![]() iX special 01/2006 Programmieren mit .Net 2.0 |
Programme auf der DVD und den CDs Dieses Heft bieten wir leider nicht mehr an. |
Als Microsoft die .Net-Technologie auf der Professional Developer Conference im Jahr 2000 erstmals öffentlich vorstellte, musste es den Redmondern klar gewesen sein, was sie von ihrer Entwicklergemeinde damit einfordern: nicht mehr und nicht weniger als die radikale Abkehr vom ältlichen Component Object Model hin zu einem völlig neuen, modernen, objekt- und komponentenorientierten Programmierparadigma dem .Net Framework.
Ob der Grund für diese Zumutung der Versuch war, dem damals konkurrenzlosen Java etwas entgegenzusetzen, oder die Einsicht, dass die alte COM-Basis für aktuelle und zukünftige Anforderungen kaum noch tragfähig ist, sei dahingestellt; vielleicht war es ja beides. Sicher ist nur, dass der Weg unumkehrbar ist. Der Zug ist abgefahren. Noch rollt er langsam, man kann also noch aufspringen. Professionelle Entwickler die Zahl schätzt die hiesige Microsoft-Dependance in Deutschland auf 250 000 bis 300 000 müssen das sogar tun, wenn sie auch in Zukunft im Windows-Umfeld ihre Software verkaufen wollen.
Microsoft propagiert, dass von den neuen geschäftskritischen Anwendungen weltweit bereits 50 Prozent mit .Net erstellt werden. In Deutschland, so die selbstkritische Einschätzung, wird der Anteil niedriger liegen: wohl nicht über 40 Prozent. Bei Projekten, die auf der grünen Wiese entstehen können, ist das nahe liegend und glaubhaft.
Nur in der Realität geht ein sehr hoher Anteil der Manpower in die Wartung, Anpassung oder Weiterentwicklung von bereits bestehenden älteren Anwendungen. Hier stellt sich dann eventuell die Frage einer Migration, wobei der technische und finanzielle Aufwand wohl überlegt sein sollte (S. 33).
Etwas später und auch bescheidener als geplant hat Microsoft die zweite Version des .Net Framework und ein neues Visual Studio fertig gestellt (S. 47). Allerdings erst einmal nur die englische und die japanische, das deutschsprachige Visual Studio wird wohl erst im März verfügbar sein; diesem Special sind von daher drei englische Express-Versionen beigelegt. Diese IDEs (Web Developer, C# und Visual Basic) sind zum einen eine Grundlage, um sich mit der .Net-Philosophie vertraut zu machen (S. 6), sie dürften darüber hinaus aber auch für viele ernsthafte Anwendungen ausreichen. Gerade der .Net-Einsteiger muss mit einem gewissen Lernaufwand rechnen, Kenntnisse in Java sind hilfreich. Wie vermeintlich einfach das alles geht, zeigt ein Lernvideo auf der iX-DVD, das die Erstellung einer datenbankgestützten Website in Echtzeit zeigt.
Microsoft hat während der langen und immer länger werdenden Endphase des 2.0-Entstehungsprozesses sehr stark die Öffentlichkeit gesucht. Da wurden Features vorgestellt, die dann doch wieder aus dem Framework herausgenommen wurden, Termine gesetzt und nicht eingehalten. Um im obigen Bild zu bleiben: Da wurde manche Weiche falsch gestellt. Es steht zu befürchten, dass diese Irritationen weitergehen. Das Framework 2.0 war noch nicht in trockenen Tüchern, da stellte Microsoft auf der diesjährigen PDC schon die Planungen für die Version 3.0 vor (Holger Schwichtenberg; Feuerwerk; Microsofts Professional Developer Conference 2005; iX 11/2005, S. 12).
Wolfgang Möhle |
Nun haben gerade Unternehmen mit einer bestimmenden Marktposition quasi die Verpflichtung, über ihre mittelfristigen Strategien Öffentlichkeit herzustellen. Nur sollte das bitte schön nicht zu jahrelangen Verwirrungen führen. Zwei Jahre haben Entwickler bestimmt noch Zeit, bevor sie sich ernsthaft mit .Net Framework 3.0 beschäftigen müssen. Bis dahin sollte noch das eine oder andere Projekt fertig zu stellen sein, denn das Blumenpflücken ist während der Fahrt verboten.
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