da man dann Probleme mit
> dem Schlaf bekommt.

Auch das nicht notwendigerweise. Zum einen ist der melatoninrelevante
Anteil im Spektrum bei 6500 K nur ca. 2-3x so hoch wie bei 2700 K
(gleichen Lux-Wert vorausgesetzt), zum anderen gibt es bekanntlich
Eulen- und Lerchentypen; die Eulentypen scheinen gegenüber Tageslicht
einen sehr resistenten Schlaf zu haben.

Und was nützt einem melatoninfreundliches Licht, wenn es alles in
eine trübgelbe Trauerstimmung taucht?

Was den CRI angeht: Ich habe selbst mal mehrfach drauf geachtet;
meiner Einschätzung nach macht selbst ein R9-Wert von 10-20
(entspricht etwa einer 840-ESL) nur im Direktvergleich einen deutlich
sichtbaren Unterschied bei satten Rot aus. Und auch eine theoretische
Analyse (mit Standard-Fluoreszenz-Illuminant FL11 bzw. FL3.8 = 4000
K, Ra=82) liefert für Testfarbe 9 (sattes Rot) die RGB-Werte 188 054
054, während sich für das Referenz-Illuminent (Planck 4000 K) 197 039
049 (jeweils sRGB). Das ist ein Unterschied, der zwar im Vergleich
deutlich sichtbar ist, ohne Referenz aber nicht allzu sehr ins Auge
springt (ok, einem geschulten Auge vielleicht schon). Die
Farbverzerrung durch zu niedrige Farbtemperatur (schon 2700 K
überfordert den Weißabgleich des Gehirns) ist da deutlich größer,
wird aber offenbar nicht als allzu unangenehm empfungen, da die
meisten Menschen rotlastige Farbtöne offenbar attraktiv finden.

Übrigens sind die relativen Farbfehler (d.h. nach erfolgtem
Weißabgleich, wie er bei der CRI-Berechnung verwendet wird) bei ESL
bei <3000 K noch größer als bei 4000 K. Das liegt daran, dass die
Defizite bei fernen Rottönen (>650 nm) hier einfach stärker ins
Gewicht fallen. Bei 4000 K ist der Rotanteil eh etwas kleiner, so
dass Fehler dort nicht ganz so auffallen. Aus dem gleichen Grund sind
LEDs hoher Farbtemperatur problematisch, da dort das Loch im Türkis
besonders tief ist. Daher eignen sich ESL eher für neutral- bis
tageslichtweiße Farben, LEDs eher für 4000 K und weniger.

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