Publikumsfrage

Editorial

Forum zum Artikel "Publikumsfrage" aus iX 12/2012 Seite 3.

4. Dezember 2012 01:47

Fachkräftemangel Kommentar

Von meiner Beobachtung des IT Marktes und eigener Erfahrung seit 15
Jahren leite ich folgendes ab:

Es gibt einen Fachkräftemangel und es stimmt, dass die Gehälter nur
moderat steigen. Ich behaupt sogar, dass sie immer langsamer steigen
werden, bis zu einer gewisen Stagnation.

Die Erklärung is einfach: Der Nutzen den die IT in unsere Wirtschaft
in siener Geburtsstunde eingebracht hat ist heute zu einer
Anforderung mutiert. Jedes Unternehmen freut sich nicht mehr über die
Vorteile, die IT bringt, sondern fordert es, und sieht es für
selbsverständlich. Es geht um Schnelligkeit, 24/7 Verfügbarkeit und
Überwachung immer komplexer werdender Prozessabläufe. Diese drei
Komponenten müssen maximiert werden, weil sich jedes Unternehmen
davon eine optimale Nutzung aller anderen Ressourcen, wie Fuhrpark,
Anlagen, Transporte, Produktion etc.. verspricht. Durch die
Globalisierung kommen Sprachunterschiede, Prozessvarianten und
internationale Informations-Barrieren, die auch von diesen
Komponenten erfasst und optimiert werden sollen.

Wir erleben 3 Kräfte, die auf dem Mark wirken:
1) Steigende Koplexität der Systeme, was speziallisiertes
Fachpersonal fordert.
2) Immer mehr Unternehmen (KMU) können sich so genannte
Enterprise-Lösungen leisten, leasen oder mieten und wollen wie große
Konzerne auch mitspielen. Das fordert auch Fachqualifikaiton.(BSP. ob
ein ERP für ein Büro von 5 Vertriebshändlern oder 50 parametriert
werden muss, macht im Punkto Aufwand, oft kaum unterschiede. Es
bleibt komplex.)

Die oben genannten Kräfte/Trends nähren die Nachfrage an IT
Fachkräfte, aber die KMUs haben längst nicht so große Geldmittel, wie
Konzerne. Also werde KMUs nicht umbedingt die Gehälter hochschnellen.

Un nun die wirkliche Kraft, die dafür sorgen wird, dass die Gehälter
nicht steigen.

3) IT is zu eine Selbstverständlichkeit geworden. Kostet Geld, aber
es muss sein, und ohne Sie geht bei nicht wenigen Unternehmen, nichts
mehr. Diese Selbstverständlichkeit wird sich auf die Gehälter ganz
brutal spiegeln und dazu führen, dass für Email, Internet, Web
Server, Web Service, alles Standard Services, die jede KMU und
Konzerne haben, für nichts Besonderes halten und damit dafür nicht
"so viel" zahlen wollen.

4) Die IT Fachkräftegehälter sind auch auf lange Sicht selber Opfer
des Grundgedanken der IT-Umsetzung, nämlich Kosten sparen. Früher
saßen vor den ersten ERP Systemen Menschen, die sämtliche Dialoge,
Skripte, Nachrichten und vieles mehr an Fenstern im Softwareprodukten
und verschiedene Applikationen steuern mussten. Heute sind die
Dialogsysteme so ausgereift, dass es sich mit Scanner, Maus und
wenige Buttons beschränkt auf Kernbereiche komplexe Prozesse über
mehrere Mitarbeiter schultern getragen werden. Das heißt, dass wir
nicht mehr den All-wissenden-IT-Mensch brauchen, sondern nur einer
der sich in einer Applikation gut auskennt. Eine Ketzerische Frage:
würden sie einen IT Engeneer, der als Admin arbeitet, für das bloße
klicken und nachlesen der Hilfe-Einträge 45000 Euro Einstiegsgehalt
zahlen. Nur für das klicken? Leider sieht es genauso aus. 

Was das am Ende bedeutet ist folgende "Prophezeiung":

Der IT Markt entwickelt sich zu einer
Übermenschliche-Anforderungs-Maschine in der bei steigender
selbstverständlicher Komplexität die Gehälter unverhältnismäßig wenig
steigen werden und buchstäblich für den gleichen Job eher 3 junge
belastbare billige Burnout-Kandidaten eingestellt werden, bevor man
einen festen Mitarbeiter unterhält, der langfristig, wegen dieser
brutalen Komplexität nicht mehr bereit ist Überstunden zu machen.

Der Trend zur Prozessautomatisierung hat bereits überhandgenommen und
es wird zwangsläufig dazu führen, dass immer weniger Menschen bereit
sein werden, sich dieser Komplexität für so ein geringes Gehalt her
zu geben. Denn dafür sind IT-Fachkräfte zu Intelligent. Der
Fachkräftemangel wird steigen, denn immer mehr Menschen haben keine
Lust diese komplexe Systeme mit zu steuern. Das macht einfach keinen
Spaß mehr.

Lösung:  Die Lösung ist ein Rat: Die Komplexität der IT kann wirksam
bekämpft werden, wenn die Prozesse, die sie abbilden soll schlank
gehalten werden. Es sind die Geschäftsprozesse, die optimiert werden
müssen und mit gezieltem Technologie-Einsatz geschickt klein gehalten
werden.

Für IT-Fachkräfte müssten die Arbeitsbedingungen, gerade wegen der
kommenden Komplexität angepasst werden.

Realistisch für IT Fachkräfte wäre folgendes: Da in der IT-Branche
immer mit Überstunden gerechnet werden muss, weil die Systeme zur
Wartung oder Update immer nach den Kernarbeitszeiten verfügbar sind,
spricht eigentlich nichts dagegen deren Arbeitszeit auf 32 Stunden
pro Woche zu senken und das mit einer  Überstundendeckelung auf 40 zu
verbinden. So könnten IT Fachkräfte gute Wochen  
zu normalen Arbeitszeiten ihre Leistung erbringen, bekommen einen
Zeitlichen Ausgleich und erreichen eher die 40 Stunden ohne diese
ständig zu überschreiten.
Das wäre angemessen!

Ein kleiner Rat:  "Automatisierung ist nicht immer gut"
Ich gebe zu bedenken, dass die Automatisierung von Prozessen über
Computer-systeme nicht ohne Rückfall-Optionen vorangetrieben werden
sollte. Das heißt im Klartext: Jeder Computerisierung-Fortschritt
muss immer auf Weg-Fall geprüft werden. Es muss immer die Frage
gestellt werden, ob das Geschäft oder Prozess manuell (unabhängig von
der Zeit) weiter geführt oder vollendet werden kann, wenn die
Computer-systeme ausfallen; denn wenn nicht, dann rat ich dringend
davon ab diesen Fortschritt zu machen, denn das führt in die
Abhängigkeit und verdummt das Personal hinter den Bildschirmen, und
ist ein Raub an den Mitarbeiter, denn es wird ihm seine
Improvisationsfähigkeit und Flexibilität abtrainiert.

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