Schranken
Auf Nachfrage schließen die meisten Unternehmen natürlich selbst eine Einstellung von Quereinsteigern nicht aus und betonen bei der Frage nach Karrieregrenzen, dass gute, weiterbildungsfreudige Mitarbeiter immer weiterkommen und im Zweifelsfall die formale Ausbildung keine Rolle spielt – aber es wird bei näherem Hinsehen auch immer wieder deutlich, dass der Weg nach ganz oben je nach Ausbildung schon mehr oder weniger aufwendig ist.
Besonders schwierig ist die Situation nach wie vor für Umschüler oder Absolventen einer IT-Weiterbildung, wie sie in der Boomzeit vom Arbeitsamt massenhaft gefördert wurden. Mangelnde Kontrolle der Bildungsanbieter hat etliche dazu verlockt, bei der Eignungsprüfung recht großzügig und bei der Ausbildung selbst dafür recht knauserig zu sein – unter dem ruinierten Ruf leiden jetzt auch diejenigen, die eine gute oder sehr gute Qualifikation mitbringen [7].
Wirklich einfach ist die Situation aber auch für Hochschulabsolventen nicht – längst nicht alle Unternehmen haben in Deutschland im vergangenen Jahr auch nennenswert eingestellt. Die Gründe sind unterschiedlich: Viele hat die wirtschaftliche Entwicklung zögern lassen. Und manche der vermeintlichen Traumarbeitgeber sind für Einsteiger nur dann interessant, wenn sie bereits zur Ausbildung ins Ausland gehen wollen – beispielsweise hat Apple in Deutschland nur ein Vertriebs- und Marketingbüro und bietet hier weder eine Ausbildung an noch werden Hochschulabsolventen ohne Berufserfahrung eingestellt.
Wenn deren Anzahl in den nächsten Jahren noch steigt, werden generell vor allem die Bewerber eine Chance haben, die bereits praktische Erfahrungen und Branchenkenntnisse mitbringen. Hilfreich können hier sowohl fachbezogene Nebenjobs und Praktika als auch Aufbaustudiengänge sein. Schaut man auf die Ergebnisse des Absolventenbarometers, ist das für viele selbstverständlich: Zwei Drittel haben nebenbei Jobs mit ITBezug, ein Drittel hat mindestens ein Praktikum vorzuweisen und jeder Fünfte hat vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen.
| Erfahrungsprofil | |
| Option | Nennungen |
| berufliche Nebentätigkeit mit Bezug zum Studium | 65,1 % |
| mehr als eine Fremdsprache | 56,9 % |
| außeruniversitäres Engagement | 43,0 % |
| berufliche Nebentätigkeit ohne Bezug zum Studium | 41,3 % |
| Praktikum im Inland | 32,9 % |
| Berufsausbildung vor der Aufnahme des Studiums | 18,8 % |
| Studium im Ausland | 9,1 % |
| Praktikum im Ausland | 6,5 % |
| Quelle: Trendence | |
Praktische Erfahrungen vor dem Berufseinstieg als Informatiker sind bei den befragten Absolventen fast die Regel.
Ohne ständig weiter zu lernen, kann man auch nach dem Abschluss in der IT auf Dauer nicht bestehen. Einen verbrieften Anspruch auf Weiterbildung gab es bei den befragten Unternehmen nur selten, die Bereitschaft der Mitarbeiter dazu haben aber alle vorausgesetzt. Vor allem die großen Konzerne haben eigene, jeweils unterschiedliche Weiterbildungskulturen und -programme entwickelt. E-Learning steht dabei im Zentrum – beispielsweise für Produktschulungen –, während Kommunikationsfähigkeiten und Präsentationstechniken auch im Gruppenunterricht trainiert werden. Jeder Mitarbeiter kann sich aus einem konzernweiten Angebot sein Fortbildungsprogramm zusammenstellen.
Das ist vielleicht mit ein Grund, warum das von den Unternehmensverbänden und Gewerkschaften entwickelte IT-Weiterbildungssystem, das im Anschluss an die Ausbildung in den IT-Berufen anerkannte Weiterbildungsabschlüsse ermöglichen soll, bisher relativ wenig Resonanz fand [8, 9]. Während etliche der befragten Firmen das berufsbegleitende Konzept nicht einmal kannten, haben andere bereits vor Jahren ein ähnliches System mit firmeninternen Abschlüssen entwickelt, die weltweit im gesamten Konzern gleich sind.
Trotz der Fülle an Angeboten ist der Einstieg in ein Großunternehmen nicht für jeden ein attraktiver Weg. Wer lieber in einem kleineren Unternehmen anfangen möchte – oder auch muss, weil er gerade dort einen Platz bekommen hat –, sollte sich auf jeden Fall vorher informieren, ob das Unternehmen auch wirklich eine breite und solide Ausbildung sicherstellen kann.
Und natürlich muss das Ziel nach Ausbildung oder Studium auch bei IT-Fachleuten nicht Festanstellung heißen – wobei es sicherlich nicht schadet, wenn man bereits beim Start in die Selbstständigkeit nicht nur IT-Fachkompetenz, sondern auch solide Kenntnisse über und Kontakte in der anvisierten Branche hat und die Situation seiner Verhandlungspartner aus eigener Anschauung kennt, um möglichst schnell ins Geschäft zu kommen. Schließlich macht Eigenständigkeit auch nur dann Spaß, wenn man sein Auskommen dabei hat.
Die c’t-Umfrage zur Einkommenssituation von Freiberuflern und Selbstständigen hat im vergangenen Jahr jedenfalls noch einmal gezeigt, dass längst nicht alle finanziell auf einen grünen Zweig kommen, die versuchen, auf eigene Rechnung zu arbeiten. Nur ein kleiner Teil erzielte ein Einkommen, das deutlich über den Durchschnittsgehältern von fest Angestellten lag [10]. Die Ergebnisse der noch bis zum 10. Oktober laufenden aktuellen Umfrage erscheinen voraussichtlich in c’t 24/04 (siehe auch Seite 53).
Bei der in diesem Artikel ausgewerteten Befragung nannten die Unternehmen übrigens, sofern sie sich um eine Angabe nicht drückten, für Hochschulabsolventen überwiegend Einstiegsgehälter zwischen 35- und 40?000 Euro pro Jahr bei flexiblen Arbeitszeiten mit häufiger Tendenz zu deutlich mehr als 35 Stunden. Mit nur einem IHK-Abschluss liegen die Starteinkommen deutlich niedriger. Ein ähnliches Ergebnis hatte auch die c’t- Gehaltsumfrage gezeigt [11].