Überblick
Energie sparen - was kann ich tun?
Erneuerbare Energien und Energie sparen –
das klingt alles schön und gut, aber muss
damit auch gleich Verzicht verbunden sein?
Und sind diese Technologien nicht einfach
Spielzeug für Gutbetuchte, die sich ein
sauberes Umweltgewissen leisten können?
Es ist vielmehr so, dass wir in Zukunft ohne regenerative
Energien gar nicht mehr auskommen werden. Dieses Heft
bietet sowohl eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen
Situation als auch Ausblicke und zeigt, wo beziehungsweise
wie sich Energiesparen heute bereits lohnt.
Viele spüren es schmerzlich an den Tankstellen und an
den Heizkosten: Der Ölpreis steigt und steigt. Seit Jahrzehnten
wird eine Debatte darüber geführt, wann das Öl
zu Ende geht. In den letzten Jahren verlagerte sich der
Fokus dieser Debatte mehr auf die Frage, wann die Produktion
nicht mehr mit der Nachfrage mithalten kann. Schließlich
werden wir auch in ferner Zukunft noch Öl haben, nur
wird das Öl lange davor zu teuer geworden sein, um es zu
verbrennen.
Ich bat deshalb den Forscher Peter Gerling von der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe um
seine Meinung zum „Peak Oil“ – dem Punkt, an dem die
Ölpreise nur noch nach oben gehen, weil die Nachfrage die
Produktion für immer hinter sich lässt. Er erklärt, weshalb
man nicht mehr endlos neue Felder erschließen kann, und
wagt eine Prognose für den bevorstehenden Wendepunkt:
das Ende des Ölzeitalters (s. S. 116). Wir können uns aber
darauf vorbereiten, indem wir Ausschau halten nach
Alternativen in den zwei Hauptbereichen, wo das Öl als
Energieträger verwendet wird: als Treibstoff und als Brennstoff.
Viel Aufhebens wird um die angeblich kommende
„Wasserstoffwirtschaft“ gemacht: Der Wasserstoff soll
Benzin und Diesel in Autos ersetzen. Der Brennstoffexperte
und Wasserstoffbefürworter Sven Geitmann erläutert uns
seine Meinung dazu (s. S. 36, 82, 88).
Wasserstoff ist aber nicht der einzige Kandidat, der als
Nachfolger für das Öl gehandelt wird. Schon heute fährt
man mit Biokraftstoffen. Der Autor Sven Geitmann kennt
das Potenzial dieser Treibstoffe (s. S. 82). Da es nicht so
einfach sein wird, einen vollwertigen Ersatz für das Öl als
Treibstoff zu finden, kommt es voraussichtlich zu einem
Miteinander von Biokraftstoffen und Wasserstoff, von
Hybridautos und elektrischen Fahrzeugen. Ein weiterer
Schritt, nämlich ganz auf das eigene Auto zu verzichten,
wäre das Carsharing, und noch radikaler ist der Umstieg
auf das Fahrrad (s. S. 94). Bei Ersatzbrennstoffen für die
Energieversorgung im Haus dagegen sieht die Lage wesentlich
hoffnungsvoller aus. Es finden sich viele Alternativen
zur klassischen Ölheizung: von einer guten Wärmeisolierung
bis hin zu anderen Heizsystemen. Passivhäuser
beispielsweise kommen sogar mit einer einzigen Notheizung
aus. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut in Darmstadt
belegt detailliert, warum und wie das geht (s. S. 48).
Da der Grundbedarf an Gebäuden in Deutschland
bereits weitgehend abgedeckt ist, können wir Energiekosteneinsparungen
eher durch Altbausanierung als durch
den Umstieg auf Passivhäuser im Zuge eines Neubaus
erreichen. Für die Altbausanierung gibt es eine Fülle von
Möglichkeiten zur Wärmedämmung und zur richtigen Belüftung.
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen existieren bereits
für den häuslichen Bereich, wie uns Energieexperte Dieter
Seifried erklärt (s. S. 42). Und so genannte „Hochtemperaturbrennstoffzellen“,
die nicht mit Wasserstoff laufen, befinden sich zurzeit in der Entwicklung,
vor allem in
Deutschland. Außerdem sind Pelletöfen stark im Kommen.
Der Berliner Architekt Matthias Brake erläutert, wie man
aus Holzabfall einen neuen Energieträger macht (s. S. 24).
Matthias Brake liefert auch einen generellen Überblick
über die vielen Formen der Energiesanierung im Bereich
Altbau. Er beschreibt sowohl das relativ bekannte System
der Solarkollektoren als auch weniger bekannte, aber bewährte
Systeme wie Luftkollektoren und Erdwärmepumpen
(s. S. 24).
Dass sich die Isolierung nicht notwendigerweise
„innen“ befinden muss, erfahren wir von Dr. Werner Platzer
in seinem Beitrag zur „Umweltwand“ (s. S. 28). Und natürlich
gehört zu einem modernen Haus ein leistungsfähiges
Lüftungssystem. Forscherin Jeanette Wapler vom Fraunhofer
ISE sagt uns, wie eine effektive Lüftung beschaffen
sein muss (s. S. 60).
Selbstverständlich wollen wir die Photovoltaik nicht vergessen:
Eine Investition, die sich dank hoher Subventionen
immer zu lohnen scheint – vorausgesetzt, man ist Eigenheimbesitzer.
Ich rief Bernd Schüßler, Pressesprecher vom
Magazin „Photon“, an. Seine Antwort: „Mitnichten! PVAnlagen
kann man auch falsch aufstellen und Geld verschwenden.“
Außerdem bezweifelte Photon schon im Frühjahr,
dass die steigenden Preise für Photovoltaik-Module
allein mit steigenden Rohstoffpreisen zu tun haben. Was
man bei der Installation von Photovoltaik-Modulen als Endkunde
beachten muss – und weshalb die heutigen hohen
Preise für die Module eventuell überzogen sind –, erfahren
Sie in Bernd Schüßlers Beitrag zur Photovoltaik (s. S. 18).
Was aber tun, wenn man kein Eigenheim besitzt?
Immerhin haben rund drei Fünftel aller Deutschen Mietwohnungen.
Doch Mieter investieren ungern in ein Gebäude,
das ihnen nicht gehört, auch wenn die Investition ihre
Nebenkosten senken würde – schließlich könnte der Mietvertrag
gekündigt werden, bevor die Investition sich amortisiert
hat.
Zum Glück gibt es Lösungen: Matthias Brake und Dieter
Seifried zeigen, dass man kein Häuslebauer sein muss, um
beispielsweise in die Photovoltaik zu investieren. Über
Bürgerkollektive können auch Menschen, die selbst kein
geeignetes Dach besitzen, in PV-Anlagen auf den Dächern
anderer investieren (s. S. 106).
In den eigenen vier Wänden kann man nicht nur durch
eine Energiesanierung, sondern auch durch effiziente
Haushaltsgeräte Geld sparen – ganz ohne Komfortverzicht.
Das Freiburger Öko-Institut hat 2005 ein Projekt dazu gestartet:
die EcoTopTen. Die Autoren stellen die Ergebnisse
in diesem Sonderheft vor (s. S. 70).
Zu Hause lässt sich bestimmen, woher der Strom
kommen soll – Deutschland ist einer der Vorreiter auf
diesem Gebiet. Leider machen zu wenige Gebrauch von
dieser wichtigen Freiheit. Dieter Seifried erklärt in seinem
Beitrag „Grüner Strom“, weshalb es Sinn macht, den
Strommix und die Geschäftspolitik des eigenen Energieversorgers
unter die Lupe zu nehmen (s. S. 78).
Auch an der Börse kann man ökologisch investieren –
doch Vorsicht: Abzocker gibt es gerade dort, wo Menschen
ihr Geld anlegen, um etwa ihr Gewissen zu beruhigen.
Jörg Weber von ecoreporter.de gibt uns Ratschläge, was
man bei Umweltgeldanlagen beachten sollte (s. S. 100).
Klimawandel, Urwaldrodung, Ressourcenknappheit –
zwar kann man sich heute seine ökologische Katastrophe
fast aussuchen, aber dennoch braucht sich niemand
machtlos zu fühlen. Als Einzelner oder auch gemeinsam
mit anderen hat man genug Möglichkeiten, seinen Beitrag
zur Energieentlastung zu leisten und dabei noch Kosten
einzusparen – unser Heft zeigt, wie.
Craig Morris