Die Internationale Fernmeldeunion (International Telecommunication Union, ITU) strickt derweil schon am Netz der vierten Generation. Geplant ist ein internationales Netz, das komplett auf dem IP-Standard aufbaut und keine verbindungsbasierten Telefonate mehr vorsieht – ein reines Datennetz also. Über Funkkanäle mit einer Bandbreite von 100 MHz sollen mobil mindestens 100 MBit/s, in Hotspots sogar bis zu einem Gigabit pro Sekunde möglich sein. Dieses Netz ist allerdings noch Zukunftsmusik, zumal es bislang weder Standards noch passende Geschäftsmodelle gibt. Man rechnet mit einem 4G-Netz etwa ab dem Jahr 2020.
Ob und wann die schnellen Datennetze kommen werden, hängt vom Bedarf, aber auch von der Bereitschaft der Betreiber ab, in die Erweiterung ihrer Netze zu investieren. Vielen Nutzern reicht bisher eine 3,6-MBit/s-Verbindung zum Surfen aus. Dank HSUPA lassen sich in vielen Netzen auch größere Datenmengen zügig verschicken. Multimedia-Handys wie das iPhone oder dessen Konkurrenten mit Android und Windows Mobile können die zurzeit verfügbaren Datenraten noch nicht ausreizen. Erst die kommenden schnelleren Prozessoren und Speicher für Mobilgeräte dürften eingehende Daten schnell genug verarbeiten. Allein die Mobilbrowser brauchen zum Aufbau einer Webseite noch ein Vielfaches der Zeit, die der Datenempfang benötigt.
Erst in Verbindung mit dem Notebook lässt sich HSPA richtig ausnutzen. Die meisten Handys und Smartphones dienen per USB-Kabel mit dem Mobilrechner gekoppelt (Bluetooth ist zu langsam) als Funkmodem, noch bequemer sind HSPA-Sticks oder direkt in Netbooks eingebaute HSPA-Module. Von Huawei gibt es bereits Sticks, die als Geräte der HSUPA-Kategorie 6 bis zu 5,7 MBit/s versenden. So lassen sich bereits heute datenintensive Anwendungen wie Fern-Zugriffe auf den heimischen Rechner, Cloud-Computing oder HD-Videostreams nutzen. Auch Profikameras mit HSUPA, die hochauflösende Bilder gleich verschicken können, dürften nicht lange auf sich warten lassen.
Bislang bietet nur das O2-Netz stellenweise HSUPA mit dieser Geschwindigkeit an. Im gut ausgebauten T-Mobile-Netz sind es 2, bei Vodafone 1,4 MBit/s. In Empfangsrichtung bieten die drei UMTS-Netze mittlerweile 3,6, in stark frequentierten Bereichen 7,2 MBit/s an. Nur E-Plus hat mit dem HSPA-Ausbau – abgesehen von lokalen Tests – noch nicht begonnen.
Mit Plänen zu HSPA+ oder sogar LTE halten sich die Netzbetreiber noch zurück und versichern nur, dass der Ausbau der Datendienste sukzessive weiter gehen wird. Dabei werden sie schnellere Dienste zunächst nur in Hotspots wie Messegeländen und Kongresszentren anbieten, wo viele Kunden per Notebook ins Internet gehen. Außerdem gibt es noch keine Endgeräte mit etwa HSPA+ zu kaufen.
Abgesehen von den mehr oder weniger hohen Investitionen dürfte ein weiterer Punkt die Motivation der Betreiber, ihre Netze mit besseren Datendiensten auszurüsten, deutlich gemindert haben: Obwohl viele Betreiber weltweit eine Verzehnfachung des Datenverkehrs melden, stiegen die Einkünfte nur um etwa zehn Prozent. Diese Entwicklung war sicherlich nötig – nur wenige Kunden zahlen die horrenden Entgelte, die zu Beginn des UMTS-Booms üblich waren. Erst die im Verhältnis dazu deutlich günstigeren Flatrates haben den Netzbetreibern zahlreiche neue Datenkunden beschert.(rop)
| [1] | Rudolf Opitz, GSM-Renner, EDGE: schnelles Internet auch ohne UMTS, www.heise.de/mobil/artikel/75359 |
| [2] | Website des Third Generation Partnership Project 3GPP, www.3gpp.org |
| [3] | Dusan Zivadinovic, Codes und Korrekturen, Warum HSDPA die UMTS-Datnübertragungen beschleunigt, c't 3/08, S. 164 |
| [4] | Dr. Thomas Kaiser, Rudelfunk, Antennengruppen verbessern Funkverbindungen, c't 8/05, S. 132 |
| [5] | Übersichten zu diversen Mobilfunkstandards, www.umtslink.at |