Gegen einen Arbeitsplatz mit weißem Traumstrand dürften die wenigsten etwas einzuwenden haben. Der Schreibtisch in einem Großraumbüro fällt dagegen deutlich ab – allerdings nicht in allen Firmen.
Für viele Büroangestellte spielt die Ästhetik am Arbeitsplatz keine besondere Rolle. Weiße Wände, Schreibtisch, Bürostuhl, Computer und vielleicht noch ein paar Pflanzen – damit ist der Ort, an dem sie einen Großteil ihres Tages verbringen, auch schon voll eingerichtet. Und doch gibt es sie, die ganz besonderen Büros, in denen es richtig Spaß macht zu arbeiten. Viele dieser Gebäude mit außergewöhnlichem Design gehören zu großen Marken wie Google oder Microsoft. Aber auch in manch kleinerem Betrieb fühlen sich die Mitarbeiter so wohl wie in den eigenen vier Wänden.
Besonders bekannt für extravagantes Bürodesign sind Unternehmen der Neue-Medien-Branche. Suchmaschinen- und Internetdienstleistungs-Gigant Google eilt beispielsweise der Ruf voraus, auf dem Campus seines Hauptsitzes in Kalifornien diverse Restaurants zu unterhalten. In denen bereiten Sterneköche sämtliche Mahlzeiten des Tages für die Mitarbeiter zu. Auf Flickr kann man Essen aus der Google-Kantine mit dem Tag „googlefood“ versehen, und heraus kommt eine Sammlung schmackhafter Mahlzeiten.
Einen ersten Blick auf ein typisches Google-Büro kann man auf Picasa erhaschen. Hier bekommt man einen Eindruck von der Arbeitswelt der Google-Mitarbeiter in Zürich. Ob Schweizer Seilbahngondeln als Rückzugsort für wichtige Telefongespräche, der Massagestuhl hinterm Wellness-Vorhang oder riesige Sitzsäcke auf der Gartenterrasse – hier kann man schon ein bisschen neidisch werden.
Sollten diese Fotos noch nicht beeindruckt haben, gelingt das vielleicht Googles Engineer Mark mit seiner Videotour durch das Züricher Büro. Spätestens wenn er die Rutsche nutzt, um in der Kantine essen zu gehen, wünscht man sich, wenigstens für einen Tag bei Google arbeiten zu dürfen. Doch nicht nur in der Schweiz symbolisieren die Google Offices Spiel, Spaß und Inspiration, auch am anderen Ende der Welt gibt sich das Unternehmen größte Mühe bei der Arbeitsplatzausstattung, wie das Design der australischen Niederlassung beweist.
Ob nun die Finanzkrise oder die Unbescheidenheit mancher Mitarbeiter Schuld ist – auf jeden Fall hat Google den kostenlosen Service laut at-mix mittlerweile etwas eingeschränkt
Die coolsten Arbeitsplätze finden sich oftmals im kreativen Bereich. Animationsfilm-Hersteller Pixar verfügt ebenfalls über großartige Räumlichkeiten. Ein Foto-Rundgang mit 18 Bildern, angefangen beim Eingangstor über dem Cerealien-Raum und den Games Room bis zurück vors Tor gibt Einblicke in das Arbeitsumfeld der Angestellten. Hier wird Kreativität gefördert und Inspiration geboten – kein Wunder, dass die Mitarbeiter regelmäßig Kassenschlager wie „Toy Story“, „Wall-E“ oder „Findet Nemo“ produzieren.
Ein etwas anderer Wind herrscht bei TOMSshoes. Der Schuhhersteller, der für jedes verkaufte Paar Schuhe ein Paar an bedürftige Kinder verschenkt, residiert in einer großen Lagerhalle. Einzelne "Büros" sind durch Stoffbahnen abgetrennt, aus denen auch die Schuhe hergestellt werden. Manchmal dienen gestapelte Schuhkartons als Wand oder Sichtschutz. Und trotzdem wirken die Mitarbeiter entspannt und scheinen gerne für TOMS zu arbeiten. Hier fließt das Geld definitiv in den guten Zweck und nicht in das Office-Design, wie sich auf der von TOMS-Gründer Blake Mycoskie geführten Tour durch die Räumlichkeiten unschwer erkennen lässt.
Nicht jeder hat das Glück, in einem ansprechenden und gemütlichen Büro zu arbeiten. Insbesondere Heimarbeitsplätze bestehen oftmals aus bunt zusammengewürfelten Möbeln und technischem Equipment. Der „Home Office Snapshot“aus dem Jahr 2008 mag zwar ein besonders übles Beispiel sein, trotz allem sollte man nicht vergessen, dass ein sauberer und durchdacht konzipierter Arbeitsplatz nicht jedem Büroangestellten zur Verfügung steht.
Dabei ist selbst das ungemütlichste Büro noch nicht völlig verloren, wie die Bildergalerie bei BNET zeigt. Einige Vorher/Nachher-Fotos, hauptsächlich aus einem Renovierungsprojekt des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle, zeigen, dass man sogar auf der Grundlage der verheerendsten Designfehler ein Büro so umgestalten kann, dass es sich angenehm in ihm arbeiten lässt.
Letztendlich kommt es jedoch gar nicht auf ein perfektes Design der Arbeitsumgebung an. Für die meisten Menschen sind ein gesundes Betriebsklima, ein angenehmes Miteinander unter den Kollegen und das Gefühl, vom Arbeitgeber als Mensch wahrgenommen zu werden, ausschlaggebend für einen guten Arbeitsplatz. Und so spielen auch Teamgeist, Glaubwürdigkeit und Fairness des Managements eine bedeutende Rolle, wenn das Great Place to Work Institute einmal im Jahr die Liste der 100 besten Arbeitgeber erstellt. Von den 100 Besten des Jahres 2010 in Europa kamen 25 aus Deutschland, unter anderem ist die SMA Solar Technology AG an der Spitze der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern vertreten.
Doch der beste Arbeitsplatz der Welt befindet sich unbestritten im fernen Australien. Im letzten Jahr schaltete der Tourismusverband des australischen Staats Queensland eine Stellenanzeige, um einen Kandidaten für besagten „besten Job der Welt“ zu finden. Weltweit erschien die Annonce in Tageszeitungen und Magazinen, und auch im Internet machte sie schnell die Runde. Mit einem Video auf Youtube suchte man jemandem, der für ein halbes Jahr die Inseln des Great Barrier Reef seinen Arbeitsplatz nennen sollte. Mit einer Video-Antwort konnte man sich qualifizieren, und über 34 000 Möchtegern-Inselverwalter versuchten ihr Glück.
Der erfolgreiche Bewerber Ben verbrachte sechs Monate seines Lebens an einem der schönsten Arbeitsplätze der Welt. Wer träumt nicht davon, morgens von Sonnenstrahlen wachgekitzelt zu werden, den Tag mit Schnorcheln, Tauchen und Schwimmen zu verbringen und abends in einen Himmel zu schauen, in dem die Sterne nicht im Streulicht der umliegenden Städte verloren gehen? Heute ist der Engländer als Botschafter für den Tourismusverband unterwegs – seine Abenteuer als Inselwart sind auf seinem Blog nachlesbar.
(ka)
Heft bestellen Dieser Text ist der Zeitschriften-Ausgabe 07/2010 von iX entnommen. Das Heft kann online portokostenfrei bestellt werden.
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