29. Oktober 2008 11:56

Wider der Verschraddelung der IT

Hallo,

Also ... die Maschine ist also zu teuer, wie einige Schreiber hier
meinen? Sagen wir es mal so: You get, what you pay for.

Es gibt Gruende, warum diese Maschine 12300 Euro kostet, warum der
Speicher teuerer ist als beim Schraddellieferanten um die Ecke. Und
die hängen nicht damit zusammen das Sun jetzt ganz schnell reich
werden will. Wer Qualität in seinen Servern verbauen will, muss
Qualität einkaufen. Und das kostet ebenfalls auch wieder.

Schoenes Beispiel ist immer der Speicher in den Systemen. Hat sich
jemand schon mal gefragt, warum man immer noch reihenweise Maschinen
der Groessenordnung E450 und E250 bei Kunden in Betrieb sieht?
Maschinen, die um 2000 verkauft worden sind? Aber relativ wenig x86,
die die gleiche Standzeit haben? Kuerzlich habe ich eine 280R
abgeloest. Die 280R wurde das letzte mal verkauft(2005), als viele
heute laufende x86-Server noch nicht mal geplant waren ;) . Gekauft
2002 glaube ich ... lief wunderbar, und laeuft jetzt als
Entwicklungs- und Spielmaschine wahrscheinlich noch einige Jahre
weiter.

Es hängt einfach mit der Qualität der Systembestandteile zusammen.
Speicher explizit fuer Server ist bei jedem Hersteller teuer und zwar
aus gutem Grunde. Ich habe das Thema mal unter
http://www.c0t0d0s0.org/archives/4968-Memory-prices-for-SPARC-Servers
..html zusammengefasst. Wer den Preis fuer Speicherriegel am
Spotmarkt mit den Speicherriegeln fuer Server, die sehr hohen
Qualitätsanspruchen vergleicht, hat sich damit -so sehr es mir leid
tut- vollstaendig disqualifiziert. 

Die Auswahl von Bestandteilen von Servern abseits des x86 Mainstreams
unterliegt einfach anderen Gesetzmaessigkeiten, anderen Regeln. Klar
kann jeder wieder Anekdoten ueber eine instabile Maschine erzaehlen.
Meistens muss man sich aber hier die ganze Geschichte anhoeren, um
herauszukristallisieren, wo der eigentliche Grund lag. Ich erzaehle
hier gerne immer die, das mir immer Sonntags ein Drucker eines
namhaften Herstellers kaputt gegangen ist. Ich habe nach dem vierten
Umtausch herausgefunden, das es sich die Drucker immer dann
verabschiedet haben, wenn im Hause ein elektrisches Bratenmesser
verwendet worden ist. Ich will nicht sagen, das man eine Sun mit dem
Bratenmesser klein bekommt, es sei denn man haelt es direkt auf die
Leiterbahnen. Aber ich moechte damit verdeutlichen, das die Wahrheit
oftmals sehr viel komplizierte ist.

Darueber hiaus sollte man hier auch noch beruecksichtigen, was
beispielweise die ganzen Zertifizierungen kosten, um ein Produkt
ueberhaupt auf einem Markt verkaufen zu duerfen. Entwicklungskosten
und sowas. Und wenn man sich mal das System anguckt, weiss man wo das
Geld bleibt, das man in eine solche Maschine investiert. 

Unix-Server muessen teurer sein. Das gibt alleine schon die geringere
Stueckzahl des Prozessors vor. Guckt euch mal an was ein Itanium, ein
Power6 oder eben ein SPARC64 proc einzeln kostet. Preislich braucht
man da nicht versuchen gegen eine als Serverplattform missbrauchte,
als Gamingprozessor verwendete und als Office-Prozessor gedachte
Plattform versuchen, zu konkurrieren. Deswegen muss ein solcher
Server auf besonderen Anspruechen genuegen, um seinen Mehrpreis nicht
nur mit der nicht-Migration zu rechtfertigen. Es bringt nichts, sich
einen Prozessor mit all den netten Funktionen wie Instruction-Retry,
bankweise Cache-Deaktivierung etc zu nehmen nur um dann Speicher fuer
PCs oder Netzteile fuer Pseudoserver zu bauen. Alleine dieser
Versuch, wuerde einen grossen Teil der

Schoenes Beispiel ... ein Netzteil fuer PC produziert eine ganze
Reihe von Spannungen. Ein Sun-Netzteil in den X4xxx nur eine. Der
Strom wird dann an Ort und stelle in die richtige Spannung
ueberfuehrt. Ergebnis: Weniger komplizertes Netzteil, weniger
Ausfaelle fuer die Gesamtlaufzeit (immer dran denken: hier gelten
längere Laufzeiten als beim Billichschraddel)  Aber es ist natuerlich
klar, das man das nicht als Billisch-Standardnetzteil beim Taiwanesen
um die Ecke kaufen kann. 

Ich würde mir Wünschen, hier wuerden die Leute endlich mal damit
aufhören, Systeme zu vergleichen, die nicht vergleichbar sind. Ihr
x86@home oder x86@soho x86@clusterbarerDienst-Dienst auf die ganze IT
auszudehnen. Es gibt Bereiche (und zwar grosse Bereiche) da ist zur
Einhaltung von SLAs einfach anderes Denken notwendig. Andere Systeme.
Man kann nicht x86 ueber die ganze Welt ziehen. Und genau dafuer
braucht man dann teilweise auch solche Zwitter wie die M3000. Die
RAS-Features der grossen Server-Welt, aber eben nur einen Sockel, der
durch Multicore- und SMT mittlerweile auch ein ausgewachsener
8-Thread-Server ist.

Uebrigens zu dem Thema: "Is ja nix redundant. Is nur ein Webserver".
Schwachsinn. Irrtum. Alles was sich dreht ist redundant. Der
Prozessor ist in der Lage defekte Teile zu isolieren. Ich wuerde das
bedenkenlos fuer HA- Aufgaben einsetzen. Das einzige was das Teil
nicht kann, ist einen Prozessor oder Speicher *am* *laufenden*
*System* zu tauschen. Da muss man dann ein Geraet hoeher greifen, die
M4000 kann das dann.

Achja ... hier schrieb einer: SPARC kann man ja mit Transitive auf
x86 emulieren. Naja ... viel Spass beim ersten Call. Ich stelle mir
das so vor:
ISV: Hallo, hier spicht der Support von $ISV-Name. Wie kann ich Ihnen
helfen?
Kunde: Ich habe hier ein Problem mit Ihrer Software $ISV-Name
$Software $Version
ISV: Wo laeuft das denn drauf?
Kunde: Ohem, auf Solaris fuer SPARC auf Transitive auf Linux in einer
VMware instanz auf einem x86 Server?
Telephonleitung: *tuet* *tuet* *tuet* *tuet*

Und nochwas .. die Solarisworld bei Transitive ist Opensolaris ...
(das das trotzdem so halbwegs funktioniert, ist der
Binaerkompatibilitätsgarantie von Solaris geschuldet) wird noch
spannender beim Support ;)

Gruesse
 Joerg
 c0t0d0s0.org


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