News-Meldung vom 19.11.2009 15:56
Nach einem harten Sanierungsprogramm und dem Abbau tausender Stellen will der Chipkonzern Infineon seine deutschen Standorte zunächst nicht antasten. "Natürlich kann man Fertigung in Asien günstiger betreiben, die Frage ist doch, was kostet es, dahin zu gehen", sagte Vorstandschef Peter Bauer gegenüber dpa. "Und die Frage ist auch, was sagen die Kunden dazu und kriegt man die Experten dafür. Nicht umsonst haben fast alle Halbleiterunternehmen einen großen Teil ihrer Fertigung noch in ihren Ländern."
Die deutschen Standorte München mit der Verwaltung und dem Vertrieb sowie die Produktionsstätten in Dresden, Regensburg und Warstein stünden damit vorerst nicht zur Debatte, sagte Bauer. "Wir haben nie eine Zehn-Jahres-Garantie gegeben. Das machen wir prinzipiell nicht. Aber diese Standorte stehen derzeit nicht zur Disposition. Im Vergleich zu dem, was am Schluss dabei herauskommt, ist es momentan nicht rentabel." Infineon beschäftigt in München derzeit rund 4000 Menschen, 1900 in Regensburg, 1800 in Dresden und 740 in Warstein. Weltweit hatte Infineon Ende September 26.500 Mitarbeiter.
Zum derzeitigen Stand der Verkaufsverhandlungen für die französische Fertigungsstätte Altis sagte Bauer: "Die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal klappt, ist sehr groß." Die Verträge seien noch nicht fertig ausgehandelt oder gar unterschrieben. Verhandlungen mit dem französisch algerischen Geschäftsmann Germain Djouhri, der laut französischen Presseberichten rund 70 Millionen für das Gemeinschaftsunternehmen an Infineon und IBM zahlen will, liefen. "Noch ist nichts unterschrieben." Gespräche mit möglichen russischen Investoren hätten sich in der Vergangenheit "sehr zäh gestaltet".
Druck von den Investoren spüre er derzeit nicht, sagte Bauer. "Ich sehe keine Unzufriedenheit auf der Investorenseite." In einem Pressebericht war zuletzt spekuliert worden, einer Reihe von institutionellen Großaktionen gehe die Umstrukturierung des Konzerns unter Bauers Regie nicht schnell genug voran. "Die Bringschuld sehe ich", sagte Bauer. Das angepeilte Renditeziel von mehr als 10 Prozent müsse Infineon in weniger als vier Jahren erreichen.
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