
Ob unter dem Begriff „Software as a Service“ (SaaS) oder als „Software on Demand“ – das Cloud-Konzept will für Unternehmen eine erfolgversprechende Alternative zu traditionellen Inhouse-Lösungen oder gehosteten Systemen sein. Wir sagen Ihnen, welche Vor- und Nachteile Cloud-ERP gerade kleinen und mittleren Fertigungsunternehmen wirklich bringt.
Die Entwicklung des Cloud-ERP-Hypes nach Ansicht des Marktforschungsunternehmens Gartner
Nach dem Cloud-Modell wird ERP-Software durch einen Anbieter für eine Vielzahl von Anwendern auf Mietbasis bereitgestellt. Dazu wird die Software samt allen Anwendungsdaten in einem Rechenzentrum gehostet. Die Benutzer benötigen keine lokale Softwareinstallation mehr, sondern greifen über ihren Browser auf das ERP-System zu. Im Gegensatz zum klassischen Lizenzmodell geht das Nutzungsrecht bei Cloud-ERP nicht dauerhaft auf den Anwender über, sondern nur für eine bestimmte Zeitspanne. Daher spricht man oft auch von „Mietsoftware“.
Wie lange sich ein Kunde binden muss, welche Lizenzmodelle zur Anwendung kommen, wo die Daten zu welchen Service-Level-Bedingungen gehostet werden – das und vieles mehr ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Relevante Informationen sind und oft nur im Kleingedruckten zu finden.
Eine Orientierungshilfe im unübersichtlichen Cloud-Markt soll die Studie „Cloud Vendor Benchmark 2012“ der Experton Group bieten. Die Analysten haben sich die über 350 IT-Provider in Deutschland genauer angesehen, die sich selbst mit dem Label „Cloud“ schmücken. Übrig blieben allerdings nur 109 Anbieter, die über ein ernst zu nehmendes Portfolio im Bereich Cloud Computing verfügen und somit für den Benchmark berücksichtigt wurden.
Einen Schwerpunkt in der „Cloud Vendor Benchmark 2012“ bildet der Bereich Software as a Service (SaaS). So wurde im Rahmen der Untersuchung der Fokus auf zentrale SaaS-Kategorien wie CRM, Collaboration, Webconferencing und ERP im Segment der kleinen Unternehmen gelegt. „Hierbei hat sich vor allem gezeigt, dass der Markt echter SaaS-Lösungen, also mit multimandantenfähiger Architektur auf einer Shared Infrastructure sowie einem zentralen Release- und Patchmanagement, deutlich kleiner ist als angenommen“, sagt Steve Janata, Senior Advisor der Experton Group und Koautor der Studie. „Bei den meisten Angeboten im Markt handelt es sich lediglich um gehostete Instanzen von bestehenden On-Premise-Versionen. Hier kann der Anwender mit Ausnahme der preislichen Flexibilisierung nicht von den zentralen Vorteilen eines Cloud-Modells profitieren“, fügt Janata hinzu.
„Der Markt ist ein Anbietermarkt“, bringt es Frank Niemann, Director Software Markets beim Analystenhaus PAC, auf den Punkt. „Noch“, fügt er hinzu. „Das Interesse an Lösungen aus der Cloud nimmt eindeutig zu. Jedoch starten heute noch sehr wenige Unternehmen die Auswahl eines ERP-Systems mit dem Ziel, dass eine Cloud-Lösung dabei herauskommen muss.“ Im Vordergrund der Entscheidung stünden vielmehr Fragen, die unabhängig vom Betriebsmodell seien: Passt die Lösung funktional zu meinen momentanen und künftigen Anforderungen und spricht der Anbieter meine Sprache? „Das hat jedoch alles nichts mit Cloud zu tun, sondern gilt gleichermaßen für die Auswahl einer Vor-Ort-Lösung“, sagt Niemann weiter. Auch der Aspekt der mangelhaften Sicherheit – der momentan als Hindernis Nummer 1 genannt wird – sei bei Installationen im eigenen Haus beziehungsweise beim Betrieb der Anwendung durch einen externen Dienstleister zu berücksichtigen.