10.06.2009 08:29
Dr. Thomas Bürkle, Dr. Claus Becher
Optimistisch trotz Finanzkrise
Um 2,5 Prozent ist 2007 das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Konnten die Selbstständigen in der IT-Branche davon profitieren? Wie besorgt sind sie hinsichtlich der Auswirkungen der Finanzkrise? Antworten gibt die Auswertung der Umfrage, die wir Ende Oktober 2008 durchgeführt haben.
Seit fünf Jahren veröffentlicht c’t Ergebnisse von Befragungen über die Einkommenssituation der Selbstständigen in der IT. Diese aktuelle Studie analysiert die Verhältnisse des Jahres 2007, denn für das laufende Jahr liegen noch keine abschließenden Einkommensdaten vor.
Die nach Anmeldung zugängliche Online-Umfrage lieferte ohne Berücksichtigung offensichtlicher „Spaß-Einträge“ und unvollständiger Antworten 696 verwendbare Antworten von IT-Selbstständigen – gut 100 mehr als im Vorjahr.
Mit nur acht Teilnehmerinnen blieben Frauen wiederum sehr schwach repräsentiert. Die Grundgesamtheit, also die Zahl aller IT-Selbstständigen in Deutschland, liegt bei zirka 80.000. Für Deutschland ist die Studie ausreichend aussagekräftig. Das gilt wegen zu geringer Teilnehmerzahlen für Österreich (28 Antworten) und die Schweiz (16 Antworten) leider nicht.
Wiederum haben wir drei Formen der Selbstständigkeit unterschieden:
– nebenberufliche Ausübung der Selbstständigkeit,
– freiberufliche Ausübung der Selbstständigkeit,
– Inhaber(in) eines Gewerbebetriebes.
Es ergab sich unter Berücksichtigung der Altersstruktur eine Verteilung der Selbstständigen auf die in der Grafik dargestellten Gruppen.
Freiberufler stellen in allen Altersklassen den überwiegenden Teil der Selbstständigen.
Den überwiegenden Teil der IT-Selbstständigen stellten die Freiberufler mit einem gegenüber dem Vorjahr unveränderten Anteil von 63 Prozent. Dabei dominiert diese Form der Selbstständigkeit jetzt in allen Altersgruppen. Ein Gewerbe betrieben knapp 23 Prozent. Für über 14 Prozent lieferte die Selbstständigkeit nur einen Nebenerwerb.
Der für die nachfolgende Analyse verwendete Einkommensbegriff wurde analog zu den vorangehenden Jahren wie folgt aus den Umfragedaten ermittelt: Vom Umsatz haben wir Betriebskosten (wie Software, Hardware, Fahrtkosten, Telefon, Porto), Löhne (falls Arbeitnehmer an-gegeben worden sind) und Ausgaben für die eigene Weiterbildung abgezogen. So entstand ein Jahreseinkommen vor Steuern, das die soziale Absicherung noch nicht berücksichtigt.
Für die so ermittelten Einkommen ergaben sich für Deutschland, Österreich und die Schweiz Mittelwerte, die wir in in Vergleich zu den Vorjahren setzen.
Die durchschnittlichen Jahreseinkommen der Selbstständigen in Deutschland haben sich gegenüber dem Vorjahr wenig vermindert.
Das für Deutschland ermittelte durchschnittliche Jahreseinkommen wurde weiter um die Aufwendungen für die soziale Absicherung (Altersvorsorge, Krankenversicherung) bereinigt. Dies geschah anhand der entsprechend dem erzielten Einkommen berechneten Arbeitnehmerbeiträge für die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Hinsichtlich des Krankenversicherungsbeitrages haben wir eine Erhöhung um ein Prozent angesetzt. Diese erklärt den leichten Rückgang der durchschnittlich erzielten Einkommen gegenüber 2006. Zieht man auch noch den Arbeitgeberbeitrag ab, den der Selbstständige im Gegensatz zum Festangestellten nicht erhält, ergibt sich für die drei Gruppen in Deutschland die Verteilung der Jahreseinkommen 2007, wie sie die folgenden Darstellungen zeigen.
Hier zeigt sich gegenüber dem Vorjahr eine geringere prozentuale Besetzung der niedrigeren Einkommen bis 40.000 Euro und der hohen Einkommen von mehr als 130.000 Euro. Dagegen wurden die mittleren bis gehobenen Einkommen zwischen 40.000 und 130.000 Euro 2007 vergleichsweise häufiger erzielt. Es bildet sich eine Art „Mittelstandsbauch“ heraus. Dies kann zum einen Folge der im Zuge der relativ guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stattgefundenen Marktkonsolidierung sein, zum anderen zeigt die Entwicklung einer Mittelschicht, dass die Branche erwachsen wird.
Betrachtet man die Einkommensklassen differenzierter, erzielte fast jeder vierte Freiberufler ein Einkommen von weniger als 20.000 Euro. Für jeden Neunten war die Arbeit 2007 wirtschaftlich kaum auskömmlich, da sie Einkommen von weniger als 10.000 Euro erzielten. 2006 lag jedoch noch jeder Siebte in diesem niedrigen Einkommenssegment.
Bei den Freiberuflern (oben) hat sich die Spreizung der Einkommen verringert, Spitzeneinkünfte bei Gewerbetreibenden (mitte) erscheinen seltener. Nebenberufler (unten) mussten gegenüber dem Vorjahr die meisten Federn lassen.
Bei den Gewerbetreibenden zeigt sich die mittlere Einkommensklasse zwischen 40.000 und 90.000 Euro mit 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2006 waren es 23 Prozent) als stärker besetzt. Im Vergleich mit den Freiberuflern fällt jedoch auf, dass die eher niedrigen Einkommen bis 40.000 Euro mit 37 Prozent und die hohen Einkommen mit mehr als 130.000 Euro mit 18 Prozent bei dieser Gruppe wesentlich häufiger vorkommen. Insgesamt ergab sich aber im Vergleich zum Vorjahr auch bei dieser Gruppe eine Verschiebung zu den mittleren Einkommen. Das bedeutet allerdings auch, dass das Risiko stark schwankender Einkommen gesunken ist.
12,9 Prozent gaben Einkommen von weniger als 10.000 Euro an. Damit ergibt sich hier ein sehr ähnliches Bild wie bei den Freiberuflern. Im vorangehenden Jahr lagen lediglich 7,2 Prozent der Gewerbetreibenden in diesem sehr niedrigen Einkommenssegment.
Nebenberuflich Selbstständige haben eine größere Wahrscheinlichkeit, lediglich Einkommen bis 10.000 Euro zu erzielen, die Aussicht, mehr als 30.000 Euro zu verdienen, hat sich deutlich vermindert. Unter dem Strich hat sich die Einkommenssituation leicht verschlechtert. Allerdings muss man bedenken, dass die Anzahl der Teilzeit-Computerexperten gegenüber der Befragung von 2006 abgenommen hat. Was diese nun machen, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Erfahrungen in anderen Branchen zeigen, dass in anhaltend guten Zeiten die besten und produktivsten Marktteilnehmer von Firmen aus dem Markt genommen werden, also eine Festanstellung erhalten haben. Andere machen ihr Teilzeithobby zum Beruf und wechseln ganz in die Selbstständigkeit.