Fujitsu Siemens Computers begrüßt, dass sein Anteilseigner Fujitsu und Gegenspieler bei den High-End-Servern Sun Microsystems nach über 20 Jahren ihrer Zusammenarbeit einen neuen Anstrich verpassen wollen. Der handverlesene Club werkelt mit wenig Aufsehen auf hohem Niveau bei der gemeinsamen Entwicklung von Prozessortechniken, steht aber im Rechenzentrum mit den Großrechnern Enterprise 10 000 und Primepower im Wettbewerb; unterhalb gibt es bei allen drei Sun Fire von der Stange.
Die Rede ist von der Sparc-Connection, bei der Sparc kein Synonym für Sun ist, obwohl es nur ein kommerzielles Betriebssystem mit Garantie und professionellem Support für diese Risc-CPU gibt: Suns Solaris. Insofern dominiert Sun die Sparc-Organisation (www.sparc.org), einst angetreten, einen Standard gegen Intel, Mips und PowerPC zu schaffen.
Bei der Kooperation geht es nicht um den Massenmarkt, den konnte Sun noch nie so recht bedienen, allen Kuschelkursen mit Windows, Linux und Intel-Rechnern der kobaltblauen Art zum Trotz. Bleiben die Sparc-Solaris-Rechner, die immer noch angesagt sind bei Netzwerkern, Rechenzentrumsbetreibern und Unis. Genau aus diesem Grund hat es aber die in Santa Clara beim großen E-Crash am härtesten getroffen. Aggressive Preispolitik hat weitere Breschen geschlagen - letztlich auf Kosten einer Vielzahl von Unternehmen, die an die Botschaft der Sparc-Org geglaubt haben und so genannte Sparc-Clones aufgelegt hatten. Produkte, die meist eingestellt sind, Unternehmen, die sich entweder gänzlich vom Markt zurückgezogen haben oder in einer Nische ihr Dasein fristen.
Jedenfalls hat all das bei Sun die Kasse geleert, was eine Entlassung von 9 Prozent der Mitarbeiter (rund 3300) nach sich zieht. Nun schockt die Firma nach Irritationen mit One (dem Open Network Environment) oder N1 mit einer vorzeitigen Sperrung der Roadmap und streicht Sparc V und VI aus dem Plan. Außerdem gibt der Microsystems-Entwickler das Projekt Gemini auf, den geplanten Prozessor für kleine Server.
Aber das Unternehmen sichert mit „Niagara“ eine Dual-Core-CPU für 2006 und den Hochleistungsprozessor „Rock“ in ferner Zukunft zu, beides auf Basis des Sparc-IV-Kerns, die nach wie vor Texas Instruments fertigen soll - und besinnt sich auf seine Zusammenarbeit mit Fujitsu: Im übernächsten Jahr mit der APL, der „Advanced Product Line“, soll ein neuer Prozessor als Gemeinschaftswerk entstehen, sozusagen die Verschmelzung von Ultra Sparc IV und Sparc64.
Kunden dürfen dann von zwei Produktzweigen pflücken: die „Scaling Out Architecture“ mit Blades und Clustern sowie das „Scaling Up Concept“ für die schnellen CPUs. Wer dabei an Akronyme denkt, kommt schnell auf die Frage, wie einer der Journalisten während der Telefonkonferenz Anfang Juni zum Thema: „Steht FSC für Fujitsu Siemens oder Sun Computers?“ (Mit weichem oder scharfem „S“?)Bei Sun gab man sich gewappnet, mit der Antwort (sinngemäß): Übernahmen helfen dem Kunden nicht, es gehe um Investitionssicherung. Dazu bedürfte es einer durchgängigen Binärkompatibilität auf allen Systemen.
Die dürfte aber für Suns jüngst eingeführten Rechner mit AMDs CPUs und die geplanten Server mit Windows-Kompatibilitäts-Siegel kaum gelten. Die Gültigkeit der neu entworfenen Sparc-Roadmap hängt so vor allem von einem ab: dem Erfolg der Kooperation zwischen Sun und Microsoft.
Dieser Text ist der Zeitschriften-Ausgabe 07/2004 von iX entnommen.
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