![]() Telepolis special 01/2007 Energie sparen |
Programme auf der CD Dieses Heft bieten wir leider nicht mehr an. |
Energie sparen - was kann ich tun?
Es ist vielmehr so, dass wir in Zukunft ohne regenerative Energien gar nicht mehr auskommen werden. Dieses Heft bietet sowohl eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation als auch Ausblicke und zeigt, wo beziehungsweise wie sich Energiesparen heute bereits lohnt.
Viele spüren es schmerzlich an den Tankstellen und an den Heizkosten: Der Ölpreis steigt und steigt. Seit Jahrzehnten wird eine Debatte darüber geführt, wann das Öl zu Ende geht. In den letzten Jahren verlagerte sich der Fokus dieser Debatte mehr auf die Frage, wann die Produktion nicht mehr mit der Nachfrage mithalten kann. Schließlich werden wir auch in ferner Zukunft noch Öl haben, nur wird das Öl lange davor zu teuer geworden sein, um es zu verbrennen.
Ich bat deshalb den Forscher Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe um seine Meinung zum „Peak Oil“ – dem Punkt, an dem die Ölpreise nur noch nach oben gehen, weil die Nachfrage die Produktion für immer hinter sich lässt. Er erklärt, weshalb man nicht mehr endlos neue Felder erschließen kann, und wagt eine Prognose für den bevorstehenden Wendepunkt: das Ende des Ölzeitalters (s. S. 116). Wir können uns aber darauf vorbereiten, indem wir Ausschau halten nach Alternativen in den zwei Hauptbereichen, wo das Öl als Energieträger verwendet wird: als Treibstoff und als Brennstoff. Viel Aufhebens wird um die angeblich kommende „Wasserstoffwirtschaft“ gemacht: Der Wasserstoff soll Benzin und Diesel in Autos ersetzen. Der Brennstoffexperte und Wasserstoffbefürworter Sven Geitmann erläutert uns seine Meinung dazu (s. S. 36, 82, 88).
Wasserstoff ist aber nicht der einzige Kandidat, der als Nachfolger für das Öl gehandelt wird. Schon heute fährt man mit Biokraftstoffen. Der Autor Sven Geitmann kennt das Potenzial dieser Treibstoffe (s. S. 82). Da es nicht so einfach sein wird, einen vollwertigen Ersatz für das Öl als Treibstoff zu finden, kommt es voraussichtlich zu einem Miteinander von Biokraftstoffen und Wasserstoff, von Hybridautos und elektrischen Fahrzeugen. Ein weiterer Schritt, nämlich ganz auf das eigene Auto zu verzichten, wäre das Carsharing, und noch radikaler ist der Umstieg auf das Fahrrad (s. S. 94). Bei Ersatzbrennstoffen für die Energieversorgung im Haus dagegen sieht die Lage wesentlich hoffnungsvoller aus. Es finden sich viele Alternativen zur klassischen Ölheizung: von einer guten Wärmeisolierung bis hin zu anderen Heizsystemen. Passivhäuser beispielsweise kommen sogar mit einer einzigen Notheizung aus. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut in Darmstadt belegt detailliert, warum und wie das geht (s. S. 48).
Da der Grundbedarf an Gebäuden in Deutschland bereits weitgehend abgedeckt ist, können wir Energiekosteneinsparungen eher durch Altbausanierung als durch den Umstieg auf Passivhäuser im Zuge eines Neubaus erreichen. Für die Altbausanierung gibt es eine Fülle von Möglichkeiten zur Wärmedämmung und zur richtigen Belüftung. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen existieren bereits für den häuslichen Bereich, wie uns Energieexperte Dieter Seifried erklärt (s. S. 42). Und so genannte „Hochtemperaturbrennstoffzellen“, die nicht mit Wasserstoff laufen, befinden sich zurzeit in der Entwicklung, vor allem in Deutschland. Außerdem sind Pelletöfen stark im Kommen. Der Berliner Architekt Matthias Brake erläutert, wie man aus Holzabfall einen neuen Energieträger macht (s. S. 24). Matthias Brake liefert auch einen generellen Überblick über die vielen Formen der Energiesanierung im Bereich Altbau. Er beschreibt sowohl das relativ bekannte System der Solarkollektoren als auch weniger bekannte, aber bewährte Systeme wie Luftkollektoren und Erdwärmepumpen (s. S. 24).
Dass sich die Isolierung nicht notwendigerweise „innen“ befinden muss, erfahren wir von Dr. Werner Platzer in seinem Beitrag zur „Umweltwand“ (s. S. 28). Und natürlich gehört zu einem modernen Haus ein leistungsfähiges Lüftungssystem. Forscherin Jeanette Wapler vom Fraunhofer ISE sagt uns, wie eine effektive Lüftung beschaffen sein muss (s. S. 60).
Selbstverständlich wollen wir die Photovoltaik nicht vergessen: Eine Investition, die sich dank hoher Subventionen immer zu lohnen scheint – vorausgesetzt, man ist Eigenheimbesitzer. Ich rief Bernd Schüßler, Pressesprecher vom Magazin „Photon“, an. Seine Antwort: „Mitnichten! PVAnlagen kann man auch falsch aufstellen und Geld verschwenden.“ Außerdem bezweifelte Photon schon im Frühjahr, dass die steigenden Preise für Photovoltaik-Module allein mit steigenden Rohstoffpreisen zu tun haben. Was man bei der Installation von Photovoltaik-Modulen als Endkunde beachten muss – und weshalb die heutigen hohen Preise für die Module eventuell überzogen sind –, erfahren Sie in Bernd Schüßlers Beitrag zur Photovoltaik (s. S. 18).
Was aber tun, wenn man kein Eigenheim besitzt? Immerhin haben rund drei Fünftel aller Deutschen Mietwohnungen. Doch Mieter investieren ungern in ein Gebäude, das ihnen nicht gehört, auch wenn die Investition ihre Nebenkosten senken würde – schließlich könnte der Mietvertrag gekündigt werden, bevor die Investition sich amortisiert hat.
Zum Glück gibt es Lösungen: Matthias Brake und Dieter Seifried zeigen, dass man kein Häuslebauer sein muss, um beispielsweise in die Photovoltaik zu investieren. Über Bürgerkollektive können auch Menschen, die selbst kein geeignetes Dach besitzen, in PV-Anlagen auf den Dächern anderer investieren (s. S. 106).
In den eigenen vier Wänden kann man nicht nur durch eine Energiesanierung, sondern auch durch effiziente Haushaltsgeräte Geld sparen – ganz ohne Komfortverzicht. Das Freiburger Öko-Institut hat 2005 ein Projekt dazu gestartet: die EcoTopTen. Die Autoren stellen die Ergebnisse in diesem Sonderheft vor (s. S. 70).
Zu Hause lässt sich bestimmen, woher der Strom kommen soll – Deutschland ist einer der Vorreiter auf diesem Gebiet. Leider machen zu wenige Gebrauch von dieser wichtigen Freiheit. Dieter Seifried erklärt in seinem Beitrag „Grüner Strom“, weshalb es Sinn macht, den Strommix und die Geschäftspolitik des eigenen Energieversorgers unter die Lupe zu nehmen (s. S. 78).
Auch an der Börse kann man ökologisch investieren – doch Vorsicht: Abzocker gibt es gerade dort, wo Menschen ihr Geld anlegen, um etwa ihr Gewissen zu beruhigen. Jörg Weber von ecoreporter.de gibt uns Ratschläge, was man bei Umweltgeldanlagen beachten sollte (s. S. 100).
Klimawandel, Urwaldrodung, Ressourcenknappheit – zwar kann man sich heute seine ökologische Katastrophe fast aussuchen, aber dennoch braucht sich niemand machtlos zu fühlen. Als Einzelner oder auch gemeinsam mit anderen hat man genug Möglichkeiten, seinen Beitrag zur Energieentlastung zu leisten und dabei noch Kosten einzusparen – unser Heft zeigt, wie.
Craig Morris
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