28. Februar 2012 22:15

Re: Welche Firefox-Version verwendest du?

Hanno Foest schrieb am 26. Februar 2012 06:56

> In der Summe kommt aber keine relevante Menge zusammen.

> 1-2% sagt selbst Yahoo, siehe
> http://developer.yahoo.com/blogs/ydn/posts/2010/10/how-many-users-hav
> e-javascript-disabled/

Das ist ein oft zitierter Artikel. Nach meiner Erfahrung sind die
Zahlen viel zu hoch gegriffen. Aber selbst, wenn es 2% wären, wäre
das überhaupt kein Problem.

> Nein. Zumindest bekommst du keine vernünftige Statistik darüber, da
> User Webseiten, die JS erfordern, natürlich nach dem ersten Besuch
> nicht mehr aufsuchen werden.

Cookies.

> > In der Praxis wird das derzeit oft noch nicht bemerkt, da aus
> > SEO-Gründen noch vieles in plain HTML gemacht wird.

> Da frag ich mich auch, wie Suchmaschinen totgescriptete Seiten
> indexieren wollen.

Die technischen Hintergründe sind mir jetzt nicht bekannt, aber
grundsätzlich versuchen inzwischen alle relevanten Suchmaschinen,
auch hinter JavaScript zu gucken und Flash zu interpretieren.

Im Prinzip ist aber auch nur wichtig, dass Texte, Links und Bilder
semantisch günstig im Code vorkommen. Das nachträglich per JS
rumzuschubsen und zu layouten schadet SEO an sich nicht weiter.

> > Ein schönes Beispiel für die heutzutage erstellten Websites ist
> > http://music.google.com , dort gibt es praktisch gar kein HTML mehr.

> In der Demo, die ich gesehen habe, wurde es als Webapp bezeichnet.
> Kann man so machen, muß man aber nicht - anders als bei Maps sehe ich
> da gerade den großen Mehrwert nicht.

Ganz einfach: Die Musik, die Du hörst, läuft weiter. Weil nie eine
neue Seite geladen wird.

> Und es bleibt ja auch wohl hinter den Erwartungen zurück...

Keine Ahnung. Ich nutze es per Smartphone und bin glücklich. Zuhause
auf dem Sofa brauche ich keine Website zum Musikhören.

> > Geschwindigkeit hat heutzutage keine Relevanz mehr. Alle aktuellen
> > Browser sind „schnell genug“, und die Verbreitung von
> > Breitbandanschlüssen ist hoch genug,

> Test Mediamarkt: Shift-Reload
> mit eingeschaltetem JS braucht mehr als 10 Sekunden, bis alle Bilder
> sichtbar sind. Fertiggeladen war es auch nach 30 Sekunden nicht,

8 Sekunden mit einem 4MBit-Anschluss. Vielleicht doch mal Ghostery…?
;-)

Ich kenne die guten alten Regeln auch noch von früher. 25 KB für die
Startseite, 5 Sekunden Ladezeit… … was soll ich sagen? Nö. Wir
knacken ohne weiteres schon mal die 1MB-Grenze, wenn die Seite
richtig was her machen soll. Die ersten 100KB gehen ja allein für die
Fonts drauf. ;-)

> > dass man mit einer Konzentration
> > auf diese Gruppe mehr Erfolg hat als mit dem alten „Es muss überall
> > laufen“-Paradigma.

> Einfach mal den CEO fragen, auf wieviel Prozent seiner Kunden er
> verzichten kann.

Es ist ganz einfach: Es kommt drauf an.

Es gibt unterschiedliche Märkte, unterschiedliche Zielgruppen,
unterschiedliche Modelle. Wenn Du eine Website für die Stadtbücherei
machst, dann spielt Accessibility eine Rolle, Rot-Grün-Schwäche,
freie Schriftskalierung.

Wenn Du eine Site zu einem Rave-Event machst, dann hast Du vor einem
Jahr getrost eine reine Flash-Seite gemacht. Heute hat die Zielgruppe
ein iPad, und genau deswegen machst Du eine Flash-Freie Seite.

Was Du da beschreibst - schnell laden, SEO, ist alles wichtig für
Amazon, Geizhals, Aldi, Karstadt. Ein klassisches Gegenbeispiel wäre
BMW: Vor einigen Jahren sind die mal bei Google aus dem Index
geflogen, weil sie weisse Schrift auf weissem Grund verwendet haben,
und Google hat das als Cheating verbucht. Was war die Reaktion der
Agentur? Die haben bloß gesagt: „Interessiert uns gar nicht, kein
Mensch googelt nach BMW, wir sind natürlich BMW.de, was denn sonst?“
Gut, kann man anders sehen, tendenziell ist es aber richtig: Wenn man
eine Website baut, auf der restaurierte Oldtimer für über 150.000
Euro pro Stück verkauft werden, interessiert einen SEO herzlich
wenig, weil die Kunden einfach nicht auf diesem Weg kommen. Wenn man
Fahrradschläuche vertickt, dann wird man exzessives SEO betreiben und
immer versuchen, 1ct billiger zu sein als der Mitbewerber.

Ich baue hauptsächlich Websites für hochpreisige Lifestyle-Produkte.
Da ist es wichtig, dass das Produkt auch auf einem 44"-Fernseher noch
scharf aufgelöst dargestellt wird, und nicht, wo wir bei Google
gerankt werden. Niemand sucht unsere Produkte im Netz, und auf den
Seiten gibt es auch keine Preise, keine Shops, sondern nur einen
Kontakt.

> Gerade bei Technikfirmen ist es sinnvollerweise so, daß Leute die
> Einkäufe machen, die was von der Technik verstehen. Die haben dann
> überdurchschnittlich oft JS aus. Wer meint, darauf verzichten zu
> können...

Es ist ganz einfach:
Interessant an einer Website ist nur der Erlös.

Ich spinne jetzt mal rum: Wir haben im Monat 10 Besucher. Einer davon
ist der Kaiser von China. Der kauft drauf hinProdukte im Wert von 10
Mio. Euro. Super!

Eine andere Website hat 10 Millionen Besucher. Tausend davon kaufen
ein Produkt im Wert von 10 Euro. Scheisse.

Natürlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, aber „richtig“ und
„falsch“ ist immer eine Frage dessen, was ich nach welchem
Geschäftsmodell an wen verkaufen möchte.

> Leute sinnlos zum Warten zu zwingen und sie dazu zu zwingen, ihre
> Rechner unsicher zu machen, ist ein prinzipielles Problem.

Jede Website hat einen Kontakt. Wenn es Feedback gibt, dann erreicht
es mich. Auch wenn Du das jetzt vielleicht mal anders siehst, aber
wir sind natürlich daran interessiert, gute Arbeit zu machen, und
wenn Leute sich beschweren, dann erfahren wir das. Und ändern ggf.
etwas.

Ich habe in den letzten 12 Jahren nur 2 Beschwerden erhalten: Vor ca.
5 Jahren beschwerte sich ein User, der als Deutscher in den USA einen
US-Browser verwendet, dass die Site immer englisch aufgeht statt
deutsch, weil wir keine Geolocation machen, sondern die
Browsersprache auswerten. Und vor drei Jahren beschwerte sich jemand,
dass die Site mit dem IE5 für Mac nicht funktioniert, was mehr als
gruselig ist, das ist ein Jahrzehnt ungepatchte Sicherheitslücken…

> Gucken wir mal, wo die Leute wirklich ihr Geld lassen: Die 4
> umsatzstärksten Webshops in Europa sind Amazon, Otto, Tesco und
> Staples (mehr hab ich gerade keinen Bock zu testen).

Alles Märkte, für die ich dir, ohne mit der Wimper zu zucken,
zustimmen würde. Ja. Das sind Seiten, die man genau so bauen würde.
Wo soll denn auch bei Otto das Markenerlebnis herkommen, die
Identifikation mit dem Produkt, die Begeisterung für einen
Lebensstil? Die Leute kleben sich vielleicht einen „Apple“-Aufkleber
ans Auto, aber mit Sicherheit nicht „EDEKA“, oder? ;-)

Wie gesagt - Zielgruppe. Wir haben auch schon Websites gebaut, wo man
das Menü auf animierte Gebärden für Gehörlose umschalten konnte. Es
kommt immer drauf an.

> > In der Regel wir es ein Produkt nicht wirtschaftlich vertretbar
> > erlauben, dass Du dich auf kleine (aber nicht finanzkräftige) Gruppen
> > konzentrierst, oder versuchst, es allen Recht zu machen.

> Wer sagt das? Vielleicht die Leute, die mit überkomplexen Webseiten
> ihr Geld verdienen? :)

Na komm. Jedes Unternehmen hat eine Zielgruppe, ein Milieu. Die
beackert es. Kein Unternehmen dieser Welt hat Erfolg damit, es allen
Recht machen zu wollen. 

Mach mal eine Google-Bildsuche nach „SIGMA Milieu“, da findest Du
eine Menge Bubberblasengrafiken, die das sehr anschaulich zeigen, wie
man Produkte verortet.

[Text zu lang… …geht gleich weiter]

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