26. April 2012 18:29

Re: 50m Cat-6 Kabel für 10GBaseT EtherNet kosten fast nichts...

Alexander Gräf schrieb am 26. April 2012 17:13
> Die günstigste 10-Gbase-T-NIC kostet 450 EUR brutto.

Bei Abnahme von zwei sind es schon nur noch 300 (siehe
http://www.heise.de/preisvergleich/633392 ), nur wenig mehr kostet
ein 10GBaseT Port in high-end switches, siehe z.B. Arista 7140T-8S
unter http://www.gepanet.com/arista.htm

> PCIe-1Gbit-NIC zwischen 5 und 10 EUR.

Klar, sobald man nicht von Intel u.ä. kauft, wird es deutlich
billiger, aber die billigste von Intel für Server vorgesehene NIC
liegt auch schon bei >60 € - siehe
http://www.heise.de/preisvergleich/180036 

Du kannst sicher sein, sobald es 10GBaseT als no-name China-Ware
gibt, fallen die Preise auch dort locker auf ein 1/10el - auch
Gigabit switches und NICs waren mal teuer, bevor sie im Massenmarkt
verkauft wurden.

> Du vergleichst hier einen LKW mit 100 Fahrrädern. Und man kann das
> eine nicht mit dem anderen aufwiegen, oder wie willst du mit einer
> 10-Gbit-NIC 10 Rechner anschließen

Ebensowenig kann ich mit einem Thunderbird-Kabel 10 Rechner oder 10
Devices anschliessen. Niemand wird für den Anschluss von ein paar
billigen externen devices viele teure Kabel bezahlen wollen.

Bei 10GBaseT ist im Preis aber immerhin schon Rückwärtskompatibilität
zum billigen Gigabit-Ethernet mit dabei, auch kann ich einen 30,- €
EtherNet (1G) switch anschliessen, um diverse Peripherie anzusprechen
- während es für Thunderbolt solche Rückwärtskompatibilität oder
billige switches noch nicht gibt. 

> > Das 10GBaseT NICs nicht noch deutlich billiger sind ist leicht durch
> > die noch recht geringe Stückzahl zu erklären

> Na klar, ist zwar die weltweit vorherrschende Netzwerktechnik

10GBaseT gibt es gewiss bislang noch nicht mal 1/1000 so häufig wie
andere EtherNet Varianten, daher selten, daher noch teurer.

> Nein, die Technologie, 10 Gbit zuverlässig und bis Längen von 100
> Meter über Billigkupfer zu jagen, und zwar so, dass sich die
> Leitungen in einem Bündel nicht gegenseitig stören, ist stinkbillig
> und völlig anspruchslos.

Anspruchslos nicht, aber ein einmal designter Chip ist auch dann in
Massenproduktion billig, wenn sein Design komplex ist.

> 1) Jeder meckert über die 50 EUR für ein 2-Meter-Thunderbolt-Kabel.
> Ein CX4-(aka InfiniBand)-Kabel mit ähnlicher Bandbreite und Länge
> kostet schnell 100 EUR und mehr, ist passiv, dick, unflexibel und hat
> einen Stecker, dem ich höchstens ein paar Dutzend Steckzyklen
> zutraue.

Richtig, und ich käme im Traum nicht auf die Idee, CX4 für
irgendetwas zu empfehlen.

> 2) Wie oben ausgeführt kosten die erforderlichen Transceiver für
> 10GBaseT einige hundert Euro das Stück. Das ist der Preis dafür, dass
> man hinterher ein popeliges, passives Kupferkabel benutzen darf.

Und hier bin ich eben sicher, dass ein zahlreicher verkaufter
10GbaseT chip letztlich kaum teurer als ein 1G chip sein wird,
analog, wie das für 100MBit/s vs. 1GBit/s der Fall war.

> 3) 10GBaseT ist ein Nachzügler, ursprünglich war das ganze nur per
> Glasfaser vorgesehen

Das wurde auch über 1GBit/s EtherNet mal gesagt, tatsächlich finden
sich heute tausende solche Verbindungen über Kupferkabel in RZs.

> > (keiner verlangt, dass das dafür TCP/IP verwendet wird,
> > ein primitives layer-2 Protokoll wäre dafür gewiss ausreichend).

> ... man hat eine Scheißidee nach der anderen und ersetzt TCP/IP durch
> ein "primitives Layer-2 Protokoll", umgangssprachlich "proprietärer
> Müll" genannt.

Für "Schliesse ein lokales Display an Rechner an, übertrage
unkomprimierte Pixeldaten" ist es keine Scheißidee, keinen TCP/IP
overhead zu benötigen.

Wer Displays über layer 3 router anschliessen will: Dafür gibt's
genügend besser geeignete etablierte Protokolle.

> Die Kabel werden billiger. Wenn wir bei 15 EUR angekommen sind, ist
> es günstig austauschbare Massenware.

Selbst 15€ wären für ein Anschlusskabel für z.B. eine externe
Festplatte noch viel zu viel. 

> Ein verdammt großes Problem mit EtherNet [sic] ist der hohe
> CPU-Verbrauch, die Interrupts

Würde man TCP/IP über Thunderbolt sprechen, ergäbe sich derselbe CPU
Verbrauch, aber niemand zwingt einen dazu, dass über EtherNet zu tun.
Und EtherNet NICs sind typischerweise DMA-fähig.

> bei 10-Gbase-T obendrein die hohen Latenzen

Für welchen Anwendungsfall stellen die Latenzen eines 10GBaseT
transceivers bitte ein Problem dar?

SATA/SAS & Co haben heute viel höhere Latenzen, und für
unidirektionale Verbindungen wie zu Displays spielen ein paar
Mikrosekunden keine Rolle.

> aber Ethernet ist optimiert für Weitbereichsnetze mit einigen bis
> hunderten Teilnehmern, und nicht zur möglichst Latenzfreien
> Übertragung serieller Datenströmer bei hoher Bandbreite.

Du sprichst hier von Eigenschaften eines oft mit EtherNet zusammen
benutzten OSI Layer 3. Hingegen hat 10GBaseT auf Layer 2 keine
Eigenschaften, die im Konflikt mit den Nutzungsszenarien eines
universellen Computer-Peripherieports stehen.

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