23. November 2012 21:38

Re: Das hat sehr wenig mit dem Islam zu tun

Funktastatur schrieb am 23. November 2012 20:21


> > PS: Bis 1958 verwaltete der Ehemann den Lohn der Frau, ebenfalls
> > mussten bis dahin er oder der Vater einer Frau das Ablegen der
> > Führerscheinprüfung erlauben. Erst ab 1962 durften verheiratete
> > Frauen ein eigenes Konto haben. Erst ab 1969 waren verheiratete
> > Frauen voll geschäftsfähig. Bis 1977 musste der Ehemann einer Frau
> > das Arbeiten genehmigen. Bis 1997 war es keine Straftat, wenn ein
> > Ehemann seine Frau vergewaltigte.

> Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei.
> Dennoch waren das alles mehr oder weniger "kann Gesetze".

"Kann" aus Sicht des Ehemanns/Vaters. Nicht für die Frau. (Wobei die
Genehmigung der Arbeit schon ein paar Jahre zuvor nur noch ein
theoretisches Gesetz war.)

> Es hat sicher auch damals schon tolerante und offene Ehemänner
> gegeben, die ihrer Frau das Autofahren und das Arbeiten "erlaubten".
> Wie gesagt, ich will diese Gesetze nicht verteidigen, zum Glück sind
> sie in Deutschland Geschichte. In Saudi-Arabien ist das aber kein
> "kann verbieten".

Das ist aber für die Frau kein wirklicher Unterschied. Und "sind
Geschichte" ist etwas übertrieben. Unter den Folgen leiden wir ganz
aktuell und in Zukunft, weil vielen Frauen dieser Jahrgänge im Alter
das Geld fehlt.
Unabhängig vom Gesetz war es ja auch verpönt, dass Frauen arbeiteten;
und daher taten das viele auch nicht. (Ganz aktuell wird das ja mit
dem rumreichen Betreuungsgeld sogar wieder gefördert...in der
CSU-Welt halten Ehen halt ewig und daher ist es völlig OK, wenn die
Frauen im Alter wieder abhängiger von ihren Männern sind.)

Aber der TE sprach ja von der Aufklärung, und die brauchte eben auch
bei uns über 200 Jahre um - zumindest auf dem Papier - auch bei den
Frauen vollends anzukommen.

Und was man nicht vergessen sollte: Mit unserer ganzen Aufklärung
brauchten wir gerade mal sechs Jahre um die Demokratie abzuschaffen
und die erste Gaskammer in Betrieb zu nehmen.
Die Aufklärung ist also keineswegs etwas, das unsere Region der Welt
dauerhaft erleuchtet hätte, sondern etwas, dass jede Person neu
erwerben muss und wofür man ggf. auch kämpfen muss.
Ein hoher Prozentsatz der Deutschen, vielleicht sogar die Mehrheit,
dürfte das nach der Kant'schen Definition nicht tun. Ich vermute
sogar, dass zu keinem Zeitpunkt die Mehrheit der Deutschen wirklich
aufgeklärt war. 

Das Saudische Regime ist für mich eines der verachtenswertesten
Regime dieser Erde. Eine widerliche Mischung als Monarchie,
religiösem Extremismus und Kaptialsmus. Aber weder hat das was mit
dem Islam an sich zu tun noch mit fehlender Aufklärung in der Region.

Oder andersrum: Hätten wir heute eine Demokratie, wenn wir den
zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Ich denke nicht.

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