
Am Ende zweier turbulenter Tage konnte die Unix-AG der Universität Kaiserslautern stolz eine Rekordbilanz präsentieren: etwa 5000 bis 7000 Besucher fanden am 26. und 27. Juni den Weg auf den Campus der Universität - was im Vergleich zum Vorjahr (etwa 1500 Besucher) einem Zuwachs von 233 bis 366 Prozent entspricht. Genauere Angaben, so Tagungsleiter Oliver Zendel, seien nicht möglich, da die Besucher freien Zutritt gehabt hätten und eine genaue Erfassung logistisch nicht zu leisten gewesen wäre. Schließlich bestünden sowohl das Organisationsteam als auch sämtliche Helfer aus Freiwilligen, die ehrenamtlich zum Gelingen des LinuxTags beigetragen hätten.
Mit 30 Fachvorträgen, 20 Firmenpräsentationen und 55 Ausstellern hat der diesjährige LinuxTag seine Position als größte Linux-Anwendermesse Europas unter Beweis gestellt. Letzlich sorgte Platzmangel dafür, daß die Veranstalter zehn weitere Interessenten für einen Präsentationsstand nicht mehr berücksichtigen konnten. Zu einigen Vorträgen drängten so viele Besucher, daß die Veranstalter den Zutritt beschränken mußten und für die Ausgesperrten am Sonntag einen zusätzlichen Track mit Wiederholungen ansetzten. Besonders traf es Torben Weis mit seinem Beitrag zu KOffice, er durfte seinen Vortrag insgesamt dreimal halten.
Hinsichtlich des LinuxTags 2000 sagten die Veranstalter, die diesjährige Ausgabe habe sie an die Grenzen des Machbaren geführt - was man aber im Vorjahr auch schon gedacht habe. Im Nachgang werde man sich zusammensetzen und nach einer neuen Veranstaltungsform suchen, ohne allerdings das Konzept wesentlich zu verändern. Es werde eher darum gehen, den Rahmen der zu erwartenden steigenden Nachfrage anzupassen.
Für eine Podiumsdiskussion zum Thema Freie Software in öffentlichen Händen hatten die Veranstalter kompetente Vertreter gewinnen können, die das Meinungsspektrum abdecken. Rudolf E. Bahr vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), MdB Lothar Binding (SPD), Britta Grimm, Manager Technical Marketing bei Microsoft, Daniel Rieck, Geschäftsführer der ID-Pro GmbH sowie Gregor Schulte vom Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz.
Ganz so frei, wie sie sich in der Diskussion gab, war Microsofts Vertreterin offenbar doch nicht. Sie wehrte sich unter der Drohung, die Diskussion zu verlassen, gegen jedwede Videoaufzeichnung, so daß das Fernsehen unverrichteter Dinge wieder abziehen mußte.
Einig waren sich die Teilnehmer, daß bei der Heterogenität der IT-Bereiche in der öffentlichen Verwaltung die Definition und Einhaltung offener Schnittstellen unabdingbar sei. Über die Kriterien zur Definition gingen die Meinungen aber auseinander. Lothar Binding brachte dies mit dem Satz auf den Punkt: Der Tag, an dem es gelingt, daß Texte ohne Konvertierungen beliebig ausgetauscht werden können, sollte zum Nationalfeiertag erklärt werden.
Daniel Rieck bemängelte, daß öffentliche Ausschreibungen Freier Software oft keine Chance gäben. Er sei gegen jegliche Quotierung, sondern wünsche sich, daß die öffentliche Hand hier echten Wettbewerb ermöglicht. Das BSI - so Rudolf E. Bahr - arbeite derzeit an einem Positionspapier zu Open Source Software in der Bundesverwaltung. Darüber hinaus überlege eine nichtgenannte Bundesbehörde, Linux unter Sicherheitsaspekten zertifizieren zu lassen.
Dieser Text ist der Zeitschriften-Ausgabe 08/1999 von iX entnommen.
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