Unter dem Namen Nexus One hat Google sein erstes Smartphone vorgestellt. Der Internet-Spezialist verkauft es über einen eigenen Webshop ohne Netzsperren und teure Mobilfunkverträge. Es soll mit der neuesten Android-Version 2.1, kontrastreichem Display und schnellem Snapdragon-Prozessor Kunden und Konkurrenten beeindrucken.
Seit Dezember mehrten sich Gerüchte um ein in Eigenregie entwickeltes Google-Smartphone im Web, die sich nach und nach durch Informationsbröckchen zu technischen Daten des neuen „Superphones“ erhärteten, sich aber dann als eine clevere Marketing-Strategie des Suchmaschinen-Primus entpuppten.
Bei der Pressekonferenz im kalifornischen Mountain View gab es daher nur wenig Überraschendes: Das Nexus One ist in erster Linie eine Weiterentwicklung von Googles im Herbst 2008 lancierten Android-Modell G1 – beide stammen vom taiwanischen Smartphone-Hersteller HTC.
Zu den Merkmalen des Nexus One gehören außer dem großen Touchscreen in AMOLED-Technik und dem mit einem Gigahertz bislang schnellsten Mobilprozessor Snapdragon von Qualcomm eine Spracherkennung, der man sogar – zunächst englische – Mails diktieren kann.
Neu ist auch der Vertriebsweg; erstmals bietet Google ein Smartphone ohne Vertrag über einen eigenen Webshop an: Unter www.google.com/phone ist es zu einem für Oberklassegeräte günstigen Preis von rund 530 US-Dollar erhältlich.
Wir haben die US-Version, die mit beliebigen SIM-Karten auch in Deutschland funktioniert, bereits getestet. Das schicke, 134 Gramm schwere und 12 Millimeter dünne Nexus One liegt unter anderem wegen der Teflon-beschichteten Rückseite sehr gut in der Hand. Man bedient es hauptsächlich über den sensiblen kapazitiven Touchscreen, vier Sensortasten und einen Trackball, der durch Blinken gleichzeitig Ereignisse wie verpasste Anrufe, E-Mails oder anstehende Termine meldet.
Während der Touchscreen, der außer im direkten Sonnenlicht gut ablesbar ist, auf jedes leichte Antippen reagiert, ignorieren die Sensortasten darunter viele Eingabeversuche. Das nervt schnell, da man besonders die Rückschritt- und Menütaste oft braucht. Am besten klappte es mit leichtem Drüberstreichen.
Geladen wird das Nexus One über eine Micro-USB-Buchse, über die es die eingelegte microSDHC-Karte auch als USB-Laufwerk angeschlossenen PCs bereitstellt. Zum Austausch des Wechselspeichers muss man das Gerät abschalten und den Akku entfernen. Internetweitergabe (Tethering) an Notebooks kennt das Android-Smartphone nicht. Immerhin gibt es bereits eine Software-Erweiterung für gerootete Exemplare, die diese Funktion nachrüstet.
Die Akkulaufzeit enttäuschte: Im Test hielt es keinen Tag mit starker Benutzung durch. Vergisst man, das Smartphone abends ans Ladegerät zu stecken, hat es sich am Morgen meist abgeschaltet.
Beim Telefonieren bietet es eine gute Sprachqualität, die auch bei aktivierter Freisprechfunktion erhalten bleibt. Zur Verbesserung der Verständlichkeit in lauter Umgebung nimmt ein zweites Mikrofon an der Rückseite Hintergrundgeräusche auf und blendet sie bei der Übertragung aus. Videotelefonie kennt das Nexus One wie alle bisherigen Android-Modelle nicht, zumal eine Zweitkamera fehlt.