Was steif formuliert wie Zukunftsmusik klingt, gehört für viele Fernsehzuschauer schon zum Alltag. Bei internationalen Fußballspielen wird die Bandenwerbung am Spielfeldrand bei der TV-Übertragung meist durch virtuelle Werbung ersetzt – je nach Sponsorenlage steht jemand anderes auf der Banderole. Bei der Schwimmweltmeisterschaft im Sommer zeigte der Fernseher auf den Bahnen flach über dem Wasser schwebende Pfeile mit Namen, Nationalität und Bestzeit der Teilnehmer – für die Zuschauer vor Ort war von alledem nichts zu sehen.
Fürs Fernsehen sind perspektivisch korrekte Einblendungen aus dem Computer also ein alter Hut. Der aktuelle Trend konzentriert sich auf individuelle Lösungen, bei denen die AR-Erfahrung live vor Ort stattfindet. Die Forscher verfolgen dabei ernsthafte Anwendungen gleichermaßen wie spielerische Ansätze.
Denkbar wäre, dass sich Teilnehmer einer Dinner-Party diskret Name, Beruf und Hobby unbekannter Gäste einblenden lassen – im Raum schwebend und an die Personen gebunden, damit man im Gewusel schneller zueinander findet. Die Stadtverwaltung könnte ein noch in der Planungsphase befindliches Gebäude per AR vor Ort begutachten, um vor Erteilung der Baugenehmigung zu entscheiden, ob der Bau in die Umgebung passt oder die Gegend verschandelt.
Derzeit stehen der erweiterten Realität noch diverse technische Hürden im Weg. Zunächst einmal benötigt man einen Sensor, um die Umgebung zu erkennen, dann ausreichend Rechen-Power, um sie zu verarbeiten und zu ergänzen, und schließlich noch einen Weg, die live zusammengesetzten Bilder vor das menschliche Auge zu setzen. Und das alles soll möglichst mobil sein.
Bisher erfüllen zwei Produktkategorien diese Voraussetzungen zumindest im Ansatz: Bonsai-Notebooks (Ultra-Mobile PC, UMPC) und überzüchtete Handys (Smartphones). Aufgrund der hohen Verbreitung stürzen sich die AR-Forscher derzeit vor allem auf Smartphones: Die meisten der eingebauten Kameras erfassen Video, die Prozessor-Leistung nähert sich mit jeder Gerätegeneration weiter den Anforderungen und das Display besitzt immerhin die Dimensionen eines Schminkspiegels.