![]() Telepolis special 01/2009 Zukunft |
Auf der Heft-DVD |
Die Bilder dieses Telepolis Special stammen von Frank R. Paul (1884–1963), dem Pionier der Science-Fiction-Kunst. Auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung haben die fantasievollen, detailreichen Werke nichts von ihrer Faszination verloren.
Kann man eine Zeitschrift zum Thema Zukunft besser illustrieren als mit Science-Fiction-Bildern der Vergangenheit, die nach Jahrzehnten immer noch zeitgemäß und visionär wirken? Dieser Brückenschlag gelingt mit den Werken von Frank Rudolph Paul, die Titelseite und Artikel zieren.
Als der Herausgeber und Schriftsteller Hugo Gernsback 1926 die Heftreihe „Amazing Stories“ gründete, war Frank R. Paul als Illustrator von Anfang an dabei. Mit dieser Publikation prägte Gernsback (1884–1967) nicht nur den Begriff Science-Fiction, sondern hat das Genre überhaupt erst geschaffen. Der Literaturpreis „Hugo Award“ (eigentlich Science Fiction Achievement Award) geht auf diesen Wegbereiter zurück.


Aus diesen, zum Teil stark beschädigten Vorlagen entstanden nach aufwendiger Restaurierung die Illustrationen für das Telepolis special Zukunft. Die Originale sind meint nicht mehr auffindbar, die Vorlagen stammen von Scans der Jahrzente alten Pulp-Hefte.
Die „Amazing Stories“ waren wie die anderen „Pulps“ billig produzierte Heftchen, die aber zum ersten Mal die Zukunft in den Fokus rückten. Über drei Jahre lang, von 1926 bis 1929, stammte jedes Titelbild von Frank R. Paul, der zusätzlich Illustrationen für die Rückseite und für die Beiträge in den Heften gestaltet hat. Nach 1929 bebilderte Paul andere Magazine, darunter Wonder Stories, Science Wonder Stories und Science Fiction. Insgesamt hat er mehr als 220 Titelseiten gestaltet, sowie 60 Rückseiten und mehr als 600 Bilder fürs Heftinnere. Diese Zahlen stammen vom glühenden Paul-Verehrer Frank Wu, selbst Science-Fiction-Künstler, der alle bekannten Paul-Werke listet und viele davon auch abbildet.
Spektakuläre Vogelperspektiven wie der Blick von oben auf eine Großstadt, über der ein umgekipptes Schiff schwebt, sind selten, bei Paul überwiegt der konventionelle Blickwinkel. Die Bilder faszinieren wegen ihrer bis dato nicht gesehenen Inhalte wie Mensch-trifft-Alien und neuer Formgebung, zum Beispiel die von Robotern oder Raumschiffen. Paul legte viel Wert aufs Detail, fast in jedem Bild gibt es auch auf den dritten Blick noch etwas Neues zu erkennen, man kann regelrecht eintauchen. Paul erschuf Bilderwelten, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Die flächendeckende Verbreitung der Pulp-Hefte half dabei, seine Bilder ins kollektive Gedächtnis zu brennen.
Natürlich sind die Themen oft plakativ und populistisch, schließlich wollten die Herausgeber ihre Hefte verkaufen. Auch die meist grelle Farbgebung musste sich dem Marketing unterordnen, die Hefte durften schließlich an den Verkaufsstellen nicht untergehen. Trotz dieser Vorgaben wiederholt sich Paul kaum, seine Fantasie schien grenzenlos.
Frank R. Paul war ein Kind seiner Zeit. Die abgebildete Technik zeigt meist Mechanik und robuste Elektronik. Doch immer dann, wenn Paul auf konventionelle Technikdarstellung verzichtete, gelangen ihm besonders eindrucksvolle Illustrationen, darunter das Auge mit Innenleben oder der Flug eines Menschen in einer virtuellen Welt.
Dass bei seinen Werken besonders Gebäude und Landschaften hervorstechen, mag an seiner Ausbildung als Architekt liegen, die er in Wien abschloss, wo er 1884 zur Welt kam. Um dem kaiserlichen Militärdienst zu entgehen, emigrierte er im Jahr 1909 in die Vereinigten Staaten. Seine Karriere als Illustrator begann 1913, dazu kamen einige Ausflüge in die Architektur. Er entwarf unter anderem das Johnson&Johnson-Gebäude in New Brunswick, New Jersey.
Während der Weltwirtschaftskrise arbeitete er auch als technischer Zeichner für Schiffswerften und veröffentlichte politische Cartoons. Später war er ausschließlich als Illustrator tätig und legte viel Wert darauf, als Freiberufler unabhängig zu bleiben. Paul starb 1963 in Teaneck, New Jersey.
Die Originale liegen bei zahlreichen, meist unbekannten Sammlern oder sind verschollen. Die Illustrationen in diesem Heft stammen deshalb notgedrungen von hochauflösenden Scans der Pulp-Hefte, von denen einige nach Jahrzehnten zerfallen und beschädigt sind. Diese Scans mussten wir aufwendig digital restaurieren. Ohne die Unterstützung der Angehörigen von Frank R. Paul wäre das Projekt wohl nicht gelungen.
Dieses Telepolis-Sonderheft zeigt, wie zeitgemäß die Kunst von Frank R. Paul wirkt. Uns hat verblüfft, wie gut die zum Teil über 80 Jahre alten Bilder mit den modernen Artikelinhalten korrespondieren. Zukünftige Generationen werden die Bilder womöglich anders interpretieren, weil sie die interstellare Raumfahrt und virtuellen Welten vielleicht aus eigener Erfahrung direkt mit Frank R. Pauls Vorstellungen messen können. Wie auch immer dieser Vergleich ausfällt – seine Bilder werden wohl auch dann noch faszinieren.
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