Magnetscheiben-Anhänger
Schmuck aus Festplattenteilen als Kulturzeugnis
Was wäre, wenn Archäologen einer fernen Zukunft in den Hinterlassenschaften vorangegangener Zeiten Reste von IT-Equipment des 21. Jahrhunderts fänden, die nur zu deutlich nahelegen, dass die betreffenden Objekte einer nachindustriellen Kultur offenbar als Körperschmuck gedient haben?
Zutaten
- Magnetscheiben aus defekten Festplatten
- versilberter Kupferdraht
Beschreibung
Angeregt vom Besuch einer Wanderausstellung über die Himmelsscheibe von Nebra und durch Ethno-Spielzeug aus recycelten Industrieprodukten ließ der Projektautor seine Fantasie schweifen: Er stellte sich eine künftige postindustrielle Kultur vor, die nach dem Zusammenbruch der Zivilisation des 21. Jahrhunderts deren Schrott aufsammelt und zweckentfremdet. Aus Magnetscheiben von Festplatten, die wegen ihrer spiegelnden Oberflächen hübsch anzusehen sind, werden beispielsweise Schmuckstücke – ähnlich wie heute in Afrika geschickte Hände aus Konservendosen Spielzeug und Schmuck fertigen. In einer noch späteren Zeit finden dann Archäologen wiederum die Reste dieser Bastlerkultur in Form von Grabbeigaben, rätseln über deren Herkunft und Funktion – und stellen ihre Fundstücke aus.
So kommen schließlich die Magnetscheiben einer ausgedienten Festplatte im Rahmen einer wissenschaftlichen Präsentation zu spätem Ruhm. Ein Bild der Ausgrabungsstätte trägt dann etwa den Kommentar: "Weibliches Skelett mit Schmuck der nordeuropäischen Industrial-Debris-Kultur in situ. Der Schmuck könnte entweder mit (nicht nachweisbarem) Leder- bzw. Textilband um den Hals getragen oder an der Kleidung befestigt worden sein. Fundort: Gebiet der ehemaligen Stadt Hamburg. Datierung: frühes 23. Jh."
Das Objekt, ungefähr 10 cm im Durchmesser groß und einen halben Zentimeter stark, wiegt nur 30 Gramm. Die folgende Erläuterung begleitet eine Großaufnahme: "Schmuckstück der nordeuropäischen Industrial-Debris-Kultur nach Restaurierung. Material: Aluminium (beschichtet) und versilberter Kupferdraht. Vermutlich Teile von elektromechanischen Datenträgern (sog. Festplatten, aus Abfallhalden bzw. Ruinen der ehemaligen Stadt Hamburg, die im 21. Jh. aufgegeben wurde). Diese Schmuckstücke wurden von Frauen angefertigt. Aufwendigere Exemplare sind auch in skandinavischen Gräbern gefunden worden, sie wurden vermutlich gegen Nahrung eingetauscht. In der Nähe des Gräberfeldes wurde eine temporäre Siedlung ausgegraben, die mehrere Abfallhaufen mit Fragmenten solcher Metallscheiben und einen vergrabenen Hort mit über 50 unbearbeiteten Exemplaren enthielt."









